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Philipp Lahm (l.) ist seit 2011 Mannschaftskapitän beim FC Bayern © getty

Der Bayern-Kapitän freundet sich mit seiner neuen MIttelfeldrolle an. SPORT1-Experte Peter Neururer versteht Guardiola dennoch nicht.

Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - Er ist Bayerns Alleskönner.

Oder anders formuliert: Ein Tausendsassa, der selbst als Aushilfskraft auf ungewohnter Position vorangeht. Und als absoluter Leistungsträger überzeugt.

Seine größten Fans hat Philipp Lahm in der eigenen Mannschaft. "Da kann man Hermann Gerland zitieren: Außer Torhüter kannst du Philipp überall hinstellen", meinte Thomas Müller nach Bayerns 3:0 am vergangenen Dienstag gegen ZSKA Moskau (Bericht).

Gegen die Russen gefiel Lahm auf der Sechserposition.

Er antizipierte Spielzüge des Gegners, grätschte wie ein geübter Mittelfeldstaubsauger. Dabei ist der wendige Lahm von der Statur her alles andere als ein bulliger Abräumertyp.

Mit welchem Sechser gegen Schalke?

Worauf es im defensiven Mittelfeld ankommt, begriff der gelernte Rechtsverteidiger allerdings so rasch, wie andere ein neues Computerspiel-Level erreichen.

Motto: Update und neue Skills gespeichert.

Pep Guardiola bringt das vor dem Spiel auf Schalke (Sa., ab 18 Uhr im LIVE-TICKER) in eine Zwickmühle.

Lässt er gegen S04 wieder Lahm als Sechser ran und gibt Bastian Schweinsteiger noch mehr Zeit zum Wiedereinstieg nach seiner Sprunggelenksblessur?

Schweinsteiger selbst fordert nichts. Er sagte stattdessen zu einem Startelf-Comeback: "Das kommt noch zu früh. Das Sprunggelenk hat sich gut angefühlt, natürlich ist die Fitness aber noch nicht da, wo sie sein sollte."

Neururer versteht Zögern nicht

Guardiola wird grübeln, zumal Rafinha zuletzt Lahm als Rechtsverteidiger durchaus passabel vertrat.

SPORT1-Experte Peter Neururer würde an Stelle des Katalanen indes keinen Moment zweifeln: Schweinsteiger brauche Spielpraxis. Sobald er fit sei, würde er bei ihm auflaufen, meinte Bochums Trainer im Mobilat Fantalk.

Arjen Robben würde diese Lösung wohl auch zusagen. "Für uns ist es wichtig, wieder in den Rhythmus zu kommen. Alle waren zehn Tage weg, jetzt können wir eine Serie hinlegen und wieder an uns arbeiten", sagte der Niederländer.

Peps Experimente zahlen sich aus

Lahm durchläuft indes im Moment einen Lernprozess, in dem er sich immer mehr mit der Mittelfeldrolle anfreundet.

Als Pep, der Baumeister, im Juli lustig mit den Aufstellungen experimentierte, Lahm mal hier, mal dort platzierte, wirkte der noch genervt.

Doch der Bayern-Kapitän erweitert sein Repertoire und verweist dabei auf SPORT1-Nachfrage auch auf die Rolle von Mittelfeldpartner Toni Kroos: "Toni und ich kennen uns jetzt schon seit ein paar Jahren. Das dürfte also nicht das große Problem sein."

Im Europäischen Supercup gegen Chelsea spielte Lahm gut eine Halbzeit lang auf der Sechs, dann folgten die Partien gegen Hannover und Moskau. Der 29-Jährige findet sich erstaunlich schnell in die neue Rolle. Wobei er weiß, wie viel Neues ihm gerade abverlangt wird.

Neue Denkweise bei Lahm

"Wenn man alle Unterschiede aufzählen würde, würde man hier Stunden stehen", sagte Lahm nach dem Hannover-Spiel in der Interviewzone und wirkte dabei vollkommen ernst.

Im gleichen Tonfall fügte er hinzu: "Ich spiele gerne im Mittelfeld."

Richtig, das sagt jener Lahm, der es vor nicht allzu langer Zeit schon als mittleren Affront gewertet hätte, ihn von der rechten auf die linke Abwehrseite zu versetzen.

Lahms Erkenntnis nach neun Pflichtspielen: "Ich weiß, dass es dem Trainer gefällt, wenn ich als Sechser oder in der Halbposition spiele."

Konsequenzen für Nationalelf?

Guardiola pries den Edeltechniker als "intelligentesten Spieler, den ich je trainiert habe".

Und da sich aus seiner Sicht im Zentrum das Match entscheidet, wäre es nicht überraschend, wenn er Lahm dort weiter einsetzen würde.

Schweinsteiger würde dann auf die Halbposition rücken - mit Konsequenzen für die Nationalmannschaft.

Bundestrainer Joachim Löw hätte auf einmal zwei Spieler, die bei Bayern andere Positionen einnehmen als im Nationalteam.

Verletzungssituation entspannt sich leicht

Soweit ist es noch nicht. Doch dank Lahms neuer Flexibilität hoffen die Bayern, die akute Verletzungssituation im Mittelfeld zu überstehen: In Javi Martinez, Thiago Alcantara und Mario Götze fallen drei wichtige Zentrumspieler weiter aus.

Martinez hat inzwischen immerhin wieder mit dem Lauftraining begonnen, Götze steht kurz vor der Rückkehr ins Mannschaftstraining.

"Je mehr Zeit vergeht, umso besser ist es für uns, dann kommen die Spieler zurück", kommentiert Müller die Ausgangslage.

Der Vorteil für Guardiola ist: Er muss den Strategen Schweinsteiger beim Klassiker in Gelsenkirchen nicht zwingend von Beginn an bringen - Alleskönner Lahm sei dank.

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