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Rafinha (l.) traf sich mit SPORT1-Redakteur Mathias Frohnapfel zum Interview © getty

Rafinha ist ein Gewinner des Saisonstarts. Mit SPORT1 spricht er über das neue System, den Trainer und das FCB-Selbstverständnis.

Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - Das Trikot des FC Bayern ist in seiner Heimatstadt Londrina heißbegehrt. Und oft prangt darauf der Namenszug "Rafinha".

Der Brasilianer ist daran nicht unschuldig. "Ich verschenke viele von meinen Trikots. Die Leute wollen viele Trikots von Bayern und dann gebe ich welche", erzählt der Bayern-Verteidiger.

Seit dem Champions-League-Sieg ist Rafinha in Südbrasilien noch mehr zum Markenbegriff geworden.

Nur zu gerne würde der 28-Jährige mit Blick auf die Heim-WM bei Bayern weiterhin genauso viel Einsatzzeit sammeln wie zuletzt: In den sechs Pflichtspielen seit Anfang August stand er dreimal in der Startelf.

Derzeit braucht Pep Guardiola den Defensivspezialisten mehr denn je, denn die Bayern zwickt es im defensiven Mittelfeld: Javier Martinez fällt nach seiner Leisten-OP länger aus, Bastian Schweinsteiger hat noch mit seiner Sprunggelenksverletzung zu kämpfen.

Philipp Lahm muss womöglich daher auch am Samstag gegen Hannover im Mittelfeld aushelfen, Rafinha würde rechts verteidigen.

Im SPORT1-Interview spricht Rafinha über Bayerns Saisonstart, die Ideen des neuen Coachs und Trainingsspielchen mit Guardiola.

SPORT1: Der FC Bayern hat eine lange Verletztenliste. Javier Martinez, Thiago, Mario Götze fallen längerfristig aus, Bastian Schweinsteiger war angeschlagen. Beunruhigt das die Mannschaft?

Rafinha: Nein, wir haben keine Angst. Natürlich ist es schade, dass Spieler mit dieser Qualität verletzt sind. Sie bringen viel Qualität in diese Mannschaft und es ist jetzt nicht einfach ohne diese vier. Aber ich hoffe, dass alle schnell wieder auf den Platz stehen. Für die Saison brauchen wir alle Spieler.

SPORT1: Sie haben in dieser Saison schon einige Einsätze gesammelt. Pep Guardiola beorderte Philipp Lahm gegen Chelsea ins Mittelfeld und Sie auf die Rechtsverteidigerposition. Freut Sie das Vertrauen des Trainers?

Rafinha: Ich denke, wenn ich meine Arbeit nicht gut machen würde, dann wäre ich nicht bei Bayern. Wenn du gut arbeitest, dann sieht das der Trainer. Ich habe schon im letzten Jahr unter Jupp Heynckes immer gut trainiert. Aber Guardiola muss auch schauen, wo Lahm spielt.

SPORT1: Als Rechtsverteidiger ist Lahm kaum zu überflügeln, oder?

Rafinha: Das ist schon kompliziert bei uns, denn Philipp spielt schon seit zehn Jahren beim FC Bayern. Und das immer auf dem gleichen sehr guten Niveau. Er ist ja auch unser Kapitän und Kapitän der deutschen Nationalmannschaft. Es ist aber wichtig, dass der FC Bayern zwei gute Rechtsverteidiger hat. Ich bin bereit, wenn der Trainer mich braucht.

SPORT1: Seit dieser Saison spielt der FC Bayern im 4-1-4-1-System. Es gibt einen defensiven Mittelspieler weniger, müssen die Abwehrspieler also noch konzentrierter sein?

Rafinha: Nein, nicht unbedingt. Wir haben andere Spieler und die können das auch verteidigen. Noch einen defensiven Mittelfeldspieler brauchen wir nicht. Das müssen wir dann als Mannschaft verteidigen.

SPORT1: Ist der FC Bayern konteranfälliger geworden?

Rafinha: Das sehe ich nicht so. Wir versuchen die Konter immer zu kontrollieren und zu schauen, dass wir erst gar keine bekommen. Ich glaube, wir haben bislang wenige Konter zugelassen - außer vielleicht im ersten Spiel gegen Gladbach.

SPORT1: Müssen die Offensivspieler die Abwehrleute mehr unterstützen, wie es Jerome Boateng angemahnt hat?

Rafinha: Jerome hat das aus der Situation heraus gesagt. Die Spieler vorn müssen uns helfen, das machen sie ja auch. Franck und auch die anderen helfen uns. Ein neues System ist jedoch nicht nach einem Monat fertig, das dauert ein bisschen. Das ist normal.

SPORT1: Bayern ist abgesehen vom Remis in Freiburg perfekt gestartet. Gibt das etwas Zeit, um das System besser zu installieren?

Rafinha: Ja, auch wenn du beim FC Bayern immer gewinnen musst. Ein Unentschieden hier ist wie eine Niederlage. Und deswegen ist der Sieg im Supercup für uns so wichtig. Es ist außerdem ein Sieg für die Geschichte des Vereins, denn den Supercup hatte der FC Bayern ja noch nie gewonnen.

SPORT1: Sportvorstand Matthias Sammer hat nach diesem Erfolg besonders Guardiola gelobt. Wie würden Sie das Spezielle des neuen Bayern-Coachs beschreiben?

Rafinha: Ich finde, er sieht er den Fußball ganz anders. Er ist sehr intelligent, wenn es darum geht, Fehler zu finden. Im Vergleich zu den anderen Trainern liest er das Spiel ganz anders. Er ist ein richtig guter Trainer.

SPORT1: Haben Sie schon einmal mit einem vergleichbaren Trainer gearbeitet?

Rafinha: Jeder hat doch seinen eigenen Charakter und auch seine eigene Mentalität. Jupp Heynckes war ein ganz anderer Trainer. Guardiola redet viel mehr mit den Spielern, wie sie sich zu orientieren haben. Er hat mit Barcelona alles gewonnen und du siehst jeden Tag, was er machen möchte.

SPORT1: Beim Training wärmen sich die Spieler mit 5 gegen 2 auf, auch der Trainer macht oft mit. Spornt Sie das zusätzlich an?

Rafinha: Nein, das ist bei uns im Training normal. Guardiola ist ein super Trainer, aber unsere Mannschaft ist auch stark. Und das Triple haben wir ohne Guardiola gewonnen. Natürlich kommt er zu uns und unterstützt uns, doch mit Jupp haben wir alle Titel gewonnen. Es passt gut zusammen, dass wir einen guten Trainer haben und auch eine starke Mannschaft.

SPORT1: In der Bundesliga folgt nun die Partie gegen Hannover. Wie schätzen Sie 96 ein?

Rafinha: Hannover hat zuletzt zuhause gewonnen und wir müssen gegen sie ja auch noch im Pokal spielen. Aber wir spielen zuhause und müssen ein super Match machen.

SPORT1: Ihr früherer Mitspieler Breno hat die Triple-Saison im Gefängnis erleben müssen, weil er wegen Brandstiftung verurteilt wurde. Jetzt ist er als Freigänger für den Trainerstab der Zweiten Mannschaft tätig.

Rafinha: Dass er hier ist, ist eine super Nachricht für uns und auch für ihn. Ich freue mich wirklich sehr für ihn. Und ich hoffe sehr, dass er danach wieder sein normales Leben hat und wieder Fußballspielen kann.

SPORT1: Haben Sie hier beim FC Bayern schon mit ihm gesprochen?

Rafinha: Das ging bisher noch nicht. Ich war aber bei ihm im Gefängnis und habe ihn dort besucht. Ich hoffe sehr, dass ich ihn hier an der Säbener Straße sehen werde.

SPORT1: Können Sie ihm in irgendeiner Form mit Worten helfen und wieder aufbauen?

Rafinha: Viel kann ich da nicht machen. Ich kann nur dafür sorgen, dass er seinen Kopf wieder frei bekommt. Es war für ihn eine harte Zeit im Gefängnis. Ich hoffe, er kann die Zeit vergessen, denn er ist ein guter Junge und kein Krimineller. Er muss jetzt nach vorne schauen.

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