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Matthias Sammer (l.) wechselte im Juli 2012 vom DFB zum FC Bayern © imago

Die beste Saisonleistung der Bayern bei Schalke 04 hat auch mit Sammers Brandrede zu tun. Der Sportdirektor erhält Zuspruch.

Von Tobias Wiltschek

München - Ob er wieder so reagiert, zu einer Wutrede ausholt, die Spieler zusammenstaucht?

Am Mittwoch empfängt der FC Bayern im DFB-Pokal Hannover 96 (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) - wie schon Mitte September, als die Münchner in der Bundesliga gegen die Niedersachsen mit 2:0 gewannen.

Es war der vierte Sieg im fünften Spiel, souverän herausgespielt und nie gefährdet. Matthias Sammer geißelte die Leistung dennoch als "lethargisch" und forderte sein Team auf, "die Komfortzone" zu verlassen.

Ruhe nach der Gala

Die Aufregung über die Brandrede des Sportvorstands hat sich vor der Begegnung in der zweiten Pokal-Runde etwas gelegt (DATENCENTER: Der DFB-Pokal).

Durch den 3:0-Erfolg in der Champions League gegen ZSKA Moskau und die 4:0-Gala bei Schalke 04 (Bericht) scheint Ruhe eingekehrt beim Rekordmeister.

Auch, weil Sammer sich in den letzten Tagen mit Wortmeldungen zurückhielt.

"Bin keine Mimose"

Gibt er jetzt die beleidigte Leberwurst, nachdem er von Präsident Uli Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ordentlich zusammengefaltet worden ist?

Nein, keineswegs. "Ich bin doch keine Mimose", wird der 46-Jährige im "kicker" zitiert.

Ohnehin kann Sammer für sich Anspruch nehmen, dass die Mannschaft von seinem bewussten Ausraster angestachelt in Gelsenkirchen ihre bislang beste Saisonleistung zeigte, wie nicht nur Trainer Pep Guardiola feststellte.

Mit Traumkombinationen nach Art von Guardiolas Ex-Team Barcelona und unermüdlichem Einsatz ließen die Bayern den Schalkern in deren eigener Arena nicht den Hauch einer Chance.

Arjen Robben wollte die Leistungssteigerung des FCB zwar nicht als Folge der Sammer-Rede sehen: "Nein, das würde ich nicht sagen", erklärte der Niederländer in der "tz"..

"Wir haben viele erfahrene Spieler, wir wissen, wann es gut läuft und wann wir etwas besser machen müssen."

Schweinsteiger auf Sammer Seite

Dennoch war es auffällig, wie sich Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger nach dem Sieg auf Schalke demonstrativ hinter Sammer stellte.

"Ich weiß, was er gemeint hat", erklärte der 29-Jährige im "ZDF", ohne ins Detail zu gehen, und fügte an: "Ich bin froh, dass er da ist."

Sammer darf sich jedenfalls bestätigt fühlen.

Was im Umkehrschluss heißt, dass mit weiteren Sammer-Brandreden auch in der Zukunft zu rechnen ist.

Hitzfeld kritisiert Bayern-Bosse

Dafür hätten ihn die Bayern ja auch vom DFB nach München gelockt, meint auch Sammer langjähriger Weggefährte Ottmar Hitzfeld.

"So ist er halt vom Typ. Das muss man wissen, und das weiß ja Bayern auch. Man hat ihn als denjenigen geholt, der auch mal den Finger in die Wunde legt, der unangenehm ist", sagte der ehemalige Bayern-Trainer bei "Sky".

Daher kann Hitzfeld, der bei Borussia Dortmund auch Sammer trainierte, die öffentlichen Retourkutschen der Bayern-Bosse gegen seinen ehemaligen Schützling nicht nachvollziehen. "Man kann das in den eigenen vier Wänden machen. Man trifft sich jede Woche, da kann man das ansprechen", monierte der 64-Jährige. So aber habe Sammer an Autorität eingebüßt.

In den Kompetenzbereich von Coach Guardiola mischt sich der vom Erfolg besessene Glatzkopf indes auch weiterhin nicht ein. Dafür arbeitet er zusammen mit den jeweiligen Trainern an einer einheitlichen Philosophie aller Jugend-Mannschaften des FC Bayern.

Sammers Credo

"Ich versuche sanfte Veränderungen, um Tradition und Moderne zu verbinden", formuliert Sammer sein Credo, das er auch bei der Profi-Mannschaft anwendet.

Rummenigge selbst hatte bei der Vorstellung des Sachsen betont, dass dieser als Sportvorstand auch "für die Lizenzspielermannschaft" zuständig ist. In dieser Funktion wird er sich auch weiterhin zu Wort melden, wenn er Missstände ausmacht - ob öffentlich oder nicht.

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