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Der FC Bayern München besiegte in der Vorsaison Barcelona im Halbfinale der Champions League © getty

In München wird Guardiolas Handschrift immer sichtbarer. Guardioals Ex-Klub Barca räumt indes mit dem Erbe des Starcoachs auf.

Von Mathias Frohnapfel

München - Sein Team hat am Montag trainingsfrei und Pep Guardiola so die Möglichkeit, den Immobilienmarkt zu inspizieren.

Der Bayern-Trainer soll ja darüber nachsinnen, einen millionenschweren ehemaligen Bauernhof südlich von München zu kaufen, wie die "tz" berichtet. Aus Josep "Pep" Guardiola i Sala, wie der Katalane mit vollem Namen heißt, würde damit noch mehr "Sepp Guardiola".

Ein Luxusanwesen auf dem Land erwerben, das hieße für den 42-Jährigen auch ein wenig Wurzeln schlagen.

"Unser bestes Spiel in der Bundesliga"

Pep, der Bayer, und dazu ein Team, das immer mehr im Guardiola-Stil auftritt. Die 4:0-Gala auf Schalke 04 (Bericht), just zum Wiesnstart zudem, ließ den ehemaligen Barca-Coach frohlocken: "Das war unser bisher bestes Spiel in der Bundesliga."

Das Kuriose ist: Während der FC Bayern sein Spiel mit Tiki-Taka-Elementen anreichert, Kurzpässe auf engstem Raum zelebriert, emanzipiert sich Barcelona gerade von eben jener Methode. Und zwar genau seitdem Gerrado "Tata" Martino den Trainerjob vom Guardiola-Erben Tito Vilanova übernommen hat.

Die Bayern folgen derweil ihrem neuen Coach ohne Zweifel. Franck Ribery traf beim dritten Tor gegen Schalke fast schon in Manier des Barca-Teams zu Peps magischsten Zeiten (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Tor wie erträumt

Es war ein Tor, wie es Guardiola sich ausmalt, wenn er lange vor dem Spieltag das Match auf seinem inneren Auge durchspielt.

Über mehrere Stationen wanderte der Ball zu David Alaba, der Ribery auflegte. Der schoss aus kurzer Distanz den Ball nicht ins Tor, nein, der Franzose geleitete ihn über die Linie. "Jedes Spiel macht Spaß, wir haben so gut gespielt", schwärmte Ribery anschließend.

"Wir haben auch defensiv gut gearbeitet, viel Druck nach vorne gemacht."

Ribery spürt, dass die Bayern gerade drauf und dran sind, sich einen Panzer für schwierige Tage zuzulegen. Ein System also, auf das sie sich verlassen können, wenn es Verletzte oder Sperren gibt oder mal ein Star nicht seine Form hat.

Spielt sich Lahm im Zentrum fest?

Vor dem Match im DFB-Pokal gegen Hannover 96 am Mittwoch registrieren die Münchner noch eine weitere sich ankündigende Umwälzung: Philipp Lahm könnte auch weiterhin der Sechser heißen, selbst wenn Bastian Schweinsteiger wieder komplett fit ist.

"Ich glaube, dass Pep ihn da gut sieht", sagte SPORT1-Experte Thomas Helmer im Volkswagen Doppelpass.

"Für mich verfestigt sich langsam der Eindruck, dass Philipp auf der Sechs dauerhaft spielen wird. Die anderen müssen dann eben auf eine andere Position weichen."

"Wir sind der FC Bayern"

Lahm selbst schnaubte allerdings bei der Frage, wie viel Barca schon in den Münchnern stecke. Der Bayern-Kapitän verteidigte sofort die eigene Identität: "Wir sind der FC Bayern".

Zumal ja Barcelona unter Gerrado "Tata" Martino ein neues Profil entwickelt. Die Katalanen sind weiterhin sehr offensivstark, haben allerdings nicht nur durch Superstar Neymar eine Blutauffrischung bekommen.

Sklaven des Tiki-Taka

Hinzu kommt der Impuls von außen, den Gerard Pique betont.

"Wir haben in den letzten Jahren mit Trainern aus dem Verein gearbeitet, erst Pep Guardiola, dann Tito Vilanova. Und vielleicht haben wir mit unserem Spielstil es so weit übertrieben, dass wir irgendwann fast Sklaven unserer Spielweise geworden sind", sagte er kürzlich in der "Gazzetta dello Sport". Das berühmte Tiki-Taka als Fessel also.

Und der Barca-Stratege fügte an: "Nach so vielen Jahren wissen die Gegner, wie wir attackieren und wie wir uns bewegen. Wenn wir gerade nicht in Bedrängnis sind, ist es nichts Schlimmes, auch mal zwei Weitschüsse zu probieren."

Barca-Serie reißt nach 315 Spielen

Unter dem neuen Trainer Martino sind auch lange Bälle aus der Abwehr kein streng verbotenes Mittel mehr, der Torabschluss, so der erste Eindruck, wird schneller und direkter gesucht.

Die einstigen "Kurzpass-Könige" aus Katalonien hatten am Wochenende beim 4:0 im Spiel bei Rayo Vallecano erstmals nach über fünf Jahren und 315 Spielen weniger Ballbesitz als der Gegner.

Peps Revolution auf der einen, Peps Emanzipation auf der anderen Seite: Erfolgreich sind im Moment beide FCB-Varianten

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