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Trainer Pep Guardiola kam (l.) im Sommer zum FC Bayern © getty

Drei Stars nicht im Kader, fünf auf der Bank - trotzdem ist der Triple-Sieger nicht zu stoppen. Der nächste Gegner resigniert.

Von Jan Reinold

München - Man kann nicht unbedingt sagen, dass Klaus Allofs und Dieter Hecking durch den Ausflug nach München neuen Mut geschöpft hätten.

Besonders zuversichtlich klangen sie nach ihrem Spionage-Einsatz beim klaren Pokalsieg des FC Bayern gegen Hannover 96 (4:1) nicht.

"Viele Schwächen", musste Allofs eingestehen, "haben wir nicht entdeckt".

Ob der Manager des VfL Wolfsburg dafür extra die 600 Kilometer aus der VW-Stadt nach München zurücklegen musste, sei einmal dahingestellt.

Allofs weiß nun vor dem Gastspiel der "Wölfe" am Samstag an der Isar (Sa., 15 Uhr im LIVE-TICKER und bei SPORT1.fm) jedenfalls, dass der aktuelle Tabellen-Sechste einen "guten Tag" erwischen muss, um ein "gutes Spiel" abzuliefern (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle) .

Von einem Auswärtssieg wollte er gar nicht erst sprechen.

Sorgenfalten bei der Konkurrenz

Man kann das als Tiefstapelei abtun, als mangelndes Selbstbewusstsein auslegen, oder als gesunden Realismus bezeichnen.

Wie dem auch sei - fest steht, dass der FC Bayern nach den leichten Anlaufschwierigkeiten unter seinem neuen Trainer Pep Guardiola zu Saisonbeginn mittlerweile auf dem besten Wege zur Dominanz der Triple-Saison ist.

Und bei der Konkurrenz geht langsam die Angst vor einer erneuten Über-Saison der Über-Bayern um - zumal die Münchner trotz einiger Verletzungsprobleme derzeit offenbar ohne spürbaren Qualitätsverlust rotieren können.

Bayerns B-Elf mit "wenig Abfall"

Auf gleich fünf Positionen hatte Guardiola seine Mannschaft gegen Hannover verändert, auch Arjen Robben und Franck Ribery saßen zunächst draußen. Am Ergebnis änderte das: nichts.

Die Niedersachsen konnten die Bayern zwar phasenweise ärgern, zu einem Duell auf Augenhöhe über 90 Minuten aber reichte es nicht (Nachbericht).

"Schon beeindruckend" sei die Ausgeglichenheit der Bayern, meinte Hannovers Präsident Martin Kind am Mittwoch: "Da passt alles."

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch FCB-Kapitän Lahm: "Man hat wieder gesehen, dass die Spieler, die reinkommen, auch ihre Leistung abrufen, dass da wenig Abfall ist innerhalb der Mannschaft. Das ist absolut top."

Guardiola setzt auf Reservisten

Von den "Stellvertretern" war gegen Hannover vor allem der agile Xherdan Shaqiri top, der für Ribery beginnen durfte und gleich zwei Treffer vorbereite.

Auch Pizarro überzeugte bei seinem zweiten Saisoneinsatz von Beginn an. Der Peruaner war spielerisch stark und erzielte sein insgesamt 27. Tor im Pokalwettbewerb. Damit zog der Ersatz für Mario Mandzukic in der Bestenliste mit Triple-Trainer Jupp Heynckes gleich.

"Wir gewinnen keinen Titel mit nur elf Spielern, es ist eine lange Saison", unterstrich Guardiola: "Wenn wir alle drei Tage spielen, brauchen wir sie (die Ersatzspieler, d. Red.), sonst ist es unmöglich, Titel zu gewinnen."

Eine Floskel, in diesem Fall aber zutreffend.

"Geht immer besser"

Der Rekordmeister ist auf der Mission Triple-Verteidigung inzwischen im Drei-Tage-Rhythmus im Einsatz, die ersten englischen Wochen steckte die Mannschaft ohne sichtbare Mühen weg.

3:0 in der Champions League gegen ZSKA Moskau, 4:0 in der Liga auf Schalke, nun 4:1 im Pokal gegen Hannover - mit den letzten Auftritten, fand nicht nur Bayern-Kapitän Philipp Lahm, könne man doch "sehr zufrieden" sein: "Wir sind absolut auf einem guten Weg."

Gut heißt natürlich immer auch, dass noch Luft nach oben ist. Gut ist eben nicht sehr gut.

Lahm fand dann auch, und die Konkurrenz dürfte es mit einigem Unbehagen vernommen habe, "es geht immer besser".

Moderationskünste gefragt

Zweifelsohne wird die Qualität noch einmal zunehmen, wenn die verletzten Javi Martinez und Thiago zurückkehren und der gerade erst genesene Mario Götze zu alter Stärke gefunden hat.

Sollte der Kader dann von weiteren langwierigen Ausfällen verschont bleiben, wird Guardiola wohl vor allem als Moderator gefragt sein.

Gelingt es dem Spanier, das bayrische Star-Ensemble bei Laune zu halten - so wie es Jupp Heynckes in der so erfolgreichen Vorsaison geschafft hatte - dürfte es für die Konkurrenz ähnlich schwer werden wie im Vorjahr.

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