vergrößernverkleinern
FC Bayern vs. Borussia Dortmund: Chronologie einer Eiszeit
Watzke (r.) und Klopp arbeiten seit 2008 beim BVB zusammen © imago

Der BVB-Boss schließt eine vorzeitige Trennung von Klopp kategorisch aus. Auch für den DFB soll es keine Ausnahme geben.

Von Jan Reinold

München - Üblicherweise redet man ja über Trainerentlassungen, wenn eine Mannschaft nicht so erfolgreich ist - oder zumindest nicht so erfolgreich, wie sie es nach Meinung der Vereinsspitze sein könnte. Nicht so bei Borussia Dortmunds.

Obwohl Jürgen Klopp dem BVB zwei Meisterschaften, einen Pokalsieg, die Teilnahme am Champions-League-Finale sowie einen makellosen Start in die neue Bundesliga-Saison bescherte und außerdem bis 2016 vertraglich an die Westfalen gebunden ist, sprach Hans-Joachim seinem Trainer im Interview mit dem "kicker" schon einmal vorsorglich eine Jobgarantie aus.

"Ich würde niemals Jürgen Klopp entlassen", versicherte Dortmunds Geschäftsführer und betonte: "Niemals. Nie."

Klopp als Löw-Nachfolger?

Anlass des watzkeschen Treuebekenntnisses sind ausgerechnet Klopps Erfolge, die den früheren Zweitliga-Profi für europäische Top-Klubs und auch für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) interessant gemacht haben.

Der 46-Jährige wird immer mal wieder als möglicher Nachfolger von Bundestrainer Joachim Löw gehandelt, der zwar vor einer Vertragsverlängerung bis 2016 steht, wohl aber mit beidseitiger Ausstiegsklausel.

Sollte Löw also aus irgendwelchen Gründen, beispielsweise einem Scheitern bei der WM im nächsten Jahr in Brasilien, den DFB verlassen (müssen), könnte Klopp in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Watzke aber schob solchen Gedankenspielen einen Riegel vor.

Vom DFB-Team begeistert

"Dass Jürgen 2014 nicht als Bundestrainer zur Verfügung stehen würde, ist klar. Egal, was in Brasilien passiert", sagte der 54-Jährige und ergänzte interessanterweise: "Das ist besprochen."

Wer das mit wem besprochen hat, erzählte Watzke nicht. Offenbar aber hat sich Klopp mit einem Engagement als Bundestrainer beschäftigt, warum sonst sollte etwas "besprochen" worden sein?

Dass der 46-Jährige dem Posten grundsätzlich nicht abgeneigt ist, dafür sprechen auch seine Äußerungen im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1.

Dort hatte Klopp am Sonntag geschwärmt, die Nationalmannschaft verfüge über "unfassbar großes Potenzial", müsse aber in der Arbeit gegen den Ball noch zulegen - gerade das ist eines von Klopps Steckenpferden.

Vertragsbruch wohl ausgeschlossen

Realistisch betrachtet wird es den Bundestrainer Jürgen Klopp in naher Zukunft aber wohl nicht geben. Watze glaubt, dass Klopp mit Mitte 40 noch nicht bereit sei, "um ad hoc glücklich zu sein, wenn er mal vier Wochen gar nichts macht und sich ab und zu ein Spiel anguckt".

Vielmehr brauche der BVB-Coach die tägliche Herausforderung, und außerdem schließe Klopp auch keine Verträge, "um sie zu brechen".

Selbst wenn Löw also vor 2016 beim DFB aufhören würde, stünde Klopp wohl nicht zur Verfügung. Auf die Nachfrage, ob er für das Amt des Bundestrainers aus Dortmund weggehen würde, hatte Klopp im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 betont:

"Ich würde meinen Vertrag dafür nicht brechen. Also müsste ich frei sein, und der DFB müsste mich dann trotzdem noch wollen."

Kein Verschleiß festzustellen

2016, wenn Klopps Vertrag in Dortmund nach jetzigem Stand ausläuft, könnten die Karten neu gemischt werden. Watzke gab zu Bedenken, dass der Erfolgstrainer dann acht Jahre beim BVB gearbeitet hätte, und "das ist sehr lang".

Andererseits aber habe sich Klopp "kein bisschen verschlissen", möglicherweise setzt man die Zusammenarbeit also auch fort.

Wie viel die von Watzke und Klopp beschworene echte Treue tatsächlich wert ist, wird sich zeigen, sollte es einmal sportlich bergab gehen. Beim BVB wirbt man mit dem Slogan "Echte Liebe", Niederlagen aber ändern in der Regel vieles, vor allem Meinungen.

BVB hat "Titel-Gen"

Nach einem Ende der Erfolgsgeschichte sieht es momentan aber nicht aus, mit der Optimalausbeute von zwölf Punkten führt der BVB die Bundesliga-Tabelle nach vier Spieltagen an. Anlass zu einem forscheren öffentlichen Auftreten ist das für Watzke aber nicht.

Der FC Bayern sei nach wie vor in der Pole Position, denn "München ist aktuell der Nabel der Fußballwellt", betonte Watzke. Dortmund will sich zunächst "nur" für die Champions League qualifizieren.

Sollte aber niemand den Titel wollen, würde man sich beim BVB uneigennützigerweise nicht gegen einen weiteren Eintrag auf der Meisterschale wehren. "Borussia Dortmund", stellte Watzke klar, "hat das Titel-Gen".

[kaltura id="0_4yskm1wv" class="full_size" title=""]

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel