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Bastian Schweinsteiger wurde 2013 zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt © getty

Beim letztlich lockerem Sieg über Schalke meldet sich Schweinsteiger als Taktgeber zurück. Pep sieht "bestes Bundesliga-Spiel."

Aus Gelsenkirchen berichtet Andreas Reiners

Gelsenkirchen - Bastian Schweinsteiger strich sich durch seine neue Frisur und lachte laut auf.

Schließlich hatte der Mittelfeld-Chef des FC Bayern gut lachen. Macht ausgerechnet Kapitän und Kumpel Philipp Lahm dem 29-Jährigen den geliebten Platz auf der Sechs streitig? Wo ist überhaupt Platz für Schweinsteiger im variablen System von Trainer Pep Guardiola?

Fragen, die der Nationalspieler bei seinem Startelf-Comeback nach seiner Sprunggelenksverletzung nicht nur auf dem Platz beantwortete.

"Wir sind sehr flexibel, das macht es auch so schwer gegen uns zu spielen. Unser Trainer hat viele Varianten auf dem Kasten. Wir versuchen das so gut wie möglich umzusetzen. Manchmal ist es so, und manchmal ist es anders", sagte Schweinsteiger nach dem ebenso überzeugenden wie dominanten 4:0 (2:0)-Sieg beim FC Schalke 04 (Bericht).

Neunte Startformation

Gegen Schalke war es mal wieder anders. Es war die insgesamt neunte Variante in dieser noch jungen Saison, die Guardiola aufs Feld schickte. Und der Starcoach findet offenbar (fast) immer die richtige Mischung.

Lahm rückte nicht wie erwartet auf seine geliebte Außenverteidiger-Position zurück, sondern agierte erneut auf der Sechs. Schweinsteiger durfte offensiver als sonst ran. Und unterstrich mit der Interpretation seiner neuen Aufgabe: Der Chef ist zurück. (780473Bilder des Spiels)

"Der Trainer hat die Qual der Wahl. Für uns ist es wichtig, dass jeder die Position spielen kann, die er spielen soll", erklärte Schweini.

Katz-und-Maus-Spiel

Und das tat er. Schweinsteiger zog die Fäden und dadurch die ganze Mannschaft mit, die ballsicher und mit einer beeindruckenden Leichtigkeit ihr Katz-und-Maus-Spiel mit den Schalkern trieb.

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"Es ist demotivierend. Das ist typisch Bayern. Sie lassen dich so lange laufen, bis du keine Lust mehr hast zu laufen", brachte es der Schalker Dennis Aogo auf den Punkt.

Ganz nebenbei erzielte Schweinsteiger auch noch die wichtige Führung in der stärksten Phase der Schalker. Und das mit Köpfchen.

Hatte sich Schweinsteiger denn Sorgen gemacht, den Anschluss zu verlieren? Immerhin ist die Konkurrenz im Bayern-Mittelfeld so groß wie nie.

"Kann mich vorne und hinten eingliedern"

"Ich verliere nie den Anschluss. Ich versuche meine Position so zu spielen, dass es gut ist für die Mannschaft. Bis jetzt sieht alles sehr gut aus. Ich fühle mich sehr wohl, wo ich spiele. Ich kann mich vorne und hinten eingliedern", stellte er klar.

Und dann sprang Schweinsteiger auch noch Matthias Sammer zur Seite.

Denn Bayerns Sportvorstand hatte am vergangenen Spieltag nach dem 2:0 gegen Hannover Kritik an der Mannschaft geübt ("Dienst nach Vorschrift") und sich dafür einen Rüffel von Präsident Uli Hoeneß und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge ("Phantom-Diskussion") eingefangen.

Kein Dienst nach Vorschrift

Ganz nebenbei hat die Mannschaft durch zwei überzeugende Siege gegen Moskau und auf Schalke ihren Sportdirektor ebenfalls Lügen gestraft. Und die Diskussion zur Unzeit wohl endgültig beendet.

"Matthias ist ein intelligenter Mann, der weiß was er zur rechten Zeit zu sagen hat. Bayern kann froh sein, dass er da ist. Ich persönlich weiß, was er gemeint hat", sagte Schweinsteiger, ohne ins Detail zu gehen.

Doch der Erfolg gibt im Moment vor allem dem Trainer Recht. Guardiola hatte sich bei dem Thema dezent zurückgehalten.

Guardiola lobt

Nach dem Sieg bei den zuletzt wieder erstarkten Schalkern jubilierte er.

"Ich bin sehr zufrieden mit unserer Leistung. Ich denke, wir haben einen guten Schritt nach vorne gemacht. Ich bin sehr stolz auf meine Spieler. Das war unser bestes Bundesliga-Spiel", sagte er.

Aber Guardiola wäre nicht Guardiola, wenn er nicht noch ein Haar in der Suppe finden würde.

"Das perfekte Spiel gibt es nicht"

"Das perfekte Spiel gibt es aber nicht. Auch diesmal hatten wir manchmal noch zu einfache Ballverluste", so der Spanier.

Ballverluste hin, perfektes Spiel her: Mit dem Sieg zogen die Bayern pünktlich zum Auftakt der Wies'n mit Tabellenführer Borussia Dortmund gleich. Der BVB hatte wenige Stunden zuvor beim 1:1 in Nürnberg (Nachbericht) gepatzt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Erste Fragen, ob der FCB die Liga nun wieder langweilig mache, erstickte Arjen Robben mit einem zehnfachen Nein im Keim.

"Lasst uns ruhig bleiben. Es ist noch früh in der Saison. Aber natürlich war es ein gutes Spiel und ein guter Sieg. Wir müssen aber kritisch auf uns schauen", so der Niederländer.

Viel werden sie im Moment aber wohl nicht finden.

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