vergrößernverkleinern
Nach sechs Spieltagen hat Kevin Volland schon vier Treffer auf dem Konto © imago

Der U21-Nationalspieler präsentiert sich in Topform und ist auch ein Kandidat für Löw. Zumal andere Stürmer verletzt sind.

Von Reinhard Franke und Tobias Wiltschek

München - Kevin Volland steht auf hohe Geschwindigkeiten. Gerade, wenn es um die eigene Karriere geht.

Da schaltet der 21 Jahre alte Stürmer von 1899 Hoffenheim gerne mal den Turbo ein. So wie momentan.

In nur zwei Jahren hat er eine Blitzkarriere hingelegt - mit Tiefen, vor allem aber mit jeder Menge Höhen.

Doch was ist das für ein Typ, der in seinem ersten Jahr Bundesliga gleich gegen den Abstieg spielte, in der Relegation zu Hoffenheims Rettern zählte? Und der nun die ganze Liga verzückt?

Der pfeilschnelle Angreifer übernimmt in jedem Fall Verantwortung. Auch schon in jungen Jahren.

"Zerreiße mich für die Mannschaft"

"Man kann auch mit 21 Jahren vorangehen. Ich zerreiße mich für die Mannschaft und gebe immer alles", sagt Volland vor dem Heimspiel gegen Schalke 04 (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER und bei SPORT1.fm) zu SPORT1:

"Als Typ versuche ich auf dem Platz die anderen mitzureißen. Das ist die Art und Weise, mit der ich innerhalb der Mannschaft Verantwortung übernehme."

Seine Entwicklung überrascht. Vor gut einem Jahr war der gebürtige Marktoberdorfer von 1860 nach Hoffenheim gewechselt und hat sich dort mittlerweile zum absoluten Leistungsträger im Team von Trainer Markus Gisdol entwickelt.

Seit Monaten hagelt es Lob für Vollands spektakuläre Darbietungen.

Auch international: Als Mannschaftskapitän führte der Hoffenheimer die U-21-Auswahl in der EM-Qualifikation zu zwei souveränen Auftaktsiegen gegen die Färöer und Irland.

Erklärung für die Leistungsexplosion

Die Gründe für seine Leistungsexplosion? "Das ist ganz einfach zu erklären. Ich versuche in jedem Spiel, an und über meine Grenzen zu gehen", sagt Volland:

"Ich haue mich voll rein und habe sowohl bei der TSG als auch in der U21 eine Mannschaft um mich, die es mir einfach macht."

Dazu schenke ihm Markus Gisdol "sehr viel Vertrauen" und das wolle er "mit Leistung" zurückzahlen: "Mein großes Ziel ist es, das derzeitige Niveau über die ganze Saison hinweg auf den Rasen zu bringen."

Auch Hrubesch schwärmt

Einer, der Volland aus der U 21 bestens kennt, ist DFB-Coach Horst Hrubesch.

Der 62-Jährige schwärmt in den höchsten Tönen von dem Talent:

"Kevin ist vom Typ und vom Charakter her vorbildlich und immer bemüht, sein Bestes zu geben. Er lebt auch danach. Dann ist es normal, dass sich junge Spieler entwickeln", sagt Hrubesch zu SPORT1:

"Jetzt muss er es nur immer wieder bestätigen. Das heißt, er wird viel arbeiten müssen, um noch besser zu werden. Daran werde ich ihn auch immer wieder erinnern."

Am Anfang war nur Eishockey

Dabei sah es bei Volland zunächst nicht nach einer Karriere im Fußball aus.

Sein Vater Andreas war einst Eishockeynationalspieler. Und Auch Volland junior jagte zunächst beim EV Füssen dem Puck nach, bevor er den Ball für sich entdeckte.

Volland lernte das kicken beim FC Thalhofen, spielte später in der Jugend von 1860.

2010 unterschrieb der Stürmer seinen ersten Profivertrag bei den Münchnern.

Zur Vorbereitung auf die Saison 2010/2011 holte ihn der damalige 1860-Coach Reiner Maurer in die erste Mannschaft.

Und der Coach wurde für seine Entscheidung belohnt: Zwischen 2010 und 2012 erzielte Volland in 57 Zweitligaspielen 20 Tore.

Seine steigende Leistungskurve blieb der Konkurrenz natürlich nicht verborgen.

Aus Hoffenheim kamen schnell die ersten Lockrufe und Volland unterschrieb im Januar 2011 einen Vertrag bei 1899, wurde aber noch eineinhalb Jahre in München geparkt, um sich weiter zu entwickeln. 2012 wechselte er endgültig in den Kraichgau.

Ab zu Löw?

Der Beginn eines kleinen Märchens, denn mit seinen Leistungen spielt sich Volland inzwischen immer mehr auch in den Notizblock von Bundestrainer Joachim Löw.

Schon bald könnte er ein heißes Thema werden.

Zumal Miroslav Klose und Mario Gomez für die anstehenden WM-Qualifikationsspiele am 11. Oktober in Köln gegen Irland und vier Tage später in Stockholm gegen Schweden verletzungsbedingt ausfallen.

Ist Volland schon reif für Löw? "Das ist ein Entwicklungsprozess", sagt Hrubesch:

"Im vergangenen Jahr hat keiner in seinem Zusammenhang von der A-Nationalmannschaft gesprochen. Im Moment bringt er gute Leistungen. Die muss er aber kontinuierlich bestätigen." Dann müsse man sich keine Gedanken machen, meint Hrubesch: "Dann wird das irgendwann von ganz alleine kommen."

Volland lobt Hrubesch

Volland freut sich über so viel Lob und er gibt die guten Worte gleich zurück:

"Horst Hrubesch ist ein guter Trainer, auch als Spieler war er sehr erfolgreich. Er ist ein Mann, von dem ich viel lernen kann. Als Kapitän der U21-Nationalmannschaft will ich ihm in jeder Partie zeigen, dass seine Aussage gerechtfertigt war. Ich bin nicht der Typ, der sich nach einem Lob ausruht."

Das gewiss nicht. Denn: "Ich setze mich in Bezug auf die Nationalmannschaft aber nicht unter Druck. Zuerst kommt 1899, dann meine verantwortungsvolle Aufgabe als Kapitän der deutschen U21. Wir wollen gemeinsam zur U21-EM 2015 in Tschechien."

Wenn bei Löw nicht schon vorher eine große Aufgabe auf ihn wartet.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel