SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold kritisiert die Unruhe in Hamburg und sieht eine Lösung. Auch über van Marwijk wundert er sich.

Hallo Fußball-Freunde,

die Außendarstellung des HSV ist negativ - in der Trainersuche, aber nicht nur da. Mich wundert nach diesem turbulenten Wochenende, wie immer wieder Details an die Öffentlichkeit gelangen.

Zugleich finde ich es interessant, dass sich Trainerkandidat Bert van Marwijk so positioniert hat. Denn ist der Vertrag unterschrieben, dann kann es ja der Verein verkünden. Es ist fraglich, ob es von ihm so geschickt war, in den Medien schon solche Dinge zu verbreiten. Das überrascht mich sehr.

Beim Personal haben die Hamburger in der Vergangenheit kein glückliches Händchen gehabt, Spieler kamen und gingen - genauso die Trainer.

Unter Dietmar Beiersdorfer wurden noch Transfererlöse erzielt, nach seinem Abgang nicht mehr. Die Qualität der Spieler nach der Ära Beiersdorfer war nicht ausreichend. Dazu kam noch, dass ein sehr hohes wirtschaftliches Risiko gefahren wurde.

Die Strukturen im Verein sind auf jeden Fall zu hinterfragen, aktuell gibt es ja die Initiative "HSVPlus" um den früheren Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst-Otto Rieckhoff. Da geht es um die Ausgliederung der Profiabteilung. Meiner Meinung nach ist das die einzige Chance, die der HSV hat.

In dem Zusammenhang frage ich mich, warum Investor Klaus-Michael Kühne als internationaler Geschäftsmann nicht diskreter vorgeht. Umgekehrt würde ich es von HSV-Seite begrüßen, wenn man nicht auf jedes Interview von ihm draufspringt.

Alle sollten jetzt daran arbeiten, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Egal, wer der neue Coach wird, es kann für ihn nur besser werden als aktuell. Mit der Mannschaft kann man zwar keine großen Sprünge machen, doch besser als Platz 16 ist Hamburg auf jeden Fall, auch wenn es bestimmt nicht für das internationale Geschäft reichen wird.

Die Schalker haben es im Spitzenspiel gegen Bayern am Anfang gut gemacht, vor allem Jefferson Farfan war mit seiner Schnelligkeit präsent. Doch nach dem Gegentor sind die Schalker komplett eingebrochen, der taktische Plan und die Körpersprache haben nicht mehr gestimmt.

Für mich war es umgekehrt das beste Bayern-Spiel bislang. Man erkennt, dass Pep Guardiolas System greift, das Team mit nur einem Sechser im Mittefeld mehr Anspielstationen hat. Das macht die Münchner unberechenbarer.

Philipp Lahm wird sich aus meiner Sicht nicht im defensiven Mittelfeld festspielen, er ist dort aber eine starke Option. Kommen die vielen verletzten Spieler zurück, wird Lahm wieder als Rechtsverteidiger auflaufen.

Jürgen Klopp hat in Nürnberg stark rotiert, am Ende gab es ein Remis. Der BVB hat vor der Saison klar gesagt, dass er auf den Nachwuchs setzen will. Dann muss man das auch mal umsetzen.

Und ich finde, wenn man den jungen Leuten nicht mal gegen Kellerkind Nürnberg eine Chance geben kann gegen wen dann? Aus meiner Sicht hat sich Klopp daher nicht verzockt, der Ausgleich war ja auch unglücklich.

Bis zum nächsten Mal,Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt wöchentlich als Kolumnist für SPORT1.

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