Hamburgs Trainer feiert einen guten Einstand und sorgt für Stabilität. Dafür bringt er Opfer und stellt seine Philosophie zurück.

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Aus Frankfurt berichtet Frank Hellmann

Frankfurt - Immerhin so populär ist der ehemalige Bondscoach in seiner Heimat noch, dass ihm einige niederländische Journalisten eng auf den Fersen sind.

Schritt auf Tritt begleiten sie den Familienmenschen Bert van Marwijk dieser Tage in Deutschland, um zu sezieren, ob der Fußballlehrer noch in der angesehenen Bundesliga zurechtkommt.

Und so war es nicht weiter verwunderlich, dass sich der 61-Jährige nach dem 2:2 (1:1) bei Eintracht Frankfurt (Bericht) auch viel Zeit für seine Landsleute nahm, um die Eindrücke seines Einstands beim Hamburger SV in seiner Heimatsprache zu schildern. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Eigentlich ein Offensivtrainer"

Und fast schon im Türrahmen angekommen, ist ihm am Samstagabend noch ein verräterischer Satz herausgerutscht:

"Eigentlich bin ich ja ein Offensivtrainer."

Einer, der das typisch holländische 4-3-3-System bevorzugt, der Kurzpassspiel fördert, der Ballzirkulation predigt. Doch van Marwijk ist nach nur "anderthalb gemeinsamen Trainingseinheiten" so klug gewesen, den zweiten Schritt nicht vor dem ersten zu machen.

Das durch Tore von Pierre-Michael Lasogga (45.+3) und Marcell Jansen (86.) sichergestellte Remis im Frankfurter Stadtwald war in erster Linie den Basiselementen des Fußballs geschuldet. (783413Bilder des Spiels)

Deutsche Tugenden wie Disziplin und Ordnung standen auf dem Lehrplan des Niederländers offenbar sehr weit oben. Und die hatte der neue Hamburger Hoffnungsträger offenbar im Schnelldurchgang vermittelt.

Profis preisen ihren neuen Trainer

"Für mich war das ein verdienter Punkt. Wir haben 90 Minuten lang versucht, in einer guten Organisation zu spielen. In der ersten Halbzeit hatten wir nicht immer den Mut, aber in der zweiten Halbzeit war das besser", bilanzierte der Trainer, dessen Spieler sich ziemlich auffällig bemühten, den neuen Chef zu preisen.

"Ich bin froh, dass ein Trainer mit viel Erfahrung da ist. Der Einfluss war sehr deutlich: Wir standen stabiler, taktisch geordneter", sagte Rafael van der Vaart, der bekanntlich mit seinem Landsmann bei der niederländischen Nationalmannschaft nicht immer auf einer Linie lag.

Hamburgs Linksverteidiger Jansen erklärte hernach, was ein erfahrener Coach mit einer klaren Konzeption ? die unter Vorgänger Thorsten Fink offenbar zuletzt gefehlt hatte ? alles bewirken kann:

"Für die kurze Zeit hat uns der Trainer sehr, sehr gut eingestellt. Wir waren ein ganzes Stück kompakter, wir sind zurückgekommen und nicht zusammengefallen."

Auf die Frage, ob van Marwijk auf die Mannschaft einen guten Einfluss gehabt habe, antwortete der Nationalspieler mit einem so lauten "Ja", das durch den ganzen Trakt hallte. Resultat und Leistung dienten gleichermaßen als Mut- und Muntermacher.

Kreuzer schwärmt im Doppelpass

Am Sonntag im Volkswagen Doppelpass bei SPORT1 stimmte dann auch HSV-Sportchef Oliver Kreuzer in die Elogen ein.

"Wir haben ein Trainerprofil erstellt und wollten einen Trainer mit Erfahrung. Einen, der schon erfolgreich war", beschrieb der Manager die Suche nach einem Nachfolger für den entlassenen Thorsten Fink:

"Bert van Marwijk hat uns dann sofort überzeugt."

Van Marwijk sieht Potenzial

Dem adrett gekleideten Fußballlehrer aus Deventer schien die Rückkehr in die Bundesliga nach seiner Demission bei Borussia Dortmund im Winter 2006 sehr gefallen zu haben. Er habe ja schon bei der Anfahrt mit dem Bus gespürt, dass er wieder richtig sei.

Auf SPORT1-Nachfrage erzählte van Marwijk über seine Gefühle bei der Rückkehr: "Ich kenne die Bundesliga ja noch aus meiner Dortmunder Zeit. So etwas vergisst man nicht. Da ist man ganz schnell wieder drin."

Und in seinem Team will er Potenzial erkannt haben, das noch zu wecken ist:

"Marcell Jansen, Heiko Westermann und Rene Adler, ein 17 Jahre altes Talent (Jonathan Tah, Anm. D. Red.) und Johan Djourou - das muss hinten normalerweise reichen. Im Mittelfeld haben wir ein paar sehr kreative Spieler, die mir gut gefallen. Wenn sie das Vertrauen haben, und die Mannschaft hat das Vertrauen, denke ich, dass wir uns steigern können."

Man solle schließlich nie vergessen, dass die Mannschaft mit den meisten Gegentoren verunsichert gewesen sei und auf Platz 16 gestanden habe.

Hoffen auf "schönen Fußball"

Ihm geht es zuvorderst darum, dem Gebilde Halt zu vermitteln. Auch für das nächste Auswärtsspiel am Sonntag beim 1. FC Nürnberg.

Mittel- und langfristig sehen die Ziele dann eine Weiterentwicklung vor: "Ich möchte, dass wir schönen Fußball spielen, die vielen langen Bälle mag ich gar nicht."

Anfangs heiligt der Zweck alle Mittel. Und das hat er ausführlich auch seinen eigens in die Mainmetropole angereisten Landsleuten erklärt.

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