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Thorsten Fink ist seit dem 17. Oktober 2011 Trainer beim Hamburger SV © getty

Der HSV steckt tief in der Krise, doch Thorsten Fink macht sich rar. Der Sportchef ist genervt - Finks Stuhl wackelt gewaltig.

Von Martin Jahns

München/Hamburg - Konzeptlos, kraftlos, mutlos ? beim 2:6 gegen Borussia Dortmund zeigte sich der Hamburger SV einmal mehr von seiner schlechtesten Seite (Bericht).

Die desolaten Norddeutschen bewegen sich mit den meisten Gegentoren der Liga (15) den Abstiegsplätzen entgegen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Kein Wunder, dass die Situation auch für Trainer Thorsten Fink ziemlich ungemütlich wird. Aus der Vereinsführung bläst Fink immer stärker der Wind ins Gesicht.

"In Dortmund hat sich das Debakel von Hoffenheim wiederholt - die Defensive ist unser Schwachpunkt, diese Fehler müssen wir umgehend abstellen. Und ich bin nicht der Trainer, das ist sein Job", sagte Vorstandsboss Carl-Edgar Jarchow.

Sportdirektor Oliver Kreuzer verweigerte am Montag erstmals eine öffentliche Jobgarantie für Fink: "Das Thema Trainer stellt sich für mich Stand heute nicht. Was weiß ich, was morgen ist?"

Familien-Heimflug zur Unzeit

Die 90 Minuten im Signal-Iduna-Park haben den HSV-Verantwortlichen vor Augen geführt, dass das 4:0 gegen Braunschweig vor der Länderspielpause nicht wie erhofft eine Trendwende eingeleitet hat.

Hinzu kommt, dass Fink an vielen Fronten derzeit eine unglückliche Figur abgibt. Vor dem BVB-Spiel liebäugelte der Trainer mit einer Rückkehr der aussortierten Slobodan Rajkovic und Michael Mancienne, ehe ihn Kreuzer zurechtwies.

"Die beiden haben definitiv keine Einsatz-Chance, werden auch künftig nicht im Aufgebot sein. Das ist mit Thorsten klar besprochen", pfiff er Fink zurück und offenbarte so die Uneinigkeit in der sportlichen Führung.

Nach der Klatsche in seiner Geburtstadt flog der Übungsleiter nach München, um seine Familie zu besuchen, während sich die gebeutelte Mannschaft zum Auslaufen antrat. "Das ist ziemlich unglücklich zu dem Zeitpunkt, das werden wir nochmal besprechen", sagte Kreuzer bei "sky".

Fink inzwischen zurückhaltend

Schon nach der herben 1:5-Schlappe gegen 1899 Hoffenheim Mitte August hatte Fink zwei trainingsfreie Tage angesetzt, was in der "Mallorca-Affäre" um Dennis Aogo und Tomas Rincon gipfelte.

Aogo und Rincon wurden suspendiert. Mit seinen Heim-Flügen nach München sei das aber nicht zu vergleichen, erklärte Fink damals, "denn Mallorca verbindet man mit Ballermann", so die Begründung des Trainers.

Angesichts der größer werdenden Spannungen wirkte Fink zuletzt aber zurückhaltender als zuvor.

Gescheiterte Experimente in Dortmund

Bei seiner Amtseinführung im Oktober 2011 hatte er voller Selbstbewusstsein die große Auferstehung des Bundesliga-Dinos angekündigt: "Wenn die Mannschaft meine Philosophie umsetzt, dann wird sie erfolgreich sein."

Knapp zwei Jahre später ist davon noch nicht viel zu sehen. Gegen den BVB setzte Fink erstmals in einem Pflichtspiel auf eine Dreierkette in der Abwehr und probierte damit die vierte taktische Ausrichtung im fünften Saisonspiel aus.

"Gegen die U 23 hat es mit der Dreierkette ganz gut geklappt", rechtfertigte Verteidiger Lasse Sobiech die Umstellung ? doch der Champions-League-Finalist ist eben nicht Hamburgs U 23.

"Fink muss sich hinterfragen"

Nach dem frühen 0:2 korrigierte Fink seine Aufstellung und beorderte Dennis Diekmeier zurück in die Abwehr. Der nächste Fehler dann nach dem 2:3: Fink brachte den offensiveren Hakan Calhanoglu für Rincon, und überließ dem BVB damit kampflos das Mittelfeld.

"Wir fühlten uns in der Abwehr im Stich gelassen", kritisierte Heiko Westermann danach seine Vorderleute.

Das Nordderby am kommenden Wochenende gegen den kriselnden Erzrivalen Werder Bremen könnte für Fink vorentscheidenden Charakter haben. "Ich denke, dass Thorsten Fink sich hinterfragen muss", glaubt SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold.

Der Verein tut das offensichtlich schon.

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