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Toni Kroos (l.) spielt seit 2006 für den FC Bayern © getty

Der FCB-Sportvorstand reagiert trotz des Siegs über Hannover stinksauer. Die Einstellung und der Guardiola-Hype passen ihm nicht.

Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - 2:0 gewonnen, Champions-League-Generalprobe bestanden, Tabellenführung zumindest vorübergehend erobert - und trotzdem war Matthias Sammers stinksauer.

"Wir spielen zum Teil lethargisch, wir spielen ohne Emotionen Fußball, wir machen Dienst nach Vorschrift", schimpfte der Sportvorstand des FC Bayern nach dem verdienten Heimsieg über Hannover 96.

Einmal in Fahrt legte der Chefkritiker des Triple-Siegers ordentlich nach. Sammer warf der Mannschaft, die am Dienstag gegen ZSKA Moskau in der Champions League die Mission Titelverteidigung aufnimmt, fehlende "Emotionalisierung" vor.

Vor allem die schwächere erste Hälfte gegen Hannover mit einigen Fehlpässen nervte ihn gewaltig.

"Wir müssen raus aus einer gewissen Komfortzone und uns gegenseitig mitreißen. Unser Trainer muss jedes Mal eine Brandrede halten, dass wir in die Gänge kommen. So geht das nicht", kritisierte Sammer.

Mandzukic löst die Blockade

Zuvor hatte die so hart kritsierte Mannschaft trotz großer Verletzungssorgen das Duell mit dem bisherigen Tabellendritten Hannover letztlich souverän für sich entschieden (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Allerdings hatten die Münchner einige Anlaufschwierigkeiten gegen die bissigen Hannoveraner.

Mario Mandzukic löste die Blockade (51.) vor 71.000 Zuschauern, ehe Franck Ribery (63.) das 2:0 nachlegte (776530Bilder des Spiels).

Schweinsteiger auf der Bank

Damit glückte den Bayern zugleich die Generalprobe vor dem ersten Champions-League-Auftritt am Dienstag gegen Moskau.

Bis dahin wird die Liste der Dauerverletzten Münchner Bestand halten: Schon gegen Hannover mussten die Bayern auf ihre Mittelfeld-Stars Javi Martinez (Leisten-OP), Thiago Alcantara (Syndemoseriss) und Mario Götze (Kaspelriss) verzichten.

Bastian Schweinsteiger stand zwar wieder zur Verfügung, fehlte aber in der Startelf und saß über 90 Minuten nur auf der Bank.

Lahm im defensiven Mittelfeld

Pep Guardiola erschien die Fitness des wiedergenesenen Mittelfeldlenkers zu unsicher. Schweinsteiger war erst am Dienstag nach seiner Sprunggelenkgsblessur wieder ins Teamtraining eingestiegen.

So beorderte der FCB-Coach wie beim Supercup-Sieg über Chelsea Kapitän Philipp Lahm ins defensive Mittelfeld, Rafinha übernahm die Rolle des Rechtsverteidigers.

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Dante bekam nach den Länderspielreisen mit Brasilien eine Verschnaufpause verordnet, für ihn stand Routinier Daniel van Buyten in der Innenverteidigung.

Die Bayern taten sich in dieser Formation schwer, da nützte auch die Trikot-Premiere in Trachtenoptik nichts. Zwar hatten Lahm und Co. vor Abpfiff ihre jankerähnlichen Jacken abgelegt, das Passspiel wirkte dennoch mehr als einmal rustikal.

Ya Konan an den Pfosten

Hannover, seit sieben Jahren in München sieglos, verteidigte ebenso geschickt wie hochkonzentriert und wäre beinahe mit der Führung in die Pause gegangen.

FCB-Keeper Manuel Neuer, der zum 100. Mal in der Bundesliga ohne Gegentor blieb, hatte aber Glück, dass Ya Konans leicht abgefälschter Schuss vom Innenpfosten zurück ins Feld sprang (42.).

Die Münchner erarbeiteten sich derweil weniger Chancen als noch in der Triple-Saison, und wenn sie gefährlich zum Abschluss kamen, fehlte Zielgenauigkeit oder Fortune.

Thomas Müller traf so nach gekonnter Vorarbeit von Arjen Robben nur das Außennetz (7.), Mandzukic verpasste die Kugel um Zentimeter, als ihm Müller im Strafraum auflegte (38.).

Ansonsten dominierte der Rekordmeister, 65 Prozent Ballbesitz bedeuteten eben aber nicht ständige Torgefahr. Nicht zuletzt Toni Kroos haderte mit einigen schwerfälligen Aktionen in der ersten Halbzeit.

Mandzukic schlägt zu

Nach der Pause trafen die Bayern gleich mit dem bis dahin schönsten Spielzug der Partie: Robben spielte Kroos wunderbar im Strafraum frei, der Mandzukic bediente. Der Kroate vollstreckte aus elf Metern zum 1:0 (51.).

Kurz darauf hätte beinahe Daniel van Buyten erhöht, doch nach Ribery-Ecke verzog er per Dropkick (53.). Auch Müller vergab nach Mandzukic-Ablage (58.).

Das 2:0 besorgte stattdessen Ribery: Zuerst setzte Europas Fußballer des Jahres Robben in Szene und verwertete dann persönlich, als 96-Keeper Ron-Robert Zieler Robbens Schuss nach vorne abwehrte (63.). Damit war 96-Widerstand gebrochen.

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