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Max Kruse (r.) wechselte im Sommer aus Freiburg nach Mönchengladbach © getty

Die Borussia stoppt ihre schwarze Auswärtsserie, lässt aber eine Chance aus. Löw-Favorit Kruse wirbt für sich - und ist sauer.

Augsburg - Max Kruse war stinksauer.

Der Nationalspieler schimpfte und meckerte und wollte gar nicht mehr damit aufhören. Auch, als er einige Minuten nach dem 2:2 (1:1) (Bericht) beim FC Augsburg in den Kabinengang trat, verfluchte Kruse dieses Ergebnis noch gut hörbar.

Dass Borussia Mönchengladbach vor allem dank einer erneut starken Leistung des 25 Jahre alten Neuzugangs erstmals in dieser Spielzeit auswärts gepunktet hatte, konnte dem nicht egaler sein. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wenn du kurz vor Schluss 2:1 führst und die Ambitionen hast, die wir immer nach außen tragen, musst du das Spiel gewinnen. So einfach ist das", sagte Kruse.

Mit seinem vierten Saisontor (33.) und seiner sechsten Vorlage zum 2:1 von Branimir Hrgota (71.) hatte Kruse seinen Namen im Notizbuch von Bundestrainer Joachim Löw fett unterstrichen. "Aber für mich wäre es wichtiger gewesen, mal drei Punkte zu holen", sagte er mit zerknirschter Miene.

Chance für Kruse bei Löw

Doch die leidenschaftlicheren Augsburger, die durch Andre Hahn verdient in Führung gegangen waren (27.), glichen durch Arkadiusz Milik spät aus (88.) (783413Bilder des Spiels).

Gladbach blieb so nur ein Punkt, Kruse dazu das Trikot des Augsburgers Tobias Werner - mehr nicht. "Traurig", fand Kruse das.

Und doch war er wohl der einzige Gewinner auf der Seite der Borussia. Löw mangelt es derzeit an Angreifern. In den entscheidenen Spielen der WM-Qualifikation gegen Irland in Köln (11. Oktober) und in Schweden (15. Oktober) muss er auf Mario Gomez und wohl auch auf Miroslav Klose verzichten. Die Chance für Kruse?

Führungsspieler mit Qualität

"Ich weiß, welche Qualität ich habe, das habe ich unter Beweis gestellt", sagte Kruse: "Und ich freue mich, wenn der Bundestrainer das auch sieht."

Er wisse nicht, wie Löw plane. "Aber wenn ich eine Chance bekomme, möchte ich sie nutzen." Wie auf der USA-Reise, bei der Kruse ebenfalls einer der wenigen Sieger war.

VfL-Manager Max Eberl, der sich zuletzt noch für Leverkusens Stefan Kießling stark gemacht hatte, betrieb in Augsburg Werbung für seinen Stürmer. "Dass Max Führungsspieler sein will, ist sein Anspruch - und das zeigt er auch", sagte er.

Favre hadert mit Fehlerquote

Kruse war an zehn der 17 Tore Gladbachs direkt beteiligt - eine äußerst starke Quote, aber zumindest in Augsburg (fast) nichts wert.

"Zufrieden bin ich nicht", sagte Trainer Lucien Favre. Gladbach war spielerisch deutlich schwächer aufgetreten als bei den Niederlagen in München, Leverkusen und Hoffenheim, was zu weniger Ballbesitz führte.

"Du musst den Ball besser beherrschen. Wir hatten zu viele Ballverluste, zu viele falsche Bälle. Wir müssen den Ball mehr zirkulieren lassen, effizienter spielen", kritisierte Favre. Und dann stellten sie sich beim späten 2:2 auch noch "naiv" an, wie Martin Stranzl monierte.

Nächste Hürde Dortmund

Am kommenden Samstag gegen Vize-Meister Borussia Dortmund dürfe man sich "solche Ballverluste nicht erlauben", fügte Stranzl an, "sonst wird's irrsinning gefährlich".

Der BVB werde den VfL sicher vor Probleme stellen, prophezeite Kruse. Denn, auch das hatte das vierte Auswärtsspiel gezeigt, richtig gefestigt ist die Borussia (noch) nicht.

Über die ersten vier Ränge, meinte Kruse, dürfe man deshalb derzeit gar nicht reden.

Augsburg belohnt sich

Das Wort Europapokal nimmt in Augsburg ebenfalls niemand in den Mund, obwohl die Schwaben weiter punktgleich mit den Gästen sind. Viel lieber freuen sie sich über ihre erstaunliche Entwicklung. Die Mannschaft sei nicht nur intakt, sondern "gereift", betonte Trainer Markus Weinzierl.

"So ein Spiel hätten wir vor einem Jahr vielleicht noch 1:3 verloren." Doch nach dem 1:2 behielt seine Mannschaft den Mut, hoch zu verteidigen, rannte nicht blind an - und wurde belohnt.

"Es war toll, wie die Mannschaft zurückgekommen ist, sie hat nie aufgesteckt, 90 Minuten richtig klasse gefightet und den Ausgleich erzwungen", lobte Manager Stefan Reuter. Der frühere Profi sieht den FCA "auf einem guten Weg".

Dass Gladbachs Mittelfeldmann Christoph Kramer hervorhob, es sei "richtig ekelhaft" in Augsburg, fasste er zurecht als Kompliment auf.

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