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Jürgen Klopp ist seit 2008 Trainer bei Borussia Dortmund © getty

Gegen Nürnberg lässt Dortmunds Trainer rotieren - ohne Erfolg. Dennoch bewahrt er die Contenance. Nilsson gesteht ein Handspiel.

Aus Nürnberg berichtet Christoph Lother

Nürnberg - Jürgen Klopp bemühte sich.

Er bemühte sich, ruhig zu bleiben. Und er bemühte sich, seinen Kritikern drei Tage nach dem bitteren Champions-League-Abend in Neapel inklusive Ausraster und Platzverweis nicht noch mehr Wasser auf die Mühlen zu gießen.

"Ich muss mich nicht zügeln. Alles okay", sagte der Trainer von Borussia Dortmund nach dem 1:1 seiner Mannschaft beim 1. FC Nürnberg (Bericht) und resümierte: "Das Ergebnis geht in Ordnung. Wir sind mit dem Punkt nicht unglücklich. Es wird weitergehen." Von Wutausbrüchen oder gar einem Vulkan keine Spur. (780473Bilder des Spiels)

Taktische Änderungen gehen nicht auf

Dabei hätte Dortmunds Coach allen Grund gehabt, sich auch nach dem Spiel in Nürnberg zumindest ein bisschen zu ärgern.

Seine Umstellung vom bewährten 4-2-3-1- auf ein 4-3-3-System war genauso wenig aufgegangen wie die drei Spieler umfassende Rotation in der Dortmunder Startelf.

"Die Mannschaft, auch in dieser Konstellation, kann besser spielen, als wir es getan haben", bilanzierte Klopp, der die jungen Erik Durm und Marvin Ducksch überraschend von Anfang an aufgeboten, dafür mit Henrikh Mkhitaryan, Robert Lewandowski und Nuri Sahin aber gleich drei Leistungsträger zunächst draußen gelassen hatte.

Ein gewagter Versuch, der letztlich mit dem ersten nicht gewonnenen Spiel der Borussia in der laufenden Bundesliga-Saison endete.

Die Tabellenführung blieb dem BVB allerdings erhalten, die Bayern zogen zwar punktemäßig mit dem 4:0-Sieg auf Schalke gleich, haben aber weniger Tore erzielt als der BVB (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Hofmann verteidigt Umstellung

"In der letzten Saison haben wir dieses System auch schon ein paarmal praktiziert. Es war also nichts Neues für uns", sagte der zur zweiten Halbzeit eingewechselte Jonas Hofmann bei SPORT1 und wollte die Systemumstellung nicht als Ausrede gelten lassen.

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Dass sie den Borussen Probleme bereitete, war aber offensichtlich. Nur selten gelangen den Schwarz-Gelben an diesem Nachmittag flüssige Kombinationen in der Offensive, noch seltener kamen sie zu zwingenden Torabschlüssen.

So musste schon eine Standardsituation herhalten, um die Nürnberger Defensive zu überwinden. Marcel Schmelzer war es dann, der einen Freistoß aus rund 25 Metern herrlich in den rechten Torwinkel schlenzte.

Probleme bei gegnerischen Standards

Doch so gefährlich sie bei ruhenden Bällen vorne sind, so anfällig sind die Dortmunder hinten.

Schon gegen Braunschweig und Hamburg hatten sie Gegentore nach Standards kassiert. Diesmal nutzte Nürnbergs Per Nilsson das kurzzeitige Chaos in der BVB-Abwehr zum Ausgleich.

"Wenn der Schiedsrichter das sieht, muss er es auch pfeifen", gestand der Innenverteidiger nach Schlusspfiff bei SPORT1 und gab zu, dass seinem Treffer ein Handspiel vorausgegangen war.

Klopp trotz Handspiel gelassen

Das hatte auch BVB-Coach Klopp bemerkt.

Aus der Fassung bringen konnte es ihn an diesem Nachmittag aber nicht.

"Auch wenn man den Eindruck gewinnen könnte, dass ich bei jeder Aktion den vierten Schiedsrichter attackiere, ist das nicht der Fall. Es war weit weg und ging sehr schnell", erklärte der 46-Jährige.

Angesichts der vergebenen Großchance von Nürnbergs Alexander Esswein in der Nachspielzeit wirkte Klopp sogar fast erleichtert: "Wenn er den am Ende reinschießt, hat Nürnberg gewonnen und wir müssen das auch akzeptieren."

Schmelzer und Reus verletzt

Zu akzeptieren hatte Dortmunds Trainer neben den ersten beiden verlorenen Bundesliga-Punkten der Saison auch das verletzungsbedingte Ausscheiden zweier weiterer Leistungsträger.

Nachdem Mats Hummels in Nürnberg wegen Rückenbeschwerden gar nicht erst im Kader gestanden hatte, musste Klopp für die zweiten 45 Minuten auch noch auf Marco Reus und Torschütze Schmelzer (beide Oberschenkelprobleme) verzichten.

Für das Zweitrunden-Spiel im DFB-Pokal beim TSV 1860 am Dienstag drohen die beiden Nationalspieler auszufallen.

Auftrieb für den Krisen-Club

Während die Dortmunder in München versuchen werden, den dritten Dämpfer innerhalb einer Woche zu vermeiden, können sich die im Pokal bereits ausgeschiedenen Nürnberger mit gestärktem Selbstvertrauen auf das bevorstehende Auswärtsspiel in Bremen vorbereiten.

"Ich habe eine starke Mannschaftsleistung gesehen. Insgesamt ist dieses 1:1 sehr wichtig für die Moral", fasste FCN-Coach Michael Wiesinger zusammen.

Von einem übermäßigen Gefühlsausbruch war aber auch er weit entfernt.

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