Der HSV hat in Bert van Marwijk relativ schnell einen Fink-Nachfolger gefunden. Vielleicht hätte man sich mehr Zeit lassen sollen.

Mangelnde Entschlussfreudigkeit kann man den Verantwortlichen beim Hamburger SV sicher nicht vorwerfen.

Keine Woche hat der Verein gebraucht, um in Bert van Marwijk den Nachfolger von Thorsten Fink zu präsentieren.

Allerdings hätte dem HSV der Grundsatz "Gründlichkeit vor Schnelligkeit" vielleicht ganz gut getan.

Statt in Ruhe nach einem jungen Trainer mit Konzept, Perspektive und vielleicht sogar regionaler Verwurzelung zu schauen - so wie es etwa andere Bundesligisten mit Thomas Tuchel oder Christian Streich getan haben - entschied man sich an der Elbe mal wieder für die einfache Lösung mit dem am schnellsten greifbaren, größtmöglichen Namen.

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Doch der einstige Bayern-Star schaffte es nicht, dem Team Konstanz und Struktur zu geben, von einer Spielphilosophie ganz zu schweigen.

Und genau da findet man sofort Parallelen zu van Marwijk, der am Ende seiner knapp zweieinhalb Jahre bei Borussia Dortmund vom Boulevard nur noch als "Holland-Berti" verspottet wurde.

Weil der 61-Jährige den hohen Erwartungen nie gerecht wurde, dem BVB weder Struktur noch Konzept verpassen konnte, stattdessen aber regelmäßig auf der Autobahn in die Heimat anzutreffen war.

Danach führte er zwar die niederländische Nationalmannschaft ins WM-Finale 2010, wo sich das Team erst in der Verlängerung Spanien geschlagen geben musste. Doch trotz des Erfolgs spielten die "Elftal" puren Ergebnis-Fußball, zynisch und teilweise brutal.

Die Quittung gab es zwei Jahre später bei der EM 2012, als die überalterte Oranje-Elf sang- und klanglos mit drei Niederlagen ausschied. Seitdem war van Marwijk arbeitslos, ehe sich der HSV erbarmte.

Der zahlt dem Coach zwar trotz großer finanzieller Probleme gleich mehr als Fink, enteierte van Marwijk aber direkt mit der öffentlichen Ablehnung von Wunsch-Assistent Andy Möller.

Derweil gab van Marwijk reihenweise Interviews, noch bevor sein Vertrag unterschrieben war. Dabei tat er auch kund, dass er keinen Grund zum intensiven Austausch mit Landsmann und HSV-Idol Rafael van der Vaart sehe, den er schon im Nationalteam zum Reservisten degradiert hatte.

So wirkt vieles wie ein überhasteter Schnellschuss, wo eine längere Trainerfindung vermutlich die bessere Lösung gewesen wäre. Aber auch das klappt in Hamburg bekanntlich nicht.

2008 castete der Verein über Wochen potenzielle Nachfolger von Huub Stevens - der Mainzer Jürgen Klopp fiel durch. Gründe laut Report: Unpünktlich, unrasiert, flapsig und Jeans mit Löchern.

Man könnte fast den Eindruck haben, als ob diese Ausschlusskriterien diesmal wieder maßgeblich waren.

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