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Ermöglichte dem HSV den Transfer von van der Vaart: Klaus-Michael Kühne (r.) © getty

Investor Klaus-Michael Kühne spricht bei SPORT1 Klartext: Über die Krise beim Hamburger SV, die Fink-Entlassung und Felix Magath.

Von Reinhard Franke

München - Klaus-Michael Kühne blickt sorgenvoll auf seine große Liebe.

Der Milliardär ist glühender Fan des Hamburger SV und half dem Verein in der Vergangenheit wiederholt mit finanziellen Zuwendungen in Millionenhöhe.

Nach der Entlassung von Trainer Thorsten Fink bringt sich Kühne auch in die Suche nach einem Nachfolger ein. (778898DIASHOW: Der Hamburger Schleudersitz)

Für ihn kommt für die Rolle als Retter nur eine Lösung in Betracht: Felix Magath. (Bericht).

Im SPORT1-Interview spricht Kühne über die Krise der Hamburger, das Aus für Fink, Sportchef Oliver Kreuzer - und er wirbt vehement für seinen Wunschkandidaten.

SPORT1: Herr Kühne, wie denken Sie über die Entlassung von Thorsten Fink?

Klaus-Michael Kühne: Finks Entlassung war richtig, er hat zu viele Fehler gemacht. Überrascht war ich nicht. Erleichtert bin ich, wenn man eine bessere Lösung findet. Ich habe schon in der letzten Rückrunde gesagt, dass er der falsche Mann ist und diese Mannschaft nicht ausrichten kann. Jetzt ist das Fass übergelaufen. Ich bezweifele jedoch, ob der Verein sich endlich zusammenreißen und einen guten Trainer verpflichten wird. Im Augenblick herrscht allgemeine Ratlosigkeit. Ich mache mir Sorgen um die Führung des Vereins, ob sie stabil genug ist, so eine Situation zu beherrschen.

SPORT1: Welche Fehler hat Fink gemacht?

Kühne: Insgesamt hat Fink keinen Teamgeist in die Truppe gebracht, hat die Spieler nicht motiviert und keine richtige Mischung gefunden. Es gab kein Miteinander und es fehlte jegliche Motivation. Wenn man mal zurücklag, hat das Team häufig resigniert. Zum Schluss hat Fink bei der Mannschaftsaufstellung komische Dinge gemacht, beim System dauernd herumexperimentiert. Das war ein Ausdruck von Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit.

SPORT1:Felix Magath ist Ihr Wunschkandidat. Er hat den Trainerjob zwar nicht kategorisch ausgeschlossen, dem HSV aber für diese Funktion abgesagt.

Kühne: Richtig. Er ist aber weiter mein Kandidat, als Berater oder Sportdirektor in Kombination mit einem Trainer. Magath hat sich klar festgelegt, dass er kein Trainer beim HSV mehr sein möchte. Er hat auch schon einen Trainer an der Hand, das ist der Ex-HSV-Spieler Bernd Hollerbach, mit dem er lange zusammen gearbeitet hat. Hollerbach war zwar noch nie Cheftrainer, aber in der Kombination mit Magath erscheint mir das eine sehr gute Lösung. Magath brennt darauf, diese Funktion wahrzunehmen. Man sollte ihm eine Chance geben.

SPORT1: Es werden einige Namen gehandelt: Markus Babbel und Franco Foda, auch Holger Stanislawski, Thomas Schaaf und Lothar Matthäus. Was sagen Sie zu diesen Namen?

Kühne: Mit den Trainern ist das immer eine Glückssache. Zu Schaaf und Matthäus möchte ich mich nicht äußern. Babbel ist bei Hertha BSC und vor allem in Hoffenheim gescheitert. Bei Stuttgart war er mal ganz gut, zum Schluss aber nicht mehr. Stanislawski ist ein echter Typ, den kann ich aber zu wenig einordnen. Als Ex-Paulianer ist er sicher schwer zu vermitteln. Und Foda kann ich überhaupt nicht beurteilen. Das sind alles Trainer, die kommen und gehen. Die haben sich bisher keinen Namen gemacht, indem sie bei einem Klub in einer Krisensituation das Ruder herumgerissen haben. Das hat Magath mehrfach geschafft. Ich wünsche mir jetzt einfach eine starke Persönlichkeit, die die Truppe unter Kontrolle bringt und ihr einen neuen Geist einhaucht.

SPORT1: Können Sie verstehen, dass Magath nicht Trainer sein will?

Kühne: Er hat in der Vergangenheit sehr viel Geld verdient und sehr viele Vereine trainiert. Ich glaube einfach, dass er den Job nicht mehr machen will. Das kann man mit Geld und guten Worten nicht mehr erreichen. Er wäre auch sehr teuer. Er sollte in einer beratenden Funktion einsteigen, denn sein Traum ist es, Vereinsvorsitzender zu werden, darüber habe ich intensiv mit ihm geredet.

SPORT1: Es gibt Meinungen, die sagen, dass auch Sportchef Oliver Kreuzer hätte gehen müssen.

Kühne: Das wäre in meinen Augen konsequent gewesen. Ich hätte mir eine völlige Erneuerung im ganzen Verein gewünscht. Ich kenne Kreuzer nicht persönlich, aber beim HSV müssen einfach Leute kommen, die ein hohes Kaliber haben. Das ist man der Stadt Hamburg und der Tradition des Klubs schuldig. Man kann keine unbeschriebenen Blätter nehmen. Ich will gar nichts Schlechtes über Kreuzer sagen, denn er ist in einer schweren Phase zum HSV gekommen. Aber er wirkt überfordert. Man hätte Magath als Sportchef haben können, aber das hat man nicht geschafft und das war ein Riesenfehler. Alleine an Fink lag es nicht.

SPORT1: Sind Sie weiter bereit, dem Verein finanziell zu helfen?

Kühne: Unter den derzeitigen Voraussetzungen werde ich nichts mehr machen. Aber wenn sich der Verein neu aufstellt, bin ich absolut bereit dazu, weil man den HSV unterstützen und voranbringen muss. Ich will nicht der Alleinunterhalter sein.

SPORT1: Was macht Ihnen Hoffnung, dass es nach der Fink-Entlassung nach vorne geht? Kreuzer meinte, dass ein neuer Trainer vielleicht schon am Wochenende gegen Werder Bremen auf der Bank sitzt.

Kühne: Hoffentlich machen die nicht den Fehler und nehmen den Erstbesten. Sie sollten jetzt zwei, drei Wochen die Luft anhalten und in Ruhe nach dem besten Trainer suchen. Dazu gehören auch weiter Gespräche mit Magath. Er hatte nie Gelegenheit dazu, sein Konzept vorzutragen. Mir hat er das vorgetragen und ich werde ihn dabei unterstützen. Bitte keinen Schnellschuss und wieder zu kurz springen, denn beim HSV wurde zuletzt immer zu kurz gesprungen.

SPORT1: Wie sehr glauben Sie, dass Magath doch beim HSV einsteigt?

Kühne: Ich wünsche es mir zu 100 Prozent, aber es hängt von der Vereinsführung ab. Es heißt wieder Magath sei viel zu teuer, aber wenn er kommt, würde ich einen finanziellen Beitrag leisten. Daran soll es nicht scheitern. Der Verein soll sich einen Ruck geben. Magath will zum HSV und das ist wichtig. Wenn es vernünftige Strukturen gibt, dann werden auch die Spieler wieder Leistung bringen. Ich will keinen Einfluss nehmen, sondern in dieser desolaten Situation einfach nur helfen.

[kaltura id="0_1wv45n38" class="full_size" title="Magath geht doch was mit dem HSV "]

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