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MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Bert van Marwijk (r.) trainierte von 2008 bis 2012 die "Elftal" © getty

Schon jetzt droht Ärger: Der designierte HSV-Coach Bert van Marwijk und Hamburgs Superstar liegen nicht auf einer Wellenlänge.

Von Patrick Mayer

München - Erst ein Sieg aus sechs Bundesliga-Spielen, dauerhafte Unruhe im Umfeld: der Start für den designierten neuen HSV-Coach Bert van Marwijk wird schwer genug werden.

Deshalb warnt der Niederländer schon mal vor zu hohen Erwartungen und stellt klar: "Ich bin kein Zauberer."

Doch bevor er aller Voraussicht am Mittwoch vorgestellt wird, sorgt er selbst schon für zusätzliches Chaos an der Elbe.

Der mutmaßlich neue Coach prescht medial nach vorn, enthusiastischer, als es manchem in der Führungsetage lieb ist. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Munter verkündete van Marwijk, dass er neuer HSV-Coach wird, ohne dass der Klub dies klipp und klar bestätigt hat.

"Ich habe eine SMS von meinem Berater bekommen, dass alles klar geht. Das ist zunächst zwar nur eine mündliche Zusage, aber für mich bedeutet das, dass alles fix ist", sagte der frühere Bondscoach am Sonntagabend beim Fernsehsender NOS in der Sendung "Studio Voetbal".

Der wörtliche Inhalt der SMS ist zwar nicht überliefert. Doch fix ist längst nicht alles.

Aufsichtsrats-O.k. fehlt

Zum einen muss sich van Marwijk ganz offenbar von seinem Wunsch-Co-Trainer Andreas Möller verabschieden (News), zum anderen muss der Aufsichtsrat die Verpflichtung des früheren Bondscoaches erst noch absegnen.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Manfred Ertel geht zwar "fest davon aus", dass der ehemalige Coach von Borussia Dortmund (2004 bis 2006) unterschreiben wird.

Die größte Hürde ist jedoch das Gremium selbst.

"Finanziellen Rahmen abnicken"

"Wir müssen ja den finanziellen Rahmen abnicken, nicht die sportliche Entscheidung", sagte Ertel am Sonntagabend im NDR "Sportclub".

Die Sitzung ist für Montagabend geplant, der Aufsichtsrat gilt als in sich zerstritten.

Und nun muss er Geld in die Hand nehmen, dass der HSV eigentlich nicht hat.

20 Millionen Euro - so hoch waren die Verluste in den vergangenen drei Geschäftsjahren.

1,4 Millionen Euro Jahresgehalt

Im Gespräch ist ein Zweijahresvertrag für van Marwijk bei einem geschätzten Jahresgehalt von 1,4 Millionen Euro ? nach Informationen des "Hamburger Abendblatt" wären dies 200.000 Euro mehr als bei Fink.

Die sportliche Entscheidung für den früheren BVB-Trainer hält der Aufsichtsrat aber für richtig.

"Ich glaube, dass wir in der jetzigen Situation einen Mann brauchen, der eine sportliche und menschliche Autorität hat. Das Profil passt. Und wenn der Vorstand davon überzeugt ist, dass Bert van Marwijk der richtige Mann ist, dann wird sich der Aufsichtsrat zumindest sportlich dem sicher nicht in den Weg stellen", meinte Ertel vielsagend.

Mit seiner Autorität kam van Marwijk bei der EM 2012, als die Niederlande punktlos in der Vorrunde scheiterten, allerdings nicht bei allen Spielern gut an.

Stürmer Klaas-Jan Huntelaar begehrte offen gegen den Trainer auf, und auch das Verhältnis zu Rafael van der Vaart war nicht das Beste.

Van der Vaart diplomatisch

Als van Marwijk die niederländische "Elftal" zwischen 2008 und 2012 trainierte, spielte der Edeltechniker nur eine Nebenrolle.

Es blieb meist nur der Platz auf der Auswechselbank - auch im WM-Finale 2010 gegen Spanien (0:1).

Es sind diese verpassten Einsatzchancen, die am Selbstverständnis eines Profis zehren.

Auch deshalb herrscht zwischen Trainer und Spieler Funktstille.

"Haben nicht telefoniert"

"Wir haben nicht telefoniert oder gesprochen", gab der Coach zu.

Dabei ist es üblich, dass Trainerkandidaten die Leistungsbereitschaft von Führungsspielern vor einem Engagement abklopfen.

Gerade bei van der Vaart wäre das dringend notwendig, wie Trainer-Legende Ottmar Hitzfeld betont.

"Man hat mit van der Vaart einen Superstar, der die Leistung nicht mehr abruft, wie es nötig wäre und der auch durch sein Privatleben auf die Mannschaft abstrahlt", sagte der frühere Bayern-Coach bei "Sky".

Er ging mit dem 30-jährigen Spielmacher hart ins Gericht: "Er verdient wahrscheinlich am meisten Geld, müsste der beste Spieler sein und voranschreiten, was die Einstellung angeht, da ist er sicher nicht der Ideale."

Kritik nimmt zu

Auch im Verein wächst die Kritik am Kapitän ungebremst.

Van Marwijk sei der richtige Mann, "um den einen oder anderen Führungsspieler, der sich vielleicht im Moment sehr mit sich selbst beschäftigt als mit seiner Leistung, im Zweifel mal Bescheid zu stoßen", meinte Ertel in Richtung van der Vaart.

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