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Für Trainer Thorsten Fink ist die Zeit beim Hamburger SV abgelaufen © getty

Hamburg zieht nach der Klatsche in Dortmund die Reißleine. Nach SPORT1- Informationen wird ein prominenter Nachfolger gehandelt.

Hamburg - Keine Philosophie, kaum Punkte, kein System: Für Trainer Thorsten Fink ist die Zeit beim Hamburger SV nach nur fünf Spieltagen abgelaufen.

Am Montagabend trennte sich der selbst ernannte Europacup-Anwärter von seinem Coach.

Eine Bestätigung der Hanseaten steht noch aus, Fink selbst erklärte jedoch im "NDR": "Ich bin stolz, hier gewesen zu sein die zwei Jahre. Ich habe einen tollen Verein trainiert."

Und weiter: "Jetzt ist es noch früh genug, dass man die Ziele erreicht - auch noch mit einem anderen Trainer."

Nach dem kapitalen Fehlstart hatte offenbar auch die Geduld des Vorstands eine Ende gefunden. Am Dienstag soll es um 12 Uhr eine Pressekonferenz beim Hamburger SV geben. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Babbel Nachfolge-Kandidat?

Nach SPORT1-Informationen könnte Markus Babbel auf Fink folgen.

Das "Hamburger Abendblatt" berichtet in seinem HSV-Blog, dass es bereits erste Gespräche mit dem ehemaligen Hertha- und Hoffenheim-Coach gegeben habe.

Babbel habe sich Bedenkzeit auserbeten. Vom HSV war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Zeitspiel von Jarchow

Noch am Vormittag hatte Vorstandschef Carl Jarchow auf Zeit gespielt. "Er ist im Moment unser Trainer und mehr werde ich dazu nicht sagen", erklärte er gegenüber SPORT1.

Im Gespräch mit dem "sid" sagte Jarchow: "Ich habe grundsätzlich immer einen langen Atem. Im Vorstand erwarten wir aber schon, dass gewisse Dinge umgesetzt werden. In Dortmund hat sich das Debakel von Hoffenheim wiederholt - die Defensive ist unser Schwachpunkt, diese Fehler müssen wir umgehend abstellen".

15 Gegentore in fünf Spielen

Doch 15 Gegentreffer in fünf Spielen waren am Ende wohl zu viel. Das 2:6 am Samstag in Dortmund (Bericht) war nach dem 1:5 im eigenen Stadion gegen Hoffenheim bereits die zweite Klatsche für den Bundesliga-Dino in der noch jungen Saison.

In der momentanen Verfassung droht dem HSV sogar der Abstiegskampf.

"Teams wie Werder Bremen oder Eintracht Braunschweig, die mit Sicherheit unsere Kragenweite sein müssten, haben es uns vorgemacht und in Dortmund weit weniger Gegentreffer bekommen", sagte Jarchow zerknirscht.

Aufsteiger Braunschweig kassierte beim Vizemeister zwei, Bremen lediglich einen Treffer.

Umbau gegen BVB misslingt

Nach fünf Spielen fehlt dem Hamburger Spiel eine klare Linie, ein Korsett, an dem sich die Spieler orientieren können. Mit seinen taktischen Varianten schien Fink, der gegen Dortmund bereits mit dem vierten Systemwechsel im fünften Spiel überraschte, seine Profis zu überfordern.

Gerade einmal 20 Minuten waren bei der Borussia gespielt, bis Fink von der unorthodoxen Dreier-Kette wieder auf das gewohnte System mit vier Verteidigern umstellte.

"Vielleicht war es ein kleines Risiko, mit Dreier-Kette zu spielen", analysierte Sportchef Oliver Kreuzer mit finsterer Miene.

"Ich fand es mutig, dass wir das gemacht haben, und eine interessante Variante", meinte Jarchow zu SPORT1, fügte aber vielssagend an: "Im Nachhinein sollte man es vielleicht gegen einen anderen Gegner probieren als Borussia Dortmund.

Familien-Heimflug zur Unzeit

Die teilweise unterirdischen Bundesliga-Auftritte der Hamburger waren nicht die einzigen Dinge, die in der Hansestadt übel aufstießen.

Neben der Spiel- wurde zunehmend auch die Mannschaftsführung des gebürtigen Dortmunders kritisiert. So flog Fink nach einem Gespräch mit Kreuzer am Sonntagvormittag zu seiner Familie nach München, anstatt das Auslaufen der Mannschaft zu betreuen.

"Das ist ziemlich unglücklich zu dem Zeitpunkt, das werden wir noch einmal besprechen", sagte Kreuzer bei SPORT1.

Bereits nach dem Hoffenheim-Spiel hatte Fink den Unmut des Vorstands auf sich gezogen, als er seinen Spielern zwei Tage frei gab.

Posse um Rajkovic und Mancienne

Und dann war da ja noch die Posse um die aussortierten Slobodan Rajkovic und Michael Mancienne, die die Position des Trainers nicht unbedingt gestärkt hat.

Der Begnadigung der beiden Innenverteidiger durch Fink folgte am Wochenende das Machtwort von Kreuzer ("Beide machen kein Spiel mehr").

Gegen Werder ohne Fink

Und so wird Fink schon im Nordderby am kommenden Samstag gegen Werder Bremen nicht mehr auf der Bank sitzen.

"Gegen Werder geht es um alles", hatte Rafael van der Vaart zuletzt gesagt. Für Fink gilt das nach fast zwei Jahren in Hamburg nicht mehr.