vergrößernverkleinern
Pierre-Emerick Aubameyang (l.) hat bereits fünf Saisontore erzielt © getty

Der BVB zerlegt den HSV und ist bereit für den Champions-League-Auftakt in Süditalien. Trainer Klopp bekommt Angst vor seinem Team.

Von Jonas Nohe

München - Nach 49 Spielminuten dürften bei den BVB-Fans am Samstagabend Erinnerungen an die Vorsaison wach geworden sein.

Die Borussia spielte einen hilflos wirkenden HSV an die Wand, ein Angriff nach dem anderen rollte in Richtung Rene Adler (776530DIASHOW: Die Bilder des 5. Spieltags).

Aber: Die Dortmunder gingen mal wieder allzu verschwenderisch mit ihren Möglichkeiten um, während die Hamburger aus zwei Chancen zwei Tore machten.

In den beiden Duellen der vergangenen Saison verbuchte der BVB insgesamt 48:19 Torschüsse - und stand am Ende doch zweimal mit leeren Händen da. Einem 2:3 in Hamburg folgte in der Rückrunde trotz 1:0-Führung gar eine 1:4-Schlappe im heimischen Signal Iduna Park.

Klopp: "Da wird einem angst und bange"

Dieses Mal führten die Borussen sogar mit 2:0, aber in jener 49. Minute stand es völlig überraschend auf einmal 2:2. Was dann allerdings folgte, war eine beeindruckende Demonstration nicht nur der Dortmunder Spiel-, sondern vor allem auch ihrer Willensstärke.

"Ich war nach dem 2:2 verhältnismäßig ruhig. Zwischenstände haben nur an schlechten Tagen eine Relevanz", kommentierte Jürgen Klopp die Trotzreaktion seiner nur wenige Minuten geschockten Mannschaft.

Innerhalb von 16 Minuten verwandelte die das 2:2 in ein 6:2 (Bericht) und machte damit den neuen Rekordstart des BVB perfekt. Nie zuvor ist die Borussia mit fünf Siegen in eine Saison gestartet, dem Coach wurde es ein wenig unheimlich. "Wahnsinn, was unsere Jungs da vorn gemacht haben, im Umschaltspiel - da wird einem ja angst und bange", sagte Klopp.

Neapel vor der Brust

Auch beim Champions-League-Gegner in Neapel wird man den starken Auftritt des BVB registriert haben.

Dass die Italiener am Mittwochabend allerdings ähnlich in Ehrfurcht vor der Borussia erstarren, wie es die Hamburger am Samstag über weite Strecken taten, ist nicht zu erwarten. Schließlich ist der SSC mit drei Siegen in drei Spielen ähnlich souverän in die Saison gestartet wie die Dortmunder (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Und so erwartet Klopp trotz aller Hoffnungen auf einen erfolgreichen Start in die schwere Gruppe F auch ein hartes Stück Arbeit: "Das ist ein richtig hartes Brett, das wir da bohren müssen. Wir sind aber auch kein Fallobst. Wir werden bereit sein."

Kehl und Subotic angeschlagen

Verzichten muss Klopp dabei womöglich auf Sebastian Kehl. Der BVB-Kapitän knickte im Training am Sonntagmorgen bei einem Zusammenprall um und musste mit einem Golfwagen abtransportiert werden.

Der Knöchel des Mittelfeldspielers war sofort angeschwollen, ein MRT am Montag soll Aufschluss über die Schwere der Verletzung geben.

Auch hinter dem Einsatz von Neven Subotic steht nach einer im Spiel gegen den HSV erlittenen Fußprellung noch ein Fragezeichen.

Neuzugänge glänzen erneut

Bereit für eine weitere erfolgreiche Champions-League-Saison ist aber in jedem Fall die Dortmunder Abteilung Attacke. Alle 15 Saisontore gehen bisher auf das Konto von Offensivspielern, der Abgang von Mario Götze nach München scheint längst vergessen.

Alleine die 38 Millionen Euro teuren Neuzugänge Pierre-Emerick Aubameyang und Henrikh Mkhitaryan haben zusammen schon acht Tore erzielt. Gegen Hamburg steuerte Mkhitaryan einen Treffer bei (22.), Aubameyang traf sogar doppelt (19./65.).

"Ich bin sprachlos, begeistert. Es ist ein unglaubliches Gefühl, ein Tor vor der Südtribüne zu erzielen", schwärmte der Gabuner bei "Sky" nach seinen ersten Toren im Signal Iduna Park.

Lewandowski trifft doppelt

Weil Robert Lewandowski noch einen Doppelpack beisteuerte (73./81.) und mit Marco Reus auch der vierte Offensivspieler traf (74.), spiegelte das Endergebnis letztlich doch die wahren Kräfteverhältnisse auf dem Platz wieder.

Und so konnte BVB-Trainer Klopp dann eben auch generös über den zwischenzeitlichen Ausgleich der Hamburger durch Zhi-Gin Lam (24.) und Heiko Westermann (49.) hinweg sehen.

Das zwischenzeitliche Aufbäumen der Hanseaten am Samstag erwies sich ebenso als Strohfeuer, wie der vermeintlich erlösende erste Saisonsieg beim 4:0 über Braunschweig vor der Länderspielpause.

Frust beim HSV

Von Auftritten auf europäischer Bühne, wie sie für den BVB in den kommenden Wochen wieder anstehen, ist der HSV trotz aller Sehnsucht derzeit jedenfalls meilenweit entfernt.

Vor allem in der Defensive tun sich bedenkliche Lücken auf. Nach schon jetzt 15 Gegentreffern steht die Schießbude der Liga vorerst in Hamburg.

"Ich bin enttäuscht, weil wir gefühlte 90 Prozent der Zweikämpfe verloren haben", klagte Trainer Thorsten Fink. Ähnlich groß war der Frust bei Abwehrspieler Westermann: "Wir haben uns in der Viererkette im Stich gelassen gefühlt."

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel