SPORT1-Experte Thomas Strunz geht mit Bayerns Rotation hart ins Gericht. Explosiv ist für ihn die Lage beim HSV und Werder.

Hallo Fußball-Freunde,

erst fünf Spieltage sind rum, und schon herrscht vielerorts Krisenstimmung. Allen voran bei Werder Bremen:

Man spürt diese mannschaftliche Leidenschaft nicht wie bei anderen Mannschaften. Die Qualität der einzelnen Spieler ist nicht mehr da, ich sehe keine wirklichen Figuren in der Mannschaft. Das ist brandgefährlich.

Sie haben keine Sicherheit, keine personalisierten Abläufe. Man hat den Eindruck, dass sie in Einzelteile zerfallen. Es ist psychologisch sehr schwierig, jeden Einzelnen dort wieder raus zu führen.

Ähnlich Fatales gilt für den HSV: Ein in sich zerrissener Verein, in dem es unterschiedliche Strömungen gibt. Thorsten Fink begnadigt Spieler, und Oliver Kreuzer sagt, dass sie keine Rolle mehr spielen.

Man hat das Gefühl, dass die Kommunikation dort nicht passt. Die Mannschaft muss wissen, wer der starke Mann ist, an dem man sich orientiert. Ist es der Trainer oder der Sportdirektor?

Man darf die Dynamik innerhalb der Mannschaft nicht unterschätzen. Die Gesamtsituation ist ähnlich explosiv wie bei Werder.

Aber selbst bei den Bayern knirscht es: Pep Guardiola ist noch auf der Suche nach der wirklichen Mannschaft.

Acht Spiele, acht verschiedene Aufstellungen - ich finde, dass eine gewisse Unsicherheit bei der Mannschaft zu spüren ist. Im Grunde weiß keiner wirklich, wie sie spielen wollen.

Ich kann unter Pep Guardiola bisher keine Handschrift erkennen. Ich kann nicht erkennen, was er der Mannschaft bisher mitgegeben hat, außer dass die Spieler auf unterschiedlichen Positionen spielen. Sie verfügen über Weltklasse-Spieler. Darüber haben sie die Siege eingefahren, und nicht über das tolle Spiel der letzten Saison.

Ich glaube, es ist gar nicht das, was Matthias Sammer angemerkt hat: Die Mannschaft muss nicht raus aus der Komfortzone, sondern sie ist einfach verunsichert - trotz der vorhandenen Qualität.

Stichwort Qualität - da fällt mir Stefan Kießling ein:

Gehören nicht die besten Spieler in die Nationalmannschaft? Ich habe bislang überhaupt nicht verstanden, warum ein Spieler wie Kießling, der sich Woche für Woche in der Bundesliga so hervortut, keine Rolle spielt.

Für mich ist es fahrlässig, einen solchen Spieler überhaupt nicht in den Kreis der Nationalmannschaft zu integrieren. Ich halte auch nichts davon, Standby für die Nationalmannschaft zu stehen.

Dortmund und das DFB-Team ist auch so ein Thema:

Mats Hummels ist für mich der kompletteste Innenverteidiger. Er hat überragend gespielt, wirkt für mich aber in der Nationalmannschaft verunsichert. Schmelzer ist für mich gesetzt als Linksverteidiger.

Beim BVB treibt mich zudem die Frage um: Wie wichtig war Götze eigentlich? In der Meistersaison ist er ein halbes Jahr ausgefallen. Ist Götze wirklich der Spieler gewesen, der den Unterschied ausgemacht hat? Oder sind das nicht ganz andere Spielertypen, die diese Qualität mitbringen?

Ich finde sowieso, dass der BVB sich weiter entwickelt hat mit der Verpflichtung von Aubameyang.

Marco Reus hat für mich einen großen Schritt gemacht. Er wird zur WM weltklasse werden. Der BVB wird den Bayern richtig Probleme bereiten in dieser Saison.

Bis demnächst,

Euer Thomas Strunz

Ex-Nationalspieler Thomas Strunz wechselt sich in dieser Saison als Experte im Volkswagen Doppelpass und bei der sonntäglichen SPORT1-Kolumne mit Thomas Helmer und Mario Basler ab.

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