vergrößernverkleinern
Stuttgarts Trainer Thomas Schneider (r.) wurde 1992 mit den Schwaben Deutscher Meister © getty

Stuttgarts Trainer Thomas Schneider freut sich über den "dreckigen Sieg" in Berlin, sieht aber dennoch viel Arbeit.

Von Jakob Gajdzik und Andreas Ziepa

Berlin ? Auf das Spektakel folgte der Arbeitssieg.

Interessieren tat das beim VfB Stuttgart nach dem 1:0 (0:0) bei Hertha BSC aber niemanden. (776530Bilder des Spiels)

"Man kann nicht immer glanzvoll gewinnen", sagte der Schütze des Goldenen Tores, Christian Gentner (49.), nüchtern und spielte damit auf den vergangenen Spieltag vor der Länderspielpause an.

Mit 6:2 schossen die Schwaben an diesem Tag 1899 Hoffenheim aus dem Stadion, in Berlin verzichtete der VfB auf jegliche Schnörkel und war weit von einem Feuerwerk auf dem Rasen entfernt.

Der Ertrag blieb mit drei Punkten der gleiche und war auch in der Hauptstadt Gold wert.

Ohne Glanz und Schnörkel

"Ein dreckiges 1:0", nannte ein erleichterter Thomas Schneider den Sieg seiner Mannschaft beim Aufsteiger.

Der Nachfolger des glücklosen Bruno Labbadia fuhr im zweiten Spiel in der Liga seinen zweiten Sieg ein und hievte die Schwaben zumindest für eine Nacht bis auf Rang sieben und somit in die Nähe der erhoffen Europa-League-Plätze.

Nach dem kapitalen Fehlstart mit null Punkten aus den ersten drei Spielen und dem Aus in den Europa-League-Playoffs gegen HNK Rijeka krabbeln die Stuttgarter Schritt für Schritt aus dem Tal heraus.

Ulreich nervt Hertha-Offensive

Von Zufriedenheit war bei Schneider allerdings keine Spur, vielmehr sah der Trainer viel Arbeit auf sich zukommen.

"Ich bin mit den Punkten zufrieden, aber wir müssen und wollen in Zukunft dafür sorgen, dass wir solche Spiele fußballerisch besser lösen können", sagte der Ex-Profi, der zwischen 1993 und 2003 selbst die Schuhe für den VfB schnürte.

In der Tat hatte Stuttgart besonders in der ersten Hälfte dem druckvollen Spiel der Hausherren wenig entgegenzusetzen und konzentrierte sich in erster Linie auf die Defensive.

Bereits da hatte Stuttgart in Torhüter Sven Ulreich einen sicheren Rückhalt im Tor, nach der Führung durch Gentner wuchs der Schlussmann mit Glanzparaden am Stück über sich hinaus und entnervte die wütende Hertha-Offensive.

Hertha schiebt Frust

"Nach der Pause hat Hertha richtig Druck gemacht, wir hatten aber einen überragenden Torhüter in unseren Reihen. Das war eine absolute Weltklasseleistung", adelte Schneider den 25-Jährigen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Sven hat uns mehrmals überragend im Spiel gehalten", lobte auch Kapitän Gentner seinen Mannschaftskollegen und sah einen "glücklichen, aber nicht unverdienten" VfB-Sieg.

Auf Seiten der Berliner war der Ärger nach der zweiten Niederlage in Folge deutlich spürbar.

"Es ist bitter. Wir konnten mithalten, waren sogar besser. Stuttgart wurde seinen Ansprüchen nicht gerecht", sagte Flügelflitzer Änis Ben-Hatira nach der Partie.

"Wir haben das Spiel dominiert, aber uns nicht belohnt. Selbst Schuld", brachte es Linksverteidiger Johannes van den Bergh auf den Punkt, erkannte aber auch "viel Positives".

Trotz Topscorer steht vorne die Null

In der Tat war der Aufsteiger in Punkto Torschüssen, Flanken, Ballbesitz, Ecken und gewonnenen Zweikämpfen überlegen, stand am Ende aber mit leeren Händen da.

"Ich werde meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. Wir haben unglaublich viel investiert. Wir hatten die Situationen, um zum Ausgleich oder auch zu mehr zu kommen", äußerte sich Trainer Jos Luhukay.

An der Null vorne änderte auch das Startelfdebüt des Topscorers der vergangenen Zweitligasaison nichts.

Die Ausfälle von Alexander Baumjohann (Kreuzbandriss) und Marcel Ndjeng (Knochenmarksödem) spülten Ronny zum ersten Mal in dieser Saison in die erste Elf.

Der Brasilianer agierte hinter der einzigen Spitze Adrian Ramos, ließ aber die Gefährlichkeit der vergangenen Saison (18 Tore, 14 Vorlagen) vermissen.

Ronnys schwarze Serie

In der Bundesliga setzt Ronny somit seine schwarze Serie fort. Zum dritten Mal stand der 27-jährige nun in der Berliner Startelf, zum dritten Mal gab für die "Alte Dame" weder einen Punkt noch ein Tor. In der Abstiegssaison 2011/2012 setze es ein 0:2 in Nürnberg und ein 0:4 auf Schalke.

Eine zweite Serie der Berliner ist dagegen gerissen. Nach 20 Heimspielen ohne Niederlage verließen die Spieler das Olympiastadion erstmals wieder mit leeren Händen. Für Luhukay war es gar die erste Heimpleite als Hertha-Coach.

"Dann müssen wir eben eine neue Serie starten", sagte Manager Michael Preetz nach der Partie halb trotzig, halb mit einem Augenzwinkern.

Ob mit Spektakeln oder Arbeitssiegen wäre ihm sicherlich egal.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel