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Marcell Jansen bejubelt seinen Ausgleichstreffer in Frankfurt © imago

In Frankfurt beweist Hamburg unter dem neuen Coach Moral und wird belohnt. Die Eintracht macht aus ihrer Überlegenheit zu wenig.

Frankfurt - Mit viel Kampfgeist, Moral und zurückgekehrtem Glück hat der Hamburger SV den Einstand des neuen Trainers Bert van Marwijk gerettet und in der Bundesliga ein sportliches Lebenszeichen gesendet.

Beim Europa-League-Starter Eintracht Frankfurt erkämpfte sich die extrem defensiv eingestellte Mannschaft des Niederländers, der erst am Mittwoch das Kommando in der Hansestadt aufgenommen hatte, trotz zweimaligen Rückstandes ein 2:2 (1:1).

Ex-Nationalspieler Marcell Jansen (86.) erzielte mit einer beherzten Einzelleistung den Treffer zum Punktgewinn. Den Schuss des Linksverteidigers macht jedoch erst Frankfurts Innenverteidiger Carlos Zambrano unhaltbar.(783413Bilder des Spiels)

"Wir wussten vorher, dass es nicht so einfach werden würde. Wir wollten Fußball spielen, das haben wir in den ersten Minuten gezeigt. Leider bekamen wir dann das Gegentor. Die zweite Hälfte haben wir viel besser gespielt. Am Ende haben wir verdient das 2:2 geschossen", bilanzierte van Marwijk.

Erleichterung bei van der Vaart

Dadurch stoppte der wankende Bundesliga-Dino nach zuletzt zwei Niederlagen vorerst seine Talfahrt und verließ zumindest für 24 Stunden in der Tabelle den Relegationsplatz 16. Pierre-Michel Lasogga hatte kurz vor der Pause nach einer Ecke den Ausgleich besorgt.

Johannes Flum (31.) und Marco Russ (54.) hatten dominierende Gastgeber zweimal in Führung geschossen.

"Aus unserer Sicht war es ein verdienter Punkt. Wir haben mit einem neuen System gespielt, manchmal hat das geklappt, manchmal nicht. Man hat gesehen, dass wir verunsichert sind", sagte HSV-Regisseur Rafael van der Vaart bei "Sky": "Ich kenne den Trainer schon lange, er hat sehr viel Erfahrung. Ich bin froh, dass er da ist."

Vorsichtiger Beginn

Der HSV war auch aufgrund der ernüchternden Statistik (meiste Gegentore) primär um Sicherheit bemüht. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Nach knapp 20 Minuten leistete sich die Hamburger Defensive - vom eigenen Spiel womöglich selbst ein wenig eingelullt - die erste Unachtsamkeit. Stefan Aigner (18.) köpfte den Ball nur an die Unterkante der Latte. 13 Minuten später war Flum in seinem 100. Budnesligaspiel zur Stelle.

Nach dem Seitenwechsel sah van Marwijk zunächst keinen Anlass für taktische oder personelle Veränderungen. Dies wurde umgehend bestraft, als Russ nach einer ansehnlichen Kombination durch den Strafraum den Hamburger Tiefschlaf eiskalt ausnutzte.

Aigner verpasst Entscheidung

In der Folge trauten sich die Gäste angesichts des drohenden Rückschlags aus ihrer Deckung und verdienten sich das kleine Erfolgserlebnis durch das energisches Anrennen. Den Frankfurtern ging am Ende nach zwei englischen Wochen spürbar die Puste aus.

Auch deshalb konnten sie die durchaus noch vorhandenen Lücken nicht in einen entscheidenden Konter umsetzen. Aigner (69.) hatte dabei die größte Möglichkeit auf dem Fuß, vergab aber aus spitzem Winkel.

Eintracht spürt englische Wochen

Entsprechend enttäuscht waren die Gastgeber nach dem dritten Heimspiel in Folge ohne Sieg.

"Wir haben das Spiel kontrolliert und sind folgerichtig in Führung gegangen. Wir hätten auch das 2:0 machen müssen. Der Ausgleich kurz vor der Pause war unglücklich. Danach hatten wir das Spiel im Griff. Dann kam der abgefälschte Schuss - schade! Vielleicht haben uns am Ende ein paar Prozent gefehlt", fasste Trainer Armin Veh zusammen.

Ähnlich frustriert zeigte sich der starke Russ: "Nach der 2:1-Führung haben wir uns zu dämlich angestellt. Wir haben jetzt in zwei Wochen keine Ahnung wie viele Spiele gehabt - das steckt schon in den Knochen. Gegen Ende hin hat die Frische gefehlt. Die vielen Ballverluste haben uns in die Bredouille gebracht."

Weniger werden die Spiele in den nächsten Wochen nicht. Am Donnerstag muss das Überraschungsteam der vergangenen Saison in der Europa League bei APOEL Nikosia auf Zypern schon wieder ran.

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