vergrößernverkleinern
Bleibt mit seinem Team Tabellenletzter: Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht © getty

Braunschweigs Lieberknecht muss wie Klopp auf die Tribüne. Es ist das Einzige, was Braunschweig mit der Champions League verbindet.

Aus Mönchengladbach berichtet Andreas Reiners

Mönchengladbach - Torsten Lieberknecht blieb bemüht gelassen.

Der Trainer von Eintracht Braunschweig versuchte, die Krise des Aufsteigers wegzulächeln - so gut es an diesem Abend eben ging.

Wie es wirklich in ihm aussah, konnte man nur erahnen. Eine Szene hatte zumindest einen kurzen Einblick in seine Gefühlswelt gegeben. (780473Bilder des Spiels)

Und sie weckte Erinnerungen. An die Champions League. Zumindest ein wenig. Borussia Dortmund, Jürgen Klopp, jede Menge Emotionen.

"Ich habe gesagt, dass es eine Lachnummer war. Das hat der vierte Offizielle von meinen Lippen abgelesen", erzählte Lieberknecht. Auf Nachfrage des Unparteiischen habe er es dann nochmal wiederholt.

"Ich lüge ja nicht. Ja, und dann war ich eine Etage weiter oben bei den Gladbach-Fans", sagte Lieberknecht, der kurz vor dem Ende des 1:4 (0:2) bei Borussia Mönchengladbach (Bericht) von Schiedsrichter Peter Gagelmann auf die Tribüne verwiesen worden war.

Eine "Lachnummer"

Die "Lachnummer" war aus Sicht von Lieberknecht der Knackpunkt .

Nach einem Foul von Marco Caligiuri an Juan Arango hatte Gagelmann in der 72. Minute beim Stand von 1:2 auf Elfmeter für die Platzherren entschieden.

[image id="7158da8a-63cb-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Und Lieberknecht hatte dabei offenbar die ganze Zeit das Gesicht von Klopp im Kopf.

Der Trainer von Borussia Dortmund hatte unter der Woche beim Champions-League-Auftakt in Neapel dem vierten Offiziellen sein hässliches Gesicht gezeigt und damit eine landesweite Diskussion ausgelöst.

"Ich habe versucht, aus der Geschichte zu lernen. Ich habe versucht, mich zurückzuhalten", sagte Lieberknecht, gab dann aber doch zu: "Ich verzweifele an diesen Situationen. Vielleicht werde ich das nächste Mal wieder wild gestikulieren."

Der besagten Elfmeter sei eben eine "50/50-Situation" gewesen.

"Der kleine Pissverein"

Auch Mirko Boland ließ die Elfmeter-Szene nicht mehr los.

Denn Braunschweigs einziger Torschütze an diesem Abend hatte mitbekommen, dass sich das Schiedsrichter-Gespann offenbar nicht wirklich einig war.

"Ich bin zum Linienrichter und er hat über sein Headset gesagt, er hat es andersrum gesehen", berichtete Boland. Und erinnerte sich dann an die Brandrede seines Trainers nach dem 0:4 beim HSV Anfang September.

"Daran sieht man wahrscheinlich auch, was der Trainer schon gesagt hat: Da sind wir halt nur der kleine Pissverein."

"Ich glaube meinen Spielern"

In der Mixed Zone entstand schließlich eine skurrile Situation.

Keine zwei Meter voneinander entfernt gaben Lieberknecht und Gagelmann Interviews. Lieberknecht erzählte dem "ZDF", dass seine Spieler ihn über die Uneinigkeit der Referees informiert hätten. "Und ich glaube meinen Spielern", sagte Lieberknecht.

Die Version von Gagelmann bei der "ARD" war wenig überraschend eine andere.

"Die Kommunikation war eindeutig, dass es ein Elfmeter ist", sagte Gagelmann. Und er verdeutlichte, dass der Platzverweis für Lieberknecht berechtigt war.

Auch wenn, im Vergleich zum Ausraster von Klopp, die Verhältnismäßigkeit fehlte.

Eintracht wenig erstligatauglich

"Ich glaube nicht, dass wir eine Lachnummer sind. Das müssen wir uns nicht gefallen lassen", sagte Gagelmann.

Den Braunschweigern dürfte diese Diskussion aber nicht ganz ungelegen kommen. Übertüncht sie größtenteils doch die Vorstellung vor allem in der ersten Halbzeit, als sich der Aufsteiger nur ganz selten erstligatauglich zeigte.

Passiv, mutlos, in der Defensive zu nachlässig und in der Offensive zu harmlos ? die Eintracht war immer einen Schritt zu spät, wirkte überfordert. Das änderte sich zwar im zweiten Durchgang, allerdings nur bis zu besagtem Elfmeter.

Lieberknecht sieht Team "im Soll"

Die emotionale Ansage des Aufstiegstrainers hörte sich dann fast schon wie eine Durchhalteparole an.

"Wir müssen das Positive mitnehmen. Wir lassen uns durch nichts erschüttern. Wir werden immer weiter machen und Gas geben, damit wir auch 2014/15 wieder sagen können, dass wir in der besten Liga dabei sind. Das habe ich immer gesagt, und dabei bleibe ich", sagte Lieberknecht.

Die ernüchternde Bilanz nach sechs Spielen: ein Pünktchen, 3:14 Tore und Platz 18. "Wir haben drei Punkte Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz. Damit sind wir absolut im Soll", sagte Lieberknecht. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Doch: Wegreden oder weglächeln lassen sich die blanken Zahlen nicht so einfach.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel