Neuzugang Boateng kann die Schalker Pleite gegen Bayern nicht verhindern. S04-Coach Keller ist dennoch von seiner Ausstrahlung begeistert.

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Aus Gelsenkirchen berichtet Andreas Reiners

Kevin-Prince Boateng ging selbst nach dem Schlusspfiff voran.

Der neue Antreiber des FC Schalke 04 klatschte mit jedem einzelnen Teamkollegen ab. Tätschelte, tröstete und richtete die geschlagenen Gelsenkirchener auf. Wenig später wandte sich Boateng in der Kabine an die versammelte Mannschaft.

"Wir müssen die Köpfe hochhalten. Wir haben jetzt andere, schwierige, aber machbare Aufgaben vor uns. Wenn wir wieder alle zusammenarbeiten, werden wir auch wieder drei Punkte holen", sagte Boateng zu den Teamkollegen.

Mit breiter Brust auf den Platz

Natürlich hatte er auch vor dem Spiel gegen den FC Bayern München seinen Jungs ein paar warme Worte mit auf den Weg gegeben, sie motiviert und an das zuletzt gewachsene Selbstvertrauen appelliert.

"Ich habe gesagt, wir gehen mit breiter Brust raus. Das haben wir die ersten 25 Minuten auch gemacht, nur danach ein bisschen vergessen", gab Boateng zu.

"Deswegen haben wir ihn verpflichtet: Damit wir einen Spieler haben, der diese Ausstrahlung hat und das Heft in die Hand nimmt. Der auch in der Kabine mal etwas sagt. Er hat uns gut getan", sagte Schalke-Trainer Jens Keller im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1.

Doch auch ein Prince kann nicht zaubern.

Nach einer kleinen Serie von vier Pflichtspiel-Siegen, davon drei ohne Gegentreffer, wurden die Königsblauen beim 0:4 gegen den FC Bayern wieder unsanft auf den Boden der Tatsachen geholt.

An die Grenzen gestoßen

"Wir haben es teilweise probiert, sind aber an unsere Grenzen gestoßen. Ich habe aber die Hoffnung, dass wir wieder aufstehen", sagte Kapitän Benedikt Höwedes.

Und Keller kritisierte: "Ich habe mir schon gewünscht, dass sie mit einer anderen Körpersprache wieder rausgehen und auch mal ein Zeichen setzen."

Auf Schalke war vor dem Klassiker gegen die Bayern von einer Herkulesaufgabe gesprochen worden. Doch ob nun weltbeste Mannschaft oder Triple-Sieger: Es war nach der bitteren Klatsche zu sehen, dass sich die Schalker nach ihrem jüngsten Höhenflug insgeheim mehr ausgerechnet hatten.

Die Klasse der Bayern mag zum jetzigen Zeitpunkt zwar nicht der Anspruch der Schalker sein. Doch auf einen Punktgewinn hatten sie trotzdem spekuliert. Vor allem, weil zuletzt die Null stand.

Und vor allem, weil S04 mit nunmehr weiterhin sieben Punkten so langsam aber sicher den Anschluss an das obere Tabellendrittel verliert.

Ansprüche sind völlig andere

Denn die Ansprüche sind, nicht zuletzt eben auch durch die Boateng-Verpflichtung, völlig andere.

"Das ist sicher nicht optimal. Aber möglich ist noch alles. Wir dürfen uns aber nicht mehr allzu viele Ausrutscher erlauben", mahnte Keller.

Boateng macht sich keine Sorgen, dass der Schwung der vergangenen Wochen verloren gegangen sein könnte.

"Wir haben gegen eine Mannschaft verloren, die besser war. Das ist der erste Schritt, dass wir das anerkannt haben. Und wir konnten viel lernen. Lernen, dass man die Chancen, die man hat, rein machen muss. Und nicht die Köpfe hängenlassen. Das ist das Wichtigste", erklärte Boateng.

Zu viel Last auf Boatengs Schultern?

Seit seinem Wechsel vom AC Mailand zu den Königsblauen lasten die Hoffnungen und Wünsche des ganzen Ruhrgebiets auf den tätowierten Schultern des neuen Leaders.

Verspürt der 26-Jährige inzwischen vielleicht sogar zu viel Druck? Nein, natürlich nicht: "Ich habe immer gesagt, dass ich die Verantwortung und den Druck mag. Es geht aber nicht nur um mich, sondern um die Mannschaft. Und ich denke, dass wir heute nicht zu 100 Prozent gezeigt haben, was wir können."

Also auch Boateng, der zwar wie immer seine Mannschaft antrieb und als Kämpfer voranging, doch letzten Endes wie alle Schalker an der Münchner Überlegenheit verzweifelte.

Auch ein Prince kann eben nicht zaubern.

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