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Kevin Volland (l.) und Anthony Modeste erzielten bisher jeweils vier Saisontore © getty

Hoffenheim überzeugt gegen Gladbach als Team. Volland erkennt eine Veränderung. Borussias Spieler zeigen sich selbstkritisch.

Von Rainer Nachtwey

München/Sinsheim - Es war ein wahrer Augenschmaus.

Kevin Volland nahm den Pass von Anthony Modeste an der seitlichen Fünf-Meter-Raum-Grenze an, ließ Filip Daems stehen, als wäre es die leichteste Übung, und zirkelte den Ball ins lange Eck (776530DIASHOW: Bilder des Spiels).

Es war das Hoffenheimer 2:0 und der siegbringende Treffer beim 2:1-Erfolg über Gladbach (Bericht).

"Ich habe mir nicht viel dabei gedacht, einfach draufgehauen", erklärte der Torschütze seinen Geniestreich, lenkte aber sofort die Aufmerksamkeit von sich ab: "Das war auch ein super Pass von Anthony."

Hoffenheim als Team erfolgreich

Vollands Einstellung spiegelt das Hoffenheimer Spiel perfekt wieder. Die Mannschaft tritt als Einheit auf - das komplette Gegenteil zur Vorsaison.

"Es macht einfach Spaß, weil die ganze Mannschaft mit macht", lobte auch Volland seine Teamkollegen. "Wir haben überragend gekämpft. Jeder hat alles aus sich rausgeholt."

Augenmerk auf die Defensive

Dies war insbesondere in der Schlussphase nötig, als die Gladbacher nach dem Anschlusstreffer von Branimir Hrgota auf den Kasten von Koen Casteels drückten, die Gastgeber aber nur wenige zwingende Chancen zuließen.

Insgesamt legte die TSG nach dem 2:6-Chaos-Auftritt beim Derby in Stuttgart großes Augenmerk auf die Defensive, wie Trainer Markus Gisdol eingestand. "Man hat deutlich gespürt, dass wir sehr bewusst verteidigen wollten", sagte der Coach. "Wir hatten immer im Sinn, dass wir vier, fünf Leute immer gut gestaffelt hinter dem Ball haben."

Mannschaft wirkt gefestigt

Und trotz der Klatsche vor zwei Wochen machte sich keine Verunsicherung breit. Vielmehr wirkte die Mannschaft gefestigt. Selbst der Ausfall von Topscorer Roberto Firmino, der zuvor in vier Partien drei Tore und drei Vorlagen verbucht hatte, hinterließ keine Spuren.

In der Offensive wirbelten Volland und Anthony Modeste und in der Defensive stopfte Sebastian Rudy unaufhaltsam die Löcher, bis er von Krämpfen geplagt ausgewechselt werden musste.

"Es war heute ein Abnützungskampf für uns, aber du gewinnst nur Bundesligaspiele, wenn du an die Grenze gehst", sagte Kapitän Andreas Beck.

Eberl: "Das kotzt uns alle an"

Der zweite Sieg bedeutete für die Gisdol-Truppe einen Sprung vom elften auf den siebten Platz (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle). Genau anders herum ging es für die Borussia.

Sportdirektor Max Eberl verärgerte vor allem die Art und Weise der Niederlage. "Wir haben aus dem vielen Ballbesitz am Ende nicht mehr den Lucky Punch machen können, der aus meiner Sicht verdient gewesen wäre", meinte Ebel.

Für Trainer Lucien Favre war das Ganze "nur schwer zu akzeptieren".

Und Eberl ergänzte angesäuert: "Wir stehen mit leeren Händen da, und das, wenn ich es so sagen darf, kotzt uns alle an."

Daems bemängelt fehlende Aggressivität

Aber nicht nur den guten Chancen, wie der von Raffael zwei Minuten vor dem 0:2 durch Volland, trauerten die Fohlen nach, auch das Zweikampfverhalten vor den Gegentoren missfiel nicht nur Eberl.

"Uns hat in den entscheidenden Momenten die Aggressivität gefehlt", gestand Kapitän Filip Daems ein.

"Das sind ärgerliche Tore, weil sie zu verteidigen sind", meinte Eberl, der Modestes abgefälschten Kopfball zum 1:0 noch als "Schweine-Tor" bezeichnet hatte.

Immerhin erkannte Eberl mit Daems Eingeständnis auch Positives. "Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung."

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