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Tobias Werner (Mitte) trägt seit 2008 das Trikot des FC Augsburg © getty

Der FCA setzt seinen Lauf fort und feiert einen Rekord. Die Breisgauer geraten immer mehr unter Druck, Trainer Streich hadert.

Augsburg - Bösartige Menschen könnten jetzt fragen: Was, bitteschön, will der SC Freiburg in der Europa League, wenn er in der Bundesliga nicht mal beim FC Augsburg gewinnt?

Die Mannschaft von Christian Streich ist in der Bundesliga sieglos, sie hat schon zum dritten Mal verloren, diesmal mit 1:2 (0:0), und für das Spiel am kommenden Donnerstag gegen Slovan Liberec verheißt das aktuelle Leistungsvermögen viel - nur nichts Gutes.

"Wir spielen in der Europa League, weil wir gut Fußball gespielt haben", sagte Streich, so als müsse er sich rechtfertigen dafür. Die Betonung aber liegt auf "haben". ( 776530 Bilder des Spiels )

Der SC Freiburg im Herbst 2013 ist, und das war zu erwarten oder zu befürchten, eine Baustelle. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Freiburg kämpft mit Abgängen

Das hat mit den vielen Abgängen zu tun und auch mit den vielen Verletzten, die Streich derzeit beklagt. "Wir wussten, dass es keine einfache Saison wird", ergänzte Julian Schuster mit traurigem Blick.

Am Donnerstag daheim gegen Liberec, "da soll die Mannschaft vielleicht mal nicht an die Bundesliga denken", sagte Streich, und vielleicht, ergänzte er, "können wir uns da Sicherheit holen". Das ist ein bisschen viel Konjunktiv auf einmal.

Vor allem die zweite Halbzeit gegen Augsburg muss den Freiburgern doch zu denken geben: Nur 22 Sekunden nach Wiederanpfiff gingen sie in Führung durch Admir Mehmedi - dann aber zerfielen sie als der Druck größer wurde.

FCA dreht die Partie

"Als wir das Gegentor bekommen haben, wurden wir ein bisschen böse", sagte der eingewechselte Siegtorschütze Tobias Werner (89.). Augsburg war danach nicht unbedingt richtig gut, entwickelte freilich mit Wut im Bauch eine Wucht, die Freiburg nicht aushielt.

Um die Gegentreffer, erzielt von Halil Altintop (61.) und Werner, schienen die Breisgauer geradezu zu betteln. "Der Sieg von Augsburg war verdient", betonte Streich - er wirkte, als sei ihm zum Heulen zumute.

Die Augsburger dagegen feierten nach dem Schlusspfiff erst mal, als sei der Klassenverbleib bereits am fünften Spieltag gesichert - tatsächlich haben die wackeren bayerischen Schwaben zum ersten Mal in der Bundesliga drei Spiele nacheinander gewonnen, und zum ersten Mal belegen sie in der Tabelle einen Platz in der oberen Hälfte.

Der vor der Saison geholte Altintop betonte: "Es ist unglaublich, was für ein positives Klima hier herrscht."

Altintop lobt Mannschaft

Augsburg, ergänzte Altintop, habe allerdings auch einen großen Vorteil gegenüber einem Konkurrenten wie Freiburg. "Die Mannschaft ist zusammengeblieben, sie ist eingespielt", und Freiburg, so die Schlussfolgerung des namhaften Neuzugangs, sei das eben nicht.

Bei Streich hört sich das dann so an: "Wir konnten nicht genug Akzente setzen, wenn wir den Ball hatten." Und: "Wir haben viel zu selten spielerische Lösungen gefunden."

Mit seiner Antwort auf die Frage, wie er diesen Sieg einordne, machte Siegtorschütze Werner dann wohl eher unabsichtlich deutlich, womit sich Freiburg wohl zunächst mal dauerhaft beschäftigen muss:

"Das war ein Sieg gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt", sagte der Augsburger. Dieser Konkurrent aber spielt nun erst mal Europa League. "Es hätte uns gut getan", sagte Kapitän Schuster, "wenn wir mindestens einen Punkt geholt hätten."

Erinnerung an starke Rückrunde

Gegen diesen FC Augsburg allerdings werden es noch ganz andere Mannschaften schwer haben, mindestens einen Punkt zu holen.

Daniel Baier erinnerte an die letzte Saison, an diese irgendwie wundersame zweite Halbserie und die schier unglaubliche Rettung.

"Wer so eine Rückrunde spielt wie wir, kann mit breiter Brust auftreten", sagte Mittelfeldspieler Daniel Baier, "und irgendwann kriegst du dann auch mal einen Lauf..."