Lewandowski deutet seinen Bayern-Wechsel an. Interne Mails sickern durch und sollen belegen, dass ein Transfer früh besprochen wurde.

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Von Florian Pertsch

Mit dem Pokal-Sieg beim TSV 1860 im Rücken stand Dortmunds Stürmer Robert Lewandowski in den Katakomben der Münchner Arena.

Vielleicht war es ein Moment der Unachtsamkeit, vielleicht auch Verdruss ob der eigenen Leistung oder schlicht Berechnung.

Der Pole jedenfalls ließ ohne große Umschweife die Katze aus dem Sack ? am 2. Januar 2014 könne er den Wechsel zum FC Bayern verkünden. Er könne "dann offiziell auch den neuen Vertrag unterschreiben", sagte Lewandwoski SPORT1 (NACHBERICHT: Lewy-Klartext nach Alu-Festival).

Zu Lewandowski ohnehin "alles gesagt"

Just vor dem Spiel hatte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc bei "Sky" erklärt, dass zu Lewandowski ohnehin "alles gesagt" sei und er ab 30. Juni 2014 frei sei und machen könne, was er wolle.

Nach den Querelen der letzten Monate war in der Öffentlichkeit ein Bild von Lewandowski entstanden, dass ihn als bockigen und geldgieren Stürmer darstellte, doch vielleicht muss dieses Bild jetzt korrigiert werden.

Dem "Spiegel" liegen mehrere Mails zwischen Borussia Dortmund, den Beratern Cezary Kucharski und Maik Barthel sowie deren Anwalt Tom Eilers vor, die Fragen aufwerfen.

Konkrete Gespräche Anfang März

Aus diesem Schriftverkehr geht hervor, dass Anfang März diesen Jahres wohl sehr konkret über einen Wechsel gesprochen wurde. Demnach soll BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke erklärt haben, ab einer Ablöse von 25 Millionen Euro könne man über einen Wechsel reden.

Jurist Eilers, der unter anderem auch Dortmunds Trainer Jürgen Klopp vertritt, verfasste dem "Spiegel" zufolge zwei Tage später folgende Mail an Lewandowskis Management:

"Wie besprochen habe ich Michael Zorc gebeten, die zwischen euch am Dienstag besprochene fixe Ablösesumme von 25 Millionen Euro und die Geltung der Beraterbeteiligung am Transfererlös wie vereinbart schriftlich zu bestätigen. Insoweit hat er mir gegenüber klargestellt und auch bestätigt, dass der BVB bereit ist, Robert im Sommer gehen zu lassen, wenn bis zum 15. Mai spätestens ein Transfervertrag zustande kommt [?]. Er hat mir versichert, dass diese Zusage gilt, aber nicht schriftlich seitens des BVB bestätigt werden wird."

Watzke spricht von Missverständnis

Watzke hingegen verneinte eine Einigung und nannte die Mail ein Missverständnis: "Wir sehen ein, dass wir mit einer solchen Formulierung vielleicht Erwartungen geweckt haben. Das wird uns in Zukunft nicht mehr passieren."

Mit dieser lapidaren Erklärung musste sich Lewandowski zufrieden geben.

Mehr als ein "ich hatte ihr Wort" und "ein Mann steht zu seinem Wort" ließ der gefrustete Pole nicht verlauten.

Stattdessen schießt er weiter Tore für Dortmund, benimmt sich wie ein Profi und verrichtet im Dienstleistungsgeschäft Bundesliga stoisch seinen Job.

"Hätte mich vielleicht auch so verhalten"

Seine Professionalität geht sogar so weit, dass er von einem gewissen Standpunkt sogar Verständnis für die Vereinsführung aufbringt.

"Ich hätte mich vielleicht auch so verhalten. Wenn du gleichzeitig deinen Zehner und deinen Neuner (Mario Götze, Anm. d. Red.) verlierst, ist das schlecht", erklärte Lewandowski.

Das Reden übernahmen wieder andere, Berater Barthel zum Beispiel, der die BVB-Verantwortlichen nach dem geplatzten Wechsel laut "Spiegel" der Lüge bezichtigt haben soll.

Berater Kucharski schreibt wütende Mail

Kucharski, sein zweiter Berater, verfasste eine dem "Spiegel" vorliegende Mail: "Wir meinen, es ist unmenschlich, was ihr mit Robert macht. Er möchte unbedingt weg von euch!"

Auch die Bayern schalteten sich aktiv ein, Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge traf Watzke im Juli auf Sylt.

Nach Informationen des "Spiegel" soll der Bayern-Gesandte ein interessantes Angebot unterbreitet haben: 85.000 Euro für jeden der 365 verbliebenen Tage des Lewandowski-Vertrags.

Watzke nannte die Behauptungen "völligen Blödsinn", über Zahlen sei nie gesprochen worden.

Neues Gehaltsangebot im August

Einmal wurde in der Causa Lewandowski dann doch noch über Zahlen gesprochen. Um den Burgfrieden wieder herzustellen, unterbreitete Dortmund dem Polen Anfang August ein neues Gehaltsangebot.

Die stark leistungsbezogene Offerte empfand Lewandowski als "skandalös", vor allem Watzkes Schlusssatz in der Angebots-Mail.

"Die veränderten Konditionen setzen natürlich voraus, dass wir uns auf eine gemeinsame, harmonische Außendarstellung verständigen, bei der wir die Vergangenheit ruhen lassen", druckte der "Spiegel" Watzkes Offerte ab.

Topverdiener in Dortmund

Zwei Wochen später erfolgte ein stark verbessertes Angebot, das den Angreifer mit mehr als fünf Millionen Euro zu einem der Topverdiener in Dortmund machte.

Das über Monate zerschlagene Porzellan wird dadurch aber auch nicht mehr gekittet.

"Ich werde aus dieser Sache lernen, das wird uns so nicht noch mal passieren. Wir werden uns nun alle weiteren Absprachen immer schriftlich geben lassen", erklärt der Stürmer ernüchtert.

Wenigstens in diesem Punkt sind sich Watzke und Lewandowski einig.

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