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Tim Wiese bestritt zwischen 2005 und 2012 194 Bundesliga-Spiele für Werder Bremen © imago

Bremens Fans sehnen eine Rückkehr des in Hoffenheim aussortierten Tim Wiese herbei. 1899-Mäzen Hopp drückt aufs Gaspedal.

Von Denis de Haas

München/Bremen ? "Und hier ist unsere Nummer eins!" Mit diesen Worten begrüßte Werder-Stadionsprecher Christian Stoll Tim Wiese beim Abschiedsspiel für Torsten Frings am Samstag in Bremen.

Die Fans jubelten ihm zu und skandierten "Wiese für Bremen".

Erst recht, als er in der 64. Minute auch noch einen Foulelfmeter verwandelte.

Wiese war neben Frings der gefeierte Mann des Abends.

Endlich wieder die Nummer eins sein, endlich wieder gefeiert werden, im Mittelpunkt stehen - das hatte Wiese schon lange nicht mehr erlebt.

Trainingsgruppe II in Hoffenheim

In Hoffenheim steht er derzeit im Abseits. Der frühere Nationalkeeper hält sich mit der umstrittenen "Trainingsgruppe II" fit, zu der unter anderem auch Tobias Weis und Edson Braafheid gehören.

Und statt Jubel-Sprechchören musste Wiese in den letzten Monaten hauptsächlich den Spott der deutschen Fußball-Fans über sich ergehen lassen.

Sein beispielloser Abstieg von Deutschlands Nummer zwei zum Tribünengast in Sinsheim weckte viel Schadenfreude.

Erinnerung an Europacup-Nächte

Nicht so in Bremen. Dort vermisst man den exzentrischen Keeper offenkundig.

Nicht nur wegen seiner fußballerischen Leistungen, den Fans fehlen im aktuellen Werder-Team Typen mit Ausstrahlung.

Mit Wiese verbinden sie eine Zeit mit packenden Europapokal-Nächten. Sieben Jahre stand der extrovertierte Schlussmann bei den Grün-Weißen unter Vertrag, viermal qualifizierte sich der Verein für die Champions League.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Eine Rückkehr nach Bremen wäre für Wiese eine Art Nachhausekommen.

Hopp greift ein

Doch er hat es offenbar nicht eilig: "Ich habe einen Vertrag in Hoffenheim, der läuft bis 2016. Mehr kann ich dazu nicht sagen", erklärte er gegenüber der "Bild"-Zeitung.

Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp dagegen will das Thema so schnell wie möglich lösen und machte es kurzerhand zur Chefsache.

Der 73-Jährige kündigte in der "Sport Bild" ein baldiges Gespräch mit dem 31-Jährigen an: "Darüber müssen wir uns in den nächsten Tagen und Wochen unterhalten."

Hopp will Top-Verdiener Wiese von der Gehaltsliste streichen. 3,6 Millionen Euro verdient der Keeper angeblich bei 1899.

Die Bremer könnten ihm wohl nur 1,5 Millionen Euro bieten.

Vertragsauflösung Voraussetzung

Wiese müsste also eine deutliche Gehaltseinbuße hinnehmen. Ob er dazu bereit ist, wird sich zeigen müssen.

Denn trotz eines gültigen Vertrages in Hoffenheim wäre ein Wechsel nach Bremen durchaus möglich. Mit einer Vertragsauflösung könnte Wiese auch nach Ablauf der Wechselfrist auf Klubsuche gehen.

Mielitz nicht unumstritten

Wenn es nach den Fans geht, wäre auch durchaus Platz zwischen den Werder-Pfosten für Wiese. Bremens aktuelle Nummer eins Sebastian Mielitz ist keineswegs unumstritten. Bei der 1:4-Niederlage in Mönchengladbach erwischte Mielitz einen schlechten Tag.

Bei zwei Gegentoren machte er eine unglückliche Figur.

Manager Thomas Eichin stärkt ihm dennoch den Rücken und lehnt eine Wiese-Verpflichtung derzeit ab: "Die Torhüterdiskussion stellt sich für uns nicht. Daher muss ich Fragen zu einer Rückkehr von Wiese nicht kommentieren", stellte er klar.

Auch Mielitz selbst bleibt cool: "Es ist doch normal, dass die Fans bei einem solchen Spiel eben ihre Helden feiern. Ich würde das nicht so hoch hängen", sagte er am Dienstag nach dem Training.

Sollte Hopp die Vertragsauflösung mit Wiese aber durchziehen, wird das Thema Wiese an der Weser weiterhin an Fahrt aufnehmen.

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