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Thorsten Fink war bereits der elfte HSV-Coach in den vergangenen zehn Jahren © getty

Einer fast zweijährigen Hamburger Irrfahrt folgt der Rauswurf von Coach Thorsten Fink. Markus Babbel könnte sein Nachfolger sein.

Von Christoph Lother

München - Im Fußball geht es manchmal eben etwas schneller.

"Das Thema Trainer stellt sich für mich Stand heute nicht", hatte Sportdirektor Oliver Kreuzer am Montagnachmittag noch gesagt und fragend hinzugefügt: "Was weiß ich, was morgen ist?"

Doch so lange wollten sie beim Hamburger SV gar nicht mehr warten.

Nach SPORT1-Informationen wurde Trainer Thorsten Fink noch am Montagabend entlassen, auf einer Pressekonferenz am Dienstag soll das Aus des 45-Jährigen offiziell bestätigt werden (Bericht).

Absagen aus Schalke und Stuttgart?

Es ist eine Trennung mit Ansage.

Und womöglich sogar eine, die Fink selbst längst herbeigesehnt hat?

"Ich bin stolz, die zwei Jahre hier gewesen zu sein. Ich habe einen tollen Verein trainiert", sagte der Übungsleiter zwar dem "NDR" und bestätigte seinen Rauswurf: "Jetzt ist es noch früh genug, dass man die Ziele erreicht - auch mit einem anderen Trainer."

Wie die "Hamburger Morgenpost" berichtet, soll sich der gebürtige Dortmunder über seinen Berater Thomas Kroth aber bereits Ende der vergangenen Saison bei Schalke 04 und zuletzt auch beim VfB Stuttgart angeboten haben.

Nur ein Drittel aller Spiele gewonnen

In Hamburg stand Fink nicht erst seit der 2:6-Klatsche bei Vizemeister Borussia Dortmund am vergangenen Wochenende stark in der Kritik (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Seit seinem Amtsantritt im Oktober 2011 war Fink von einer kleinen Krise in die nächste geschlittert und quasi permanent in Frage gestellt worden.

In seinen insgesamt 64 Pflichtspielen als HSV-Coach feierte der ehemalige Bayern-Profi gerade mal 21 Siege.

Von den letzten zehn Trainern der Hanseaten kam nur Michael Oenning auf eine schlechtere Quote.

Abwehr als Problemzone

Der vogelwilde Auftritt der HSV-Defensive am Samstagabend in Dortmund und die insgesamt 15 Gegentore in den ersten fünf Bundesliga-Partien der neuen Saison brachten das Fass nun endgültig zum Überlaufen.

"In Dortmund hat sich das Debakel von Hoffenheim wiederholt - die Defensive ist unser Schwachpunkt, diese Fehler müssen wir umgehend abstellen", sagte der sichtlich bediente Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow.

Kapitän Rafael van der Vaart sagte mit Blick auf die Flut an Gegentreffern der "Bild": "Wir haben als Mannschaft eine große Teilschuld an der Misere. Unsere zahlreichen Klatschen in der jüngsten Vergangenheit haben den Trainer den Job gekostet."

Posse um Rajkovic und Mancienne

Neben der sportlichen Misere hatte Fink aber auch außerhalb des Platzes zuletzt immer wieder mit Problemen zu kämpfen.

So wurde Nationalspieler Dennis Aogo im Anschluss an einen privaten Mallorca-Trip suspendiert und an den Ligakonkurrenten Schalke 04 abgegeben.

Die aussortierten Slobodan Rajkovic und Michael Mancienne wollte Hamburgs Trainer gegen den Willen von Sportdirektor Kreuzer im Profibetrieb halten - doch dessen Machtwort folgte umgehend: "Beide machen kein Spiel mehr."

Heimattrip sorgt für Unverständnis

Für Unverständnis bei Kreuzer sorgte auch Finks Heimattrip am Tag nach der Niederlage in Dortmund.

Während seine Spieler sich zum Auslaufen auf dem Trainingsplatz versammelten, reiste der Übungsleiter zu seiner Familie nach München.

"Es war vielleicht etwas unglücklich von Thorsten, die Entscheidung zu treffen, zur Familie zu fliegen", sagte Kreuzer: "Da hätte man die Planung vielleicht ändern müssen."

Van der Vaart: "Verstehe den Zeitpunkt nicht"

Ihre Planung ändern müssen stattdessen nun die HSV-Bosse.

Ausgerechnet vor dem Krisengipfel gegen Werder Bremen (Sa., 15 Uhr im LIVE-TICKER) beginnt die Suche nach einem neuen Trainer.

"Oha, vor dem heißen Nordderby gegen Werder. Ich verstehe den Zeitpunkt nicht so ganz", äußerte der nach eigener Aussage "total geschockte" Spielmacher van der Vaart entsprechende Kritik (News).

Nach SPORT1-Informationen soll der Ende 2012 in Hoffenheim entlassene Markus Babbel ein Kandidat für Finks Nachfolge sein.

Wie das "Hamburger Abendblatt" berichtet, hat es bereits erste Gespräche zwischen der Hamburger Klubführung und Babbel gegeben. Dieser habe sich daraufhin Bedenkzeit erbeten.

Foda, Magath - oder Stanislawski?

Auch der ehemalige Kaiserslauterer Franco Foda wird mit dem Bundesliga-Dino in Verbindung gebracht. Mit dem 47-Jährigen hatte HSV-Sportdirektor Kreuzer einst bei Sturm Graz zusammengearbeitet.

Denkbar wäre auch ein Engagement des von Investor Klaus-Michael Kühne favorisierten Felix Magath.

Mit Holger Stanislawski wird sogar eine langjährige Gallionsfigur des Hamburger Stadtrivalen FC St. Pauli als möglicher Fink-Erbe gehandelt.

Wie sagte Kreuzer doch so schön: "Man kennt ja den Fußball. Man weiß nie, was morgen passiert."

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