Als Schuldiger wird jetzt der Manager hingestellt, während Trainer Fred Rutten bleiben darf. Nun macht der Klub aber schon den nächsten Fehler, wenn er vorerst auf den dringend benötigten Nachfolger verzichten will.

Was in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder als Sprechchor in der Schalker Arena zu hören war, ist nun geschehen: Müller raus.

Die Entlassung des Managers kommt nicht überraschend, denn Andreas Müller hatte sich durch unglückliche personelle Entscheidungen angreifbar gemacht.

Aufsichtsratschef Clemens Tönnies hatte zuletzt den Druck auf den einstigen "Eurofighter" immer weiter erhöht und betont, dass Manager und Trainer an den Resultaten gemessen werden.

Die waren zwar zuletzt, zumindest in der Bundesliga, gar nicht so schlecht. Von den letzten acht Spielen gewann Schalke vier und spielte zweimal remis.

Doch das Scheitern in der Champions-League-Qualifikation sowie das Aus im UEFA- und zuletzt im DFB-Pokal wogen schwerer, und der Rückstand auf einen Europapokalplatz beträgt immer noch fünf Punkte.

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Hinzu kam, dass es auf Schalke in dieser Saison bei Siegen fast immer nur Ergbenis- statt Erlebnis-Fußball zu sehen gab, weshalb die Fans auch nach dem 1:0 am Freitag gegen Köln auf die Barrikaden gingen.

Als Schuldiger wird jetzt der Manager hingestellt, während Trainer Fred Rutten bleiben darf, mit dessen Schicksal Müller sein eigenes verknüpft hatte.

Zugegeben: Mit der Verpflichtung von Spielern wie Carlos Grossmüller, Ze Roberto und Albert Streit hat Müller "ins Klo gegriffen".

Aber dass international anerkannte Profis wie Orlando Engelaar, auf Ruttens Wunsch mit aus Enschede nach Gelsenkirchen gekommen, und Jefferson Farfan, der teuerste Transfer der Schalker Vereinsgeschichte, ihr Potenzial höchstens zu einem Bruchteil umsetzen, kann Müller nicht angelastet werden.

Heiko Westermann und Jermaine Jones, ebenfalls zwei Müller-Transfers, sind Nationalspieler geworden, Ivan Rakitic stand mit Kroatien im EM-Viertelfinale.

Müllers großes Problem war, dass er bei der Vereinsführung genauso wie bei den Anhängern einen schweren Stand hatte.

Bis zum Schluss gab er sich kämpferisch, doch im Gegensatz zu seinem Vorgänger Rudi Assauer fehlten ihm Ecken und Kanten. Und als er am Ende einen harten Kurs fahren wollte, war es schon zu spät.

Nun macht der Klub aber schon den nächsten Fehler, wenn er vorerst auf den dringend benötigten Nachfolger verzichten will. Denn Schalke braucht wenigstens einen Mann in der Führung mit Fußballsachverstand.

Wie auf dem Platz fehlt dem Verein einer, der ganz klar das sportliche Sagen hat.

Fraglich, ob Rutten diese Rolle nach dem Wolfsburger Magath-Modell ausfüllen kann. Vielmehr spricht einiges für eine Trennung spätestens im Sommer, falls die Königsblauen nicht doch noch einen Europapokalplatz erreichen.

Zurück bleibt schon jetzt ein Trümmerhaufen - sowohl was die sportliche Bilanz betrifft als auch das Image des Klubs.

Denn mit Müller geht nur das Gesicht der Krise.

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