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Ende eines Missverständnisses: Luuk de Jong geht
Kam 2012 aus Enschede nach Gladbach: Stürmer Luuk de Jong © getty

Der teuerste Einkauf der Klubgeschichte drückt meist die Bank. Im SPORT1-Interview spricht Luuk de Jong über seine Lage in Gladbach.

Aus Mönchengladbach berichtet Andreas Reiners

Mönchengladbach ? Luuk de Jong kam als Star zu Borussia Mönchengladbach.

Niederländischer Nationalspieler, 25 Tore für Twente Enschede in der Vorsaison und auch von Klubs aus der englischen Premier League umworben - bei der Borussia war man im Sommer mächtig stolz auf den vermeintlichen Transfercoup.

Zwölf Millionen Euro ließen sich die Rheinländer den Stürmer kosten. Mehr als der Klub je zuvor für einen Spieler bezahlt hatte. Die Perspektive erschien glänzend.

Doch de Jongs Debütsaison verlief holprig. Zu Beginn der laufenden Spielzeit kam es gar noch schlimmer: Insgesamt nur 31 Minuten stand er in den bisherigen fünf Spielen auf dem Platz.

Die Neuen Max Kruse und Raffael sind schnurstracks an de Jong vorbeigezogen.

Im SPORT1-Interview spricht der Niederländer vor dem Spiel gegen Eintracht Braunschweig (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER und bei SPORT1.fm) über seine Reservistenrolle, die Last der hohen Ablöse und seine Zukunftsplanungen.

SPORT1: Luuk de Jong, Sie wollten mit dem Wechsel in die Bundesliga den nächsten Schritt machen. Wie weit sind Sie bisher gekommen?

Luuk de Jong: Ich spiele im Moment nicht, sondern sitze auf der Bank. Das ist nicht das, was ich mir vorgenommen habe. Ich habe diesen Schritt gemacht, um ein besserer Fußballspieler zu werden. Im Moment hat der Trainer entschieden, auf andere Spieler zu setzen. Das ist für mich natürlich eine Enttäuschung und diese Saison deshalb bislang noch nicht so, wie ich sie mir erhofft habe.

SPORT1: Haben Sie gedacht, dass es so schwierig werden würde?

de Jong: Am Anfang habe ich bei Twente auch nur auf der Bank gesessen. Und dann ging es auf einmal nur nach oben. Aber ich weiß, dass es nicht immer so gehen kann. Damit gerechnet habe ich aber nicht, nein.

SPORT1: Hat der Trainer Ihnen die Entscheidung begründet?

de Jong: Wir haben darüber gesprochen und er hat gesagt, was ich besser machen muss. Daran arbeite ich. Dem Trainer zu zeigen, dass ich spielen muss, ist die einzige Möglichkeit, die ich momentan habe ? im Training und in den Einsätzen, die ich bekomme.

SPORT1: Was genau müssen Sie besser machen?

de Jong: Die Ballbehandlung und der erste Ballkontakt, nach dem ich wieder schnell in Bewegung sein muss ? das muss noch schneller gehen und noch besser funktionieren. Das schnellere Spiel in der Bundesliga ist ja auch mit ein Grund gewesen, warum ich gewechselt bin. Aber alle wissen eigentlich, was ich als Stürmer kann. Ich bin ein Strafraumstürmer, der in der Mitte auf seine Chancen wartet. Jetzt hat der Trainer entschieden, mit Max Kruse und Raffael etwas anders zu spielen. Lucien Favre hat aber auch gesagt, dass es bald wieder anders aussehen kann.

SPORT1: Hätten Sie gerne mehr Vertrauen vom Trainer?

de Jong: Der Trainer sagt immer, dass man jede Woche gut trainieren soll. Man hat in der Vergangenheit gesehen, dass er auch gewechselt hat, wenn jemand gut trainiert hat. Natürlich ist es schwer, sich bei kurzen Einsätzen zu zeigen. Wenn du viele Einsätze bekommst, wächst automatisch auch das Selbstvertrauen.

SPORT1: Wie gehen Sie mit der Situation um?

de Jong: Ich bin immer enttäuscht wenn ich höre, dass ich nicht spiele. Freunde fragen auch immer: "Hast du schon wieder nicht gespielt?". Mein Bruder Siem spielt bei Ajax jedes Spiel. Er hatte aber auch Zeiten, in denen er nicht so oft zum Einsatz gekommen ist. Deswegen kann ich mich mit ihm über meine Situation unterhalten. Das hilft mir.

SPORT1: Es wird immer wieder kritisiert, dass Sie nicht zu Borussias Spielweise passen oder umgekehrt. Wie sehen Sie das?

de Jong: Ich denke, dass das so nicht stimmt. Ich habe bei Twente Enschede auch oft als Zehner hinter den Spitzen gespielt. Oder mich mit der einzigen Spitze abgewechselt und zurückfallen lassen.

SPORT1: Wie lange schauen Sie sich die Situation auch im Hinblick auf die WM 2014 an?

de Jong: Darüber denke ich im Moment noch nicht viel nach. Natürlich möchte ich zur WM. Aber der erste Schritt wird sein, dass ich wieder spiele, Einsätze habe und wichtig für die Mannschaft und den Verein sein kann. Ich möchte, dass der Verein Erfolg hat. Und dazu würde ich gerne etwas beitragen. Aber die Situation kann sich schnell wieder ändern. Ich werde weiterhin das Gespräch mit dem Trainer suchen. Dann kann er mir sagen, was er erwartet. Und dann werde ich schauen, wie die Situation im Winter aussieht.

SPORT1: Wenn ihr Name fällt, fällt auch automatisch immer die Zahl zwölf Millionen. Nervt es Sie, das manche Sie schon als Fehleinkauf bezeichnen?

de Jong: Ich weiß, dass manche Leute das so sehen. Ich finde es auch nicht schön, dass ich nicht spiele und hätte gerne mehr Möglichkeiten, um zu zeigen, was ich kann. Aber wenn ich auf dem Platz stehe, denke ich darüber nicht nach. Die Ablöse oder das Wort Fehleinkauf belasten mich überhaupt nicht. Ich habe nur Fußball im Kopf. Wenn du nicht spielst, musst du selbst an der Situation etwas ändern. Egal was andere sagen ? du musst immer an dich glauben und weitermachen.

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