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Rafael van der Vaart (r.) würde sich den intimen Fragen des Tests stellen © getty

Vor seinem Trainer Debüt in Frankfurt erregt HSV-Coach van Marwijks Psycho-Test Hamburg. Die Spieler sind zu vielem bereit.

Hamburg - Es sind pikante Aussagen, zu denen die Spieler des Hamburger SV in den kommenden Tagen Stellung nehmen sollen:

"Ich habe viele erotische Fantasien." "Ich bin das, was man 'sexuell zügellos' nennt." "Ich liebe Partys." Oder: "Mir gefällt es, wenn andere meinen Anordnungen folgen".

Der neue HSV-Trainer Bert van Marwijk (BERICHT: Kleine Schritte große Hoffnung) will wissen, wie seine Spieler ticken, sie schnell besser kennenlernen.

Und so müssen sich Rafael van der Vaart, Rene Adler und Co. nicht mehr nur mit der brisanten sportlichen Situation auseinandersetzen, sondern wohl auch mit intimen Details ihres Privatlebens.

"Wir werden mit der Mannschaft einen Persönlichkeitstest machen. Man lernt, was in den Köpfen der Spieler so vorgeht", sagte van Marwijk vor seinem HSV-Debüt bei Eintracht Frankfurt am Samstag (ab 18.15 Uhr im LIVE-TICKER und auf SPORT1.fm).

Verschiedene Themenfelder

Es geht um Sex, Macht, aber auch um Familie und Ernährung.

Insgesamt werden den Spielern 128 Aussagen vorgelegt, die sie zu bewerten haben, auf einer Skala von "völlig falsch" bis "völlig richtig".

Die Ergebnisse des Fragebogens, den der Psychologe Steven Reiss entwickelt hat, will der erfahrene Niederländer van Marwijk aber nicht überbewertet wissen: "Psychologie ist wichtig, doch das Auge des Trainers ist am wichtigsten."

Kritik vom Arbeitsrechtler

Kritik an der Test-Idee äußerte Arbeitsrechtler Norbert Nasse. "Es handelt sich hierbei um eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts, da der intimste Bereich eines Menschen berührt ist", sagte der frühere Anwalt der Spielergewerkschaft VDV dem "Express":

"Eine solche Schnüffelei ist arbeitsrechtlich unzulässig. Die Rechtssprechung willigt dem Arbeitnehmer in solchen Fällen das Recht zu einer Lüge zu."

Der HSV ist nicht der erste Bundesliga-Klub, der zur Leistungsoptimierung einen psychologischen Test einsetzen will. Bei Hannover 96 ließ Trainer Mirko Slomka seine Spieler im Vorjahr einen Fragebogen ausfüllen, um herauszufinden, "wie ich jeden Spieler am besten erreichen kann".

HSV-Profis geben sich entspannt

Auch in der Wirtschaft und in anderen Sportarten wird der Reiss-Test angewendet. So hat die deutsche Handball-Nationalmannschaft schon genauso "die Hosen runtergelassen" wie auch Gewichtheber-Olympiasieger Matthias Steiner.

Die HSV-Spieler haben offensichtlich kein Problem damit, pikante Details aus ihrem Privatleben preiszugeben.

"Wenn es uns nach vorne bringen sollte, warum nicht? Ich habe kein Problem damit, auch intime Fragen zu beantworten", sagte etwa Innenverteidiger Heiko Westermann.

Und Regisseur van der Vaart versprach: "Ich werde sie so gut wie möglich beantworten." Doch noch wurden die Fragebögen in der Kabine noch nicht verteilt.

Schießbude der Liga

Der 61-jährige van Marwijk konzentrierte sich nach seinem Amtsantritt am Mittwoch vor allem auf die Arbeit auf dem Rasen. Und damit hat der mit Abstand älteste amtierende Trainer der Liga mehr als genug zu tun.

Der HSV präsentierte sich in den vergangenen Wochen stark verunsichert, ist mit bereits 17 Gegentoren nach sechs Spieltagen die Schießbude der Liga und nach der 0:2-Derby-Pleite gegen Werder Bremen vor einer Woche auf Platz 16 abgestürzt.

Und so setzt der Hoffnungsträger der Hanseaten auf mehr Stabilität: "Wir müssen mit der ganzen Mannschaft verteidigen."

Van Marwijk setzt Geheimtraining an

Hoffnung macht den Hamburgern ein Blick in die Statistikbücher.

Die Frankfurter sind einer der Lieblingsgegner des HSV. Schon 41 Siege konnten die "Rothosen" gegen die Eintracht einfahren, nur gegen den VfB Stuttgart gab es noch einen mehr.

Um in Ruhe an dem Ausbau dieser Erfolgsgeschichte arbeiten zu können, ließ van Marwijk vor dem Duell mit der Eintracht in der heimischen Arena zweimal unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainieren.

"Die Jungs haben verstanden"

Selbst die Fenster des Fan-Restaurants "Die Raute", aus dem man sonst auf das Spielfeld blicken kann, ließ van Marwijk abkleben.

Hinterher zeigte er sich zufrieden mit der ungewöhnlichen Maßnahme. "Die Jungs haben verstanden, was ich von ihnen wollte", sagte van Marwijk. "Es ist wichtig, dass die Spieler dahinterstehen und verstehen, was wir warum machen."

Das gilt auch für den Psycho-Test.

Die voraussichtlichen Aufstellungen

Frankfurt: Trapp - Jung, Zambrano, Anderson, Djakpa - Rode, Russ - Aigner, Inui, Barnetta - Kadlec

Hamburg: Adler - Westermann, Tah, Djourou, Jansen - Badelj, Arslan - Beister, van der Vaart, Calhanoglu - Lasogga

Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer

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