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Die Berliner Anhänger hoffen inständig auf den Meistertitel © getty

Die Berliner haben sich zum Titelkandidaten gemausert. Auch Franz Beckenbauer hält die Hertha nun für einen Meisterfavoriten.

Von Martin Volkmar

München/Berlin - Hertha BSC bleibt die Mannschaft der Stunde in der Bundesliga.

Erst zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte stehen die Berliner drei Spieltage hintereinander an der Tabellenspitze. (Meister der Effizienz)

Und immer mehr Experten trauen der Mannschaft zu, dass sie dort auch am Ende der Saison stehen kann.

"Meister Hertha? Warum nicht!"

"Meister Hertha? Warum nicht!", sagte Franz Beckenbauer der "Bild".

"In dieser inkonstanten Liga müssen sie einfach nur so weitermachen. Dann holen sie den Titel am Ende!"

Sein ehemaliger Mitspieler Günter Netzer favorisiert zwar nach wie vor Beckenbauers Verein, doch auch er hält die dritte Berliner Meisterschaft nach 1930 und 1931 für möglich.

"Der Weg geht nur über Bayern", erklärte Netzer im "RBB".

"Aber in diesem Jahr sind sie nicht gefestigt und da kann so eine Mannschaft wie Hertha den großen Wurf landen."

Auch Lattek und Schumacher voll des Lobes

Den beiden Lichtgestalten des deutschen Fußballs schließen sich auch die Sport1.de-Kolumnisten an.

"Ich hätte die Berliner nie so weit oben gesehen. Aber jetzt glaube ich, dass sie bis zum Ende an der Spitze mit dabei bleiben", glaubt Ex-Meistercoach Udo Lattek. (Lattek-Kolumne)

So sieht es auch Toni Schumacher. "Die Hertha spürt den Druck gar nicht, lebt von Anpfiff zu Anpfiff, genießt den Moment, spielt nicht für die Galerie, sondern nach dem Konzept des Trainers Lucien Favre", meint der Ex-Nationaltorwart. (Schumacher-Kolumne)

"Und ganz ehrlich: Wenn Hertha Meister wird - und diese Mannschaft kann und will das - dann ist es letztlich völlig egal, ob man auch noch den Entertainment-Pokal dazu bekommt."

Hoeneß' Tanzeinlage in Cottbus

Die Szene des 23. Spieltags war auch für Schumacher Dieter Hoeneß' Tanzeinlage im Mannschaftskreis nach dem 3:1 im Derby in Cottbus: (Hertha-Express rollt weiter)

"Ich kenne Dieter Hoeneß schon sehr, sehr lange - aber so habe ich ihn noch nie gesehen. Diese Nahaufnahme des einst so verstaubten Hauptstadt-Klubs verdeutlicht: In Berlin reift der Glaube an den Titel mit jedem Spiel, mit jedem Sieg."

Dass der Auftritt des Managers etwas ungelenk ausfiel, passte auch irgendwie ins Bild. "Man hat gesehen, dass er das schon lange nicht mehr gemacht", stellte Innenverteidiger Josip Simunic fest.

In der Tat hat Hoeneß in den vergangenen Jahren eher den Mangel in der Hauptstadt verwalten und erklären müssen. Auch deshalb will er trotz des momentanen Höhenflugs weiter nichts vom Titel wissen.

"Die Fans dürfen träumen - wir nicht"

"Wir sind nur sieben Punkte vom siebten Platz weg. Ich will nicht unken, aber man muss ja schon immer mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben", sagte Hoeneß. "Die Fans dürfen träumen. Wir aber sind gut beraten, dies nicht zu tun."

Gleichzeitig gibt es für Herthas Macher aber viele Gründe für den Höhenflug. "Unser Erfolg ist kein Zufallsprodukt", erklärt er.

"Wir haben ein Team mit guten Typen geformt. Wir haben ein magisches Defensiv-Dreieck mit Torhüter Drobny und den Verteidigern Friedrich und Simunic. Dazu kommt ein Trainer, der sein Handwerk meisterlich versteht."

Voronin "unbezahlbar"

Und vorne hilft nicht mehr wie früher der liebe Gott, sondern Andrej Voronin: Sieben Tore hat der Ukrainer in den vergangenen drei Partien erzielt, in Cottbus war er mit drei Treffern der Matchwinner.

"Im Moment ist Andrej unbezahlbar für uns", sagte Kapitän Arne Friedrich. Das könnte allerdings auch so bleiben:

Der vom FC Liverpool ausgeliehene Stürmer kostet angeblich rund drei Millionen Euro Gehalt pro Saison und etwa vier Millionen Euro Ablöse - ohne internationales Geschäft zu viel für die klammen Berliner.

Ganz anders sähe das bei einem Einzug in die Champions League aus, denn dann wären 15 bis 20 Millionen Euro brutto garantiert. Doch bis dahin will Voronin nicht warten.

Auch Schalke angeblich interessiert

"Spätestens Ende Ende März will ich eine Entscheidung. Es gibt viele Anfragen anderer Klubs. Wenn es mit Hertha zu lange dauert, spreche ich mit anderen Vereinen", sagt der Stürmer, an dem auch Schalke 04 interessiert sein soll.

"Unser finanzieller Spielraum hat sich über Nacht nicht verändert", meinte Hoeneß dazu nur, ergänzt aber: "Wir wollen ihn halten und hoffen, dass wir eine Lösung finden. Denn im Moment macht er alles richtig."

Zumindest bis zum letzten Spieltag am 23. Mai soll das so bleiben, hat Voronin bereits versprochen. Und auch seine Mitspieler haben sich für das letzte Saisondrittel viel vorgenommen.

"Einfach nur so weitermachen"

"Wir müssen einfach nur so weitermachen", meint Simunic. "Wir haben eine große Qualität und ich sehe keinen Grund, warum wir nicht noch besser werden sollen. Es ist viel möglich."

Sein Trainer würde das allerdings (noch) nicht so formulieren. "Wir probieren, um den UEFA-Cup-Platz zu kämpfen", bleibt Lucien Favre bei seiner strikten Zurückhaltung.

Sollte es anders kommen, hätte aber auch der stille Schweizer nichts dagegen, wie er mit einem Verweis auf die Einlage seines Managers in Cottbus zugibt: "Auch ich tanze gern."

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