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Jupp Heynckes gratuliert Ben Pingel zum Fairplay-Preis © getty

Der Triple-Sieger genießt nach seinem Abschied beim FC Bayern den Ruhestand. Mit Pep Guardiola kommt es trotzdem zum Gespräch.

Von Denis de Haas

München - Der Ruhestand bringt Tücken mit sich. Das erfuhr nun auch Jupp Heynckes.

Als Trainer des FC Bayern München nahmen ihm fleißige Helfer abseits des Platzes viel ab - auch die Koffer. Mittlerweile muss Heynckes sein Gepäck wieder selber am Flughafen aufgeben.

"Als ich jetzt in München gelandet bin, habe ich lange am Band gewartet. Aber mein Koffer kam einfach nicht. Der Gepäckmann am Düsseldorfer Flughafen war bestimmt ein BVB-Fan", scherzte der 68-Jährige.

Preis für Fairness

Die kleine Anekdote erzählte Heynckes jüngst in München, wo ihn der Deutsche Fußball-Bund mit dem Preis "Fair ist mehr" auszeichnete.

Die Zuhörer erlebten den Triple-Gewinner als einen Menschen, der in 100 Tagen Ruhestand genügend Abstand zum Geschäft gewonnen hat. Als einen Menschen, der eine Rückkehr ins Trainergeschäft weiterhin kategorisch ausschließt.

"Ich schaue mir noch die Spiele im Fernsehen an, aber was in der Presse geschrieben wird, verfolge ich ehrlich gesagt nicht mehr", sagte Heynckes zu SPORT1. Die Diskussion über Viererketten, Doppel-Sechsen oder falsche Neunen gehen an ihm vorbei.

Spaziergänger am Niederrhein

Heynckes spricht lieber über das Rentnerleben auf seinem niederrheinischen Bauernhof. "Ich verbringe jetzt Zeit mit langen Spaziergängen, gehe dreimal in der Woche in meinen Fitnessraum und gönne mir mit meiner Frau ein längeres Frühstück", erzählt Bayerns Ex-Trainer.

Und dann ist da auch noch Cando. Der Schäferhund ist als Begleiter des Erfolgstrainers selber zum Star aufgestiegen. Cando gehört zu seinem Don Jupp wie Struppi zu Tim oder Snoopy zu Charlie Brown. Die tägliche Fellpflege seines besten Freundes zieht Heynckes der Taktikanalyse vor.

"Ich bin so eingespannt, dass ich momentan keine Zeit habe, mich mit Fußball zu beschäftigen", sagte der 68-Jährige zu SPORT1.

Widmung von Guardiola

Ein paar Dinge aus der großen Fußballwelt sind dann doch bis ins kleine Schwalmtal durchgesickert. Heynckes hat auf seinem Alterssitz mitbekommen, dass ihm Nachfolger Pep Guardiola den Sieg im europäischen Supercup widmete. "Das war eine noble Geste und zeigt, was für ein Mensch er ist", lobte er den Spanier.

Bei der Partie zwischen Deutschland und Österreich kam es bei einem Glas Wein zum Austausch der Trainer-Schwergewichte. "Beide unterhielten sich angeregt über das Länderspiel, aber sicher auch über die sportlichen Ereignisse beim Rekordmeister", berichtete der FC Bayern auf seiner Internetseite.

Gratulation an Ribery

Zu seinen alten Kollegen hält Heynckes per SMS oder mit dem ein oder anderen Telefonat noch Kontakt. Zuletzt habe er Franck Ribery zur Wahl zu Europas Fußballer des Jahres gratuliert.

Dem Franzosen traut er gar noch mehr zu. "Natürlich hat er auch Chancen, Weltfußballer zu werden. Das hängt auch damit zusammen, dass er mit dem FC Bayern alles abgeräumt hat, was man bisher hätte abräumen können", erklärte Heynckes.

Mehr Aufmerksamkeit für Lahm

Einem anderen ehemaligen Schützling gönnt er noch mehr Aufmerksamkeit. Für Heynckes wäre auch Philipp Lahm ein Kandidat für den Weltfußballer. "Ein Spieler, der sicher der Beste auf seiner Position in der Historie der Bundesliga ist. Aber als Verteidiger hat er es bei der Jury natürlich sehr schwierig", sagte der Bayern-Trainer.

Die Leistungen Lahms wird er weiterhin im Fernsehen verfolgen. Der Terminkalender des Fußball-Rentners sieht zunächst keinen Besuch bei einem Bundesliga-Spiel vor.

"Einige Vereine, die ich trainiert habe, haben mich auch zu Champions-League-Spielen eingeladen", sagte Heynckes, der in seiner langen Karriere auch für Schalke 04, Bayer Leverkusen und Real Madrid arbeitete.

Bislang hat er aber noch keine Einaldung angenommen. Vermutlich scheut Heynckes nach der Kofferpanne auch erst mal die Flugreisen.

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