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Vukcevic spielte seit 2008 in der Jugend der TSG Hoffenheim und schaffte 2009 den Sprung in den Profikader © getty

Seit einem Jahr kämpft sich Boris Vukcevic zurück ins Leben. Ob er jemals wieder Fußball spielen kann, kann niemand beantworten.

München - Boris Vukcevic kann wieder kleine Spaziergänge machen, mit Freunden telefonieren und Besuche empfangen.

Das ist schon sehr viel für einen Menschen, der dem Tod näher war als dem Leben und wochenlang im Koma lag.

Vor exakt einem Jahr erschütterte der verheerende Autounfall des Fußballprofis die Bundesliga, seinen Verein 1899 Hoffenheim und natürlich am allermeisten seine Familie.

Vukcevic hat sich seit jenem 28. September 2012 nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt. In einem Interview äußern sich seine Eltern Sonja und Dragan erstmals dazu, wie es dem 23-Jährigen geht.

Noch ein weiter Weg

"Er ist frohen Mutes, sehr motiviert und macht gute Fortschritte. Aber man darf nicht vergessen, dass er sehr schwere Verletzungen erlitten hat und der Weg zurück für ihn noch immer sehr weit ist", erklären sie.

Vukcevic absolviert ein Reha-Programm, Verein und Familie versuchen, ihn abzuschirmen.

"Boris ist nicht nur Fußballspieler, er ist auch ein Mensch. Boris hat ein Recht auf seine Privatsphäre", betonen seine Eltern.

Unfanlltag jährt sich

Am Samstag, genau ein Jahr nach dem Unglück, spielt Hoffenheim gegen Schalke 04. (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER und bei SPORT1.fm)

Die Fans werden sicherlich wieder seinen Namen rufen. Der Stadionsprecher will statt der TSG-Hymne vor dem Anpfiff "You'll never walk alone" spielen lassen.

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Boris Vukcevic könnte wieder auf der Tribüne sitzen - aber er wird es nicht. "Es ist denkbar, dass er schon in zwei Wochen ins Stadion gehen will. Es kann aber auch noch eine Zeit dauern", meinen seine Eltern.

Das müsse und könne er ganz alleine entscheiden. Sonja und Dragan Vukcevic sagen auch: "Er muss das alles noch verarbeiten."

Autounfall wegen Unterzuckerung

Am 26. September 2012 beim 3:0-Sieg in Stuttgart bestritt Boris Vukcevic sein vorläufig letzes Spiel.

Zwei Tage später prallt er auf dem Weg zum Training mit seinem PKW auf der Bundesstraße 45 zwischen Bammental und Mauer mit einem 40 Tonnen schweren Laster zusammen.

Mit einem Rettungshubschrauber wird der U-21-Nationalspieler in ein Heidelberger Krankenhaus gebracht und von den Ärzten nach einer Notoperation ins künstliche Koma versetzt.

Später stellt sich heraus, dass die Unfallursache eine Unterzuckerung von Boris Vukcevic war. Er ist Diabetespatient.

Große Anteilnahme

Die Hoffenheimer entscheiden - auch nach Absprache mit Sonja und Dragan Vukcevic - einen Tag später in der Bundesliga gegen den FC Augsburg anzutreten.

Das 0:0 ist ein bleiernes Spiel und steht ganz im Zeichen des verunglückten Mittelfeldspielers.

Die Augsburger Spieler laufen sich in T-Shirts mit der Aufschrift "Gute Besserung, Boris" warm. Die Hoffenheimer streifen sich nach dem Abpfiff Trikots mit der "7" über, der Rückennummer von Boris Vukcevic.

Die Nachrichten über den Fußballer in den nächsten Monaten machen zunehmend Mut, der Verein verbreitet sie mit viel Hoffnung.

Heute sagen seine Eltern: "Seine Therapeuten und seine Ärzte sind zufrieden mit seinen Fortschritten. Es sind Schritte auf dem Weg zurück in ein normales Leben."

Nicht in die Öffentlichkeit

Ende Juli bittet Boris Vukcevic um Verständnis, dass er sich noch nicht öffentlich zeigen möchte und lässt sich mit den Worten zitieren:

"Ich möchte gerne weiter diesen Weg der kleinen Schritte gehen und kann nur alle bitten, das weiterhin zu respektieren. Mir geht es gut, aber die Zeit ist noch nicht reif."

Er gehört auch in dieser Saison offiziell zum Kader des Bundesligisten, der nach Boris Vukcevic Unfall in eine monatelange Krise stürzt und in der vergangenen Saison beinahe absteigt.

Distanz zum Team aufgebaut

Ob der gebürtige Kroate jemals wieder Leistungssport betreiben kann? "Das kann zur Zeit niemand beantworten. Es ist zu früh, seriöse Prognosen aufzustellen", sagen seine Eltern. "Für Boris stehen andere Themen auf der Tagesordnung."

Er habe sich aber unglaublich gefreut, als ihn kürzlich TSG-Trainer Markus Gisdol besuchte und er fiebere jedes Wochenende mit seiner Mannschaft mit.

Dennoch habe er in dem einen Jahr automatisch "eine gewisse Distanz" aufgebaut.

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