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Bastian Schweinsteiger spielt seit 1998 beim FC Bayern © getty

Der Nationalspieler rüpelt beim Sieg gegen Wolfsburg. Die Meinungen über die Bayern-Form sind gespalten. Der Mahner schweigt.

Vom FC Bayern berichtet Tom Vaagt

München - Die Stimmung beim FC Bayern war prächtig.

Schließlich gab es so einiges zu feiern: Sich selbst, das Oktoberfest, eine zünftige Marschkapelle, das 4:0 in der Vorwoche bei Schalke 04.

Als Paul Breitner dann auch noch in einem schnittigen Gefährt eines Sponsors vorfuhr, erreichte die Begeisterung beinahe ihren Höhepunkt.

"300 PS, bei einem Verbrauch von nur 6,9 Litern", schwärmte der Bayern-Berater. Alles super also.

Fraglich einzig die Höhe des Sieges gegen den VfL Wolfsburg.

Dann wurde Fußball gespielt.

1:0 (0:0) hieß es am Ende. Ein mühevoller Erfolg, nicht mehr. An der Tabellenspitze thront weiter Borussia Dortmund.

Vielleicht hätten den Münchnern an diesem Nachmittag ein paar Pferdestärken mehr ganz gut getan. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Schweinsteiger vs. Diego

Denn: Es war sehr lange sehr zäh.

Hätte Bastian Schweinsteiger nicht in der 27. Minute zumindest für ein bisschen Aufregung gesorgt, wäre aus der ersten Hälfte wohl kaum etwas haften geblieben.

Vielleicht wollte der Nationalspieler seine Kollegen aufwecken, als er dem Wolfsburger Diego in einem Zweikampf beide Hände in den Nacken drückte.

Manch ein Wolfsburger schrie: "Rot". Schiedsrichter Bastian Dankert beließ es bei Gelb.

"Ich halte nichts davon, in solchen Situationen einen Platzverweis zu fordern", sagte anschließend auch VfL-Manager Klaus Allofs.

Also alles im grünen Bereich. Nur: Richtig wach schienen die Bayern auch nach dieser Aktion nicht.

"An die Substanz gegangen"

Klar, die Gäste machten es dem Triple-Sieger durch die geschickte und äußerst disziplinierte Abwehrarbeit auch nicht gerade einfach.

Doch die eine oder andere zündende Idee hätte es vor dem Siegtor von Thomas Müller (63.) dann aber schon sein können.

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"Das war ein Arbeitssieg. Wir haben viel investiert, sind viel gelaufen und haben viel gekämpft. Einige Mannschaften konzentrieren sich gegen uns nun einmal zu 90 Prozent auf das Verteidigen", bilanzierte Nationaltorhüter Manuel Neuer:

"Das ist nicht immer ganz einfach und ist heute an die Substanz gegangen. Das hat man auch in der Kabine gemerkt."

Auch Torschütze Müller war nach dem Kraftakt einfach nur "platt". (783413DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Guardiola gibt frei

Trainer Pep Guardiola, der trotz des Sieges weiter auf seine erste Tabellenführung mit den Bayern warten muss, verordnete folgerichtig erst einmal Regeneration.

Erst am Montagnachmittag beginnt die Vorbereitung auf das zweite Champions-League-Spiel am Mittwoch bei Manchester City.

Auch wenn der Spanier befand: "Wir haben nicht so gut gespielt. Wir hatten ein paar Probleme. Da müssen wir Lösungen finden. Aber wir haben gewonnen und werden uns verbessern."

Es war also ein Sieg nach Vorschrift, wenn man so will.

Der Mann, der den Profis vor ein paar Wochen noch "Dienst nach Vorschrift" vorgeworfen und damit ein mittelschweres Beben im Verein ausgelöst hatte, verschwand indes kommentarlos in den Abend.

Sportvorstand Matthias Sammer sagte nichts. Auch Präsident Uli Hoeneß schwieg.

"Sind nicht zufrieden"

Doch wo stehen die Bayern nach den ersten Wochen der Saison?

"Wenn wir in Manchester gewinnen, können wir zeigen, wo wir stehen", sagte Abwehrspieler Jerome Boateng.

Darüber, ob gegen den englischen Ex-Meister eine Vorstellung wie gegen Wolfsburg ausreichend sei, herrschte allerdings Uneinigkeit.

Während Manuel Neuer dies auf SPORT1-Nachfrage bejahte, gab sich Abwehrchef Dante kritischer.

"Wir können nicht immer Spektakel bieten und sind zufrieden mit den drei Punkten", meinte der Brasilianer:

"Zufrieden mit dem Spiel sind wir nicht. Wir müssen jetzt einfach nach vorn schauen."

"Weltklasse-Mittelfeld" kommt hinzu

Die nächsten Spiele haben es in sich. Nach dem Auftritt in Manchester wartet in Bayer Leverkusen schon der nächste harte Brocken - und beides auswärts.

Auf lange Sicht soll sich angesichts des strammen Programms der breite Kader als großer Vorteil erweisen.

In den derzeit verletzten Thiago und Javi Martinez sowie dem gerade erst genesenen Mario Götze bekomme man schließlich "nochmals ein fast komplettes Weltklasse-Mittelfeld dazu", schrieb Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in der Stadionzeitung an die Fans.

Zur Sorge gibt es also keinen Anlass. Auch wenn manchmal die größte Party schon vor dem Anpfiff steigt.

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