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Chefcoach Thomas Schneider spielte selbst zwölf Jahre für die Schwaben © getty

Der VfB im Aufbruchmodus: Im SPORT1-Interview spricht der Stuttgarter Trainer über einen überkommenen Mythos und Löws Handynummer.

Von Patrick Mayer

München - Thomas Schneider muss sich vorgekommen sein, als habe ihn jemand auf einen Raketenstuhl gesetzt.

Quasi über Nacht war er plötzlich Cheftrainer in der Fußball-Bundesliga. In Stuttgart fand der ehemalige Verteidiger eine verunsicherte Mannschaft vor - er hauchte ihr binnen kürzester Zeit neues Leben ein.

Mit zwei Siegen in der Bundesliga führte er den VfB erst einmal aus der akuten Gefahrenzone in der Tabelle.

Gegen Frankfurt (ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER) wollen die Schwaben nachlegen.

Im SPORT1-Interview vor der Partie spricht Schneider über seinen Kumpel Cacau, schwäbische Erwartungshaltungen und Nationalmannschafts-Ambitionen seines Torhüters.

SPORT1: Herr Schneider, Manchester United, Paris St. Germain und Real Madrid sind klangvolle Namen. Wäre es nicht fein, sich mit diesen Mannschaften zu messen?

Thomas Schneider: Klar, aber worauf wollen Sie hinaus?

SPORT1: Geht es nach Ihrem Präsidenten, Bernd Wahler, sollen diese Teams schon bald Gegner des VfB sein - in der Königsklasse. Sie haben gerade erst das Ruder herumgerissen. Ist es da nicht vermessen, wenn mancher im Verein von der Champions League spricht?

Schneider: Da haben Sie vielleicht bei den Ausführungen unseres Präsidenten nicht ganz genau hingehört. Er hat gesagt, dass er einen Plan für die nächsten drei bis fünf Jahre aufstellen möchte und wir natürlich das Ziel haben sollten, innerhalb dieser Zeit wieder in die Champions League vorzustoßen. Das ist unser aller Ziel. Aber dafür brauchen wir andere Rahmenbedingungen.

SPORT1: Ihr Vorgänger, Bruno Labbadia, konnte die Erwartungen nicht mehr erfüllen. Er beklagte oft die Unzufriedenheit im Stuttgarter Umfeld. Dieses gilt als sehr ungeduldig.

Schneider: Schauen Sie auf unsere lange Tradition und unsere Erfolge. Nur zwei Vereine waren in den vergangenen fünfzehn Jahren häufiger international vertreten als der VfB. Dazu leben wir in einer wirtschaftsstarken Region. Daraus ergibt sich zwangsläufig eine gewisse Erwartungshaltung. Das ist aber nicht neu für uns und wir können damit umgehen.

SPORT1: Dabei ging alles sehr schnell. Sie kamen von der U17 ins "Haifischbecken" Bundesliga. Einer Ihrer Vorgänger, Markus Babel, beklagte unmenschliche Züge des Geschäfts. Sie sind 40 Jahre alt. Haben Sie keine Sorge, irgendwann ausgepowert dazustehen?

Schneider: Ich habe gerade erst als Profi-Trainer angefangen. Fragen Sie mich in ein paar Jahren noch einmal.

SPORT1: Sie wirken forsch. Der VfB sieht sich mit Ihnen im Aufbruchmodus. Sie nennen permanent Adjektive wie dominant, mutig und aggressiv. Einer, der mal auf die Bremse drückt, sind Sie offenbar nicht?

Schneider: Diese Adjektive nenne ich, wenn ich danach gefragt werde, welche Dinge den Spielstil des VfB Stuttgart prägen sollen. Mutiges Agieren, kompaktes Auftreten und ständige Angriffsbereitschaft, das wollen wir mit der Mannschaft entwickeln.

SPORT1: Bremsen muss man nicht selten Jung-Profis. Sie setzen auf Nachwuchsspieler wie den 17 Jahre alten Timo Werner und Sami Khediras' Bruder Rani. Viele VfB-Fans träumen schon von der Rückkehr der "jungen Wilden".

Schneider: Ich denke, dass wir alle gut daran tun, uns endlich einmal von diesem Begriff zu lösen. Diese Bezeichnung passte zur damaligen VfB-Mannschaft. Bei Borussia Mönchengladbach spricht auch niemand mehr von den "Fohlen". Aber natürlich schauen wir darauf, wer von unseren jungen Toptalenten das Potenzial hat, in der Bundesliga Fuß zu fassen und geben diesen jungen Spielern eine Chance. Am Ende entscheidet immer die Leistung, nicht das Alter.

SPORT1: Das dürfte Cacau freuen. Er hat durchwachsene Spielzeiten mit vielen Verletzungen hinter sich. Er ist der Einzige, der Sie duzen darf.

Schneider: Mit ihm habe ich noch zusammen gespielt. Da wäre es doch sehr komisch, wenn er mich jetzt siezen müsste.

SPORT1: Er hat auch schon für die Nationalmannschaft gespielt. Ihr Keeper Sven Ulreich zeigte zuletzt eine Weltklasseleistung. Haben Sie die Handynummer von Bundestrainer Joachim Löw?

Schneider: Sie nicht?

SPORT1: Leider nein! Sie könnten ihm sagen, dass Ihr Torwart in den DFB-Kader gehört?

Schneider: Gute Idee. Darauf hat er sicher gewartet. Aber im Ernst: Er hat das Spiel in Berlin vor Ort im Stadion verfolgt. Der Bundestrainer weiß, was er tut.

SPORT1: Ulreich wird sich - vorerst - auf die Bundesliga konzentrieren. In der geht?s gegen Frankfurt. Eintracht-Coach Armin Veh gilt als "Trainerfuchs" - den Sie wie überlisten wollen?

Schneider: Wir werden versuchen, mit zwölf Mann zu spielen, ohne dass er was bemerkt (lacht). Es wird sicher ein enges Spiel werden. Wir müssen Laufbereitschaft, Leidenschaft und spielerische Elemente einbringen, denn die Eintracht ist eine gefestigte Truppe mit einer reifen Spielanlage. Das haben sie bereits vergangene Saison eindrucksvoll gezeigt. Aber wir wollen den zweiten Heimsieg in Folge, um in der Tabelle weiter Anschluss zu halten.

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