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Nur ein Sieg steht in der Rückrunde für Bayer zu Buche © getty

Wieder kein Befreiungsschlag für Leverkusen: Völler bemängelt fehlende Kaltblütigkeit und Balance. Das Problem ist nicht nur der Sturm.

Von Dustin Werk

München - Es war es mal wieder typisch Bayer: Einer Gala-Vorstellung ließ die junge Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia ein Spiel mit enttäuschendem Ausgang folgen. So auch beim 1:1 (0:1) gegen den VfL Bochum.

Wieder einmal scheiterte die Werkself daran, eine überragende Leistung ins nächste Spiel zu transportieren.

Kurzum: Vier Tage nach dem 4:2 im DFB-Pokal gegen den FC Bayen landete Leverkusen ganz hart im Liga-Alltag.

Dabei ließen die Rheinländer Riesenmöglichkeiten fahrlässig liegen. Eine Mannschaft mit dem Anspruch europäisch spielen zu wollen, hätte zumindest eine nutzen müssen (zum Spielbericht: Die alte Leier bei Bayer).

Balance noch nicht gefunden

"30 Torschüsse, das ist doch unglaublich. Da muss man auch mal den Ball über die Linie drücken", kritisierte Sportdirektor Rudi Völler und ergänzte: "Uns fehlt der klassische Arbeitssieg."

Stattdessen bot Bayer die alte Leier. Beispiel: Erst am 20. Spieltag zauberte man in Hoffenheim 1899 mit 4:1 weg. Eine Woche später nur hatte Leverkusen zu Hause gegen Hamburg trotz guter Leistung mit 1:2 das Nachsehen.

Patrick Helmes, Stefan Kießling und Co. verpatzten das Gros ihrer Tormöglichkeiten. Stürmen kann Leverkusen - allein die Ausbeute ist ungenügend.

Wieder ein Rückstand

Zudem lässt Bayer dabei Torwart Rene Adler im Stich. Seit zwölf Spielen konnte die Defensive den Kasten nicht mehr sauber halten.

Die junge Mannschaft hat ihre Balance schlicht noch nicht gefunden. Zu oft attackiert Leverkusen, um dann doch mit 0:1 in Rückstand zu geraten. Und das daheim bereits zum sechsten Mal.

"Gefühlte Niederlage"

Dass mit Bochum im Düsseldorfer Ausweichquartier eine Mannschaft zu Gast war, die mit elf Punkten bereits genauso viele Punkte sammelte wie in der gesamten Hinrunde, wollten die Leverkusener keineswegs als Ausrede heranziehen.

"Bochum spielt gegen den Abstieg. Da müssen wir das Spiel gewinnen", meinte Lukasz Sinkiewicz. Wohl nicht nur für den Verteidiger war das 1:1 "eine gefühlte Niederlage".

Die Bochumer feierten den Punkt wie einen Sieg, auch wenn sogar mehr drin gewesen wäre.

Nach der Führung durch Christoph Dabrowski (32.) hielt das VfL-Bollwerk dem Leverkusener Druck vor 26.000 Zuschauern lange stand, ehe Mergim Mavraj die Gastgeber mit einem unnötigen Handspiel im eigenen Strafraum zurück ins Spiel brachte.

Patrick Helmes ließ sich die Chance vom Elfmeterpunkt nicht nehmen (66.), Mavraj kassierte für seinen Fauxpas auch noch die Gelb-Rote Karte

"Wie die Mannschaft gekämpft hat, darauf lässt sich aufbauen", fand Bochums Trainer Marcel Koller:

Nur fünf Punkte in der Rückrunde

Im Kampf um einen UEFA-Cup wird es für Leverkusen eng: Erst fünf Punkte sprangen in der Rückrunde heraus. Mit 37 Punkten sind die Leverkusener, die im November noch an der Tabellenspitze thronten, nur noch Siebter.

An die Revidierung der Saisonziele denkt Völler aber noch nicht: "Wir haben zu wenig gepunktet, aber unsere Ansprüche schrauben wir nicht zurück. Es sind noch elf Spiele und wir sind gut genug, noch genügend Punkte zu holen", erklärte der Sportchef. "Dass wir es besser können, haben wir doch am Mittwoch gezeigt."

Auch der Trainer hat Platz fünf klar im Visier: "Wir haben noch die Möglichkeiten auf den UEFA-Cup. Von der Einstellung her kann ich meinen Spielern keinen Vorwurf machen", sagte Labbadia.

Vidal fällt aus

Auf gut folgt schlecht - und umgekehrt: Wenn es nach dem Gesetz der Serie geht, sollte in der nächsten Woche bei Spitzenreiter Hertha BSC Berlin wieder ein Leverkusener Glanzauftritt folgen.

Im Olympiastadion muss Labbadia allerdings ohne Mittelfeldspieler Arturo Vidal auskommen. In einem Zweikampf erlitt sich der Chilene einen Bruch der Augenwand und eine leichte Gehirnerschütterung. Er wird vermutlich vier Wochen fehlen.

Vielleicht kommt es Leverkusen jedoch gelegen, in der Hauptstadt nicht als Favorit aufzulaufen. "Wir sind immer in der Lage zu punkten. In Berlin können wir gewinnen", sagte Völler.

Es würde zu Bayers Achterbahn-Saison passen.

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