Nach der Entlassung von Thorsten Fink startet in Hamburg die Trainersuche. An Kandidaten mangelt es nicht, einer sagt aber ab.

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Von Christoph Lother

München/Hamburg - Ein paar erklärende Worte, dann war das Thema Thorsten Fink beim Hamburger SV auch schon Vergangenheit.

Lange hätten sie seine Personalie diskutiert, letztlich sei die Entscheidung aber einstimmig ausgefallen, berichtete der Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow auf der Pressekonferenz am Dienstagmittag, bei der die Entlassung des Trainers offiziell bestätigt wurde (Bericht).

Dann richtete Jarchow den Blick aber auch schon nach vorne. "Wir sind dabei, eine Lösung zu finden", sagte der 58-Jährige und eröffnete die spannende Suche nach einem neuen Hamburger Chefcoach.

Vorerst werden der Trainer der zweiten Mannschaft, Rodolfo Cardoso, und U-19-Coach Otto Addo das Training des Bundesliga-15. leiten, eine dauerhafte Lösung ist das Gespann aber nicht.

Stellt sich nur die Frage: Wer wird beim Krisen-Dino diesmal auf dem Schleudersitz platziert?

"Er muss gut und günstig sein"

"Wir suchen mit Nachdruck nach einem Nachfolger für Thorsten. Wann wir ihn präsentieren können, kann ich noch nicht sagen. Es kann schnell gehen, aber auch ein paar Tage dauern", erklärte Sportdirektor Oliver Kreuzer.

Das Anforderungsprofil für den Job im chronisch aufgeregten Hamburger Umfeld formulierte er mit einem Augenzwinkern:

"Er muss gut sein, günstig sein - und alle Spiele gewinnen. Und er muss die deutsche Sprache besprechen, das ist Grundvoraussetzung."

Babbel als Nachfolger gehandelt

Nach SPORT1-Informationen ist der Ende 2012 in Hoffenheim entlassene Markus Babbel ein Kandidat auf die Fink-Nachfolge.

Meldungen, wonach er bereits am Montagabend mit dem ehemaligen Nationalspieler telefoniert haben soll, wies Kreuzer zwar zurück.

Gänzlich ausschließen wollte Hamburgs Sportdirektor eine mögliche Verpflichtung Babbels aber nicht (778898DIASHOW: Der Hamburger Schleudersitz).

Magath erteilt Absage

Neben Babbel kursierte auch immer der Name Felix Magath. Investor Klaus-Michael Kühne hatte sich schon vor Wochen für eine Verpflichtung des 60-Jährigen ausgesprochen.

"Ich stehe als Trainer für den HSV nicht zur Verfügung", stellte Magath in der "Bild" aber klar.

Zugleich kritisierte er die Hamburger Führungsriege: "Noch im Mai haben Ertel (Aufsichtsratsboss Manfred Ertel, Anm. d. Red.) und Jarchow erklärt, dass Fink der richtige Mann für den HSV ist. Und jetzt ist er es nach nur fünf Spielen nicht mehr? Da kann ich mich nur noch wundern."

Auch Foda und Stani im Gespräch

Wundern würde sich der eine oder andere HSV-Fan wohl auch bei einer möglichen Verpflichtung von Holger Stanislawski.

Doch auch die langjährige Gallionsfigur des Hamburger Stadtrivalen FC St. Pauli wird als potenzieller Fink-Erbe gehandelt.

Genau wie der ehemalige Kaiserslauterer Franco Foda, mit dem Sportdirektor Kreuzer schon einst bei Sturm Graz zusammengearbeitet hatte.

Kreuzer bangt um Verhältnis zu Fink

Aber was heißt das schon? Auch mit Fink kam Kreuzer zunächst gut aus.

"Speziell mir ist diese Entscheidung nicht leicht gefallen. Ich hatte ein sehr gutes Verhältnis zu Thorsten", berichtete 47-Jährige und fügte vorsichtig hinzu: "Ich hoffe, das bleibt bestehen."

Finks Heimattrip im Anschluss an die 2:6-Klatsche des HSV am Samstagabend in Dortmund hätte bei der Entscheidung keine Rolle gespielt, betonte Kreuzer.

Sportliche Talfahrt gibt Ausschlag

Stattdessen hätte er angesichts der jüngsten sportlichen Entwicklung "nicht mehr geglaubt, dass Thorsten mit der Mannschaft den Turnaround schafft."

Keine Philosophie, keine Konstanz, kein System: Nach den teilweise unterirdischen Bundesliga-Auftritten der "Rothosen" sahen die HSV-Bosse keinen anderen Ausweg mehr, als die Reißleine zu ziehen.

Finks Entscheidungen seien zuletzt unglücklich gewesen, so Kreuzer: "Wir haben einen Fehlstart hingelegt. In den bisherigen Spielen haben wir keine klare Linie und keine Konstanz erkennen können."

Kreuzer rügt van der Vaart

Wenig Verständnis zeigte der Sportchef für die öffentliche Reaktion von Spielmacher Rafael van der Vaart, der den Zeitpunkt der Trainerentlassung mit Blick auf das brisante Nordderby gegen Werder Bremen am kommenden Samstag kritisiert hatte.

Solche Aussagen stünden dem Kapitän "eigentlich nicht zu", betonte Kreuzer und führte aus: "Ich war sehr verwundert über sein Statement. Er soll schauen, dass er gut Fußball spielt."

Fink bedauert München-Trip

Guten - oder zumindest besseren - Fußball hätten die Hamburger nach Meinung des gefeuerten Fink auch künftig wieder unter seiner Regie gespielt.

"Ich hätte die Mannschaft gerne weiter geführt und bin mir sicher, dass sich der Erfolg auch eingestellt hätte", sagte der 45-Jährige am Dienstagmittag.

Zugleich räumte er aber auch ein, dass die Entscheidung, sein Team nach der Pleite in Dortmund allein zum Auslaufen zu schicken und stattdessen seine Familie in München zu besuchen, unglücklich gewesen sei: "Ich hätte später fliegen sollen."

Stattdessen flog er keine 48 Stunden später gleich nochmal - beim HSV.

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