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Ohne ihn läuft's vorne nicht mehr: Nun hofft Vedad Ibisevic aufs Comeback © imago

Der Sturm ist plötzlich des Aufsteigers Sorgenkind, der Hinrunden-Glanz futsch, wie bei Sport1.de auch Karl-Heinz-Förster einräumt.

Von Christian Paschwitz undDaniel Rathjen

München - Mit Statistiken ist das ja immer so eine Sache. Auch bei 1899 Hoffenheim. Und natürlich liegt Jan Schindelmeiser nicht ganz falsch mit seiner Behauptung über eine "insgesamt sehr stabile Formkurve".

"Das Unentschieden vom Wochenende unterstreicht unsere Konstanz nach der Winterpause", sagte der Manager des Herbstmeisters nach dem 0:0 gegen Werder Bremen. (Nachbericht)

Nach den Duellen mit Dortmund, Stuttgart und Gladbach war es bereits das dritte Unentschieden in der Rückrunde - soviel also zur Konstanz.

Was nach der bemerkenswerten Hinrunde allerdings die Formkurve angeht, trifft es der Ausdruck Stagnation besser als Stabilität. Dem zweiten Tabellenplatz zum Trotz: Der Glanz der Hinrunde ist verblasst.

Auch Sanaogo droht auszufallen

Am Samstag (ab 15 Uhr LIVE) steht Hoffenheim bei Eintracht Frankfurt unter Druck, zumal nach Chinedu Obasis Zwangspause (Faserriss in der Hüftmuskulatur) auch noch Boubacar Sanogo aufgrund muskulärer Probleme auszufallen droht.

"Es ist schwer, weiterhin stabil zu bleiben. Gerade auch vor dem Hintergrund unserer personellen Situation", sagt Schindelmeiser im Gespräch mit Sport1.de.

Trotzdem sei das erklärte Ziel nach Frankfurt zu fahren, um dort drei Punkte zu holen.

"Dreier würde gut tun"

"Ein Dreier würde uns in dieser Phase sehr gut tun. Wenn wir oben dran bleiben wollen, müssen wir mal wieder über ein Remis hinaus", gibt der Manager zu.

Bedenklich stimmt vor allem, wie ungefährlich die Hoffenheimer Offensive inzwischen geworden ist.

Ungeachtet bester Chancen musste sich das Team von Trainer Ralf Rangnick (Porträt) zuletzt zweimal in Folge mit einer Nullnummer zufrieden geben.

Und abgesehen von Husarenstück gegen Stuttgart, als Demba Ba seinen ersten Dreierpack zelebrierte, bot der Angriff auch gegen die Abstiegskandidaten Cottbus und Gladbach wenig vom Vorjahreszauber.

Eduardo als Alleinunterhalter

Da mag Regisseur Carlos Eduardo auch stark aufspielen und versuchen, zusätzlich die fehlenden Qualitäten des verletzten Freistoß-Spezialisten Sejad Salihovic zu kompensieren.

"Es ist schon schwerer geworden, weil die Unterstützung auch aus dem Mittelfeld jetzt nicht mehr so da ist", sagte Ba gegenüber Sport1.de.

Der Senegalese will die geschwundene Durchschlagskraft nicht bloß am Ausfall von Topstürmer Vedad Ibisevic (Porträt) festmachen.

Auffällig ist dennoch: Ohne den Bosnier, vor seinem Kreuzbandriss im Januar mit 18 Treffern herausragender Goalgetter in der Liga, ist 1899 vorne mindestens eine Klasse schwächer. (zur Vereinsseite)

So sieht es auch Hoffenheims sportlicher Berater Karl-Heinz Förster. Gegenüber Sport1.de erklärte der Ex-Nationalspieler, "dass der Ausfall einiger Stammkräfte ganz klar eine Schwächung ist".

Obasi wieder verletzt

Obasi (Porträt) hat zuletzt Mitte November beim 3:2 über Wolfsburg getroffen. Marco Terrazzino und der Brasilianer Wellington, der in Gladbach wenigstens noch den späten Ausgleich rettete, sind nur zweite Wahl.

Und es hatte schon etwas tragisch-komisches, dass Sanogo, in der Winterpause gerade wegen Ibisevics Ausfall verpflichtet, gegen seinen Ex-Klub Bremen dreimal den Pfosten traf statt in die Maschen. (Sanogo wird zum "Voll-Pfosten")

Was nach Meinung von Förster hinzukommt: "Die Gegner stellen sich besser ein auf Hoffenheim, sie unterschätzen 1899 nicht mehr wie noch in der Hinrunde."

Von einer Krise will der frühere Stuttgarter Sportdirektor, der beim VfB mit 1899-Trainer Ralf Rangnick zusammenarbeitet, zwar nicht reden. "Ich sehe das eher als Phase der Normalisierung", erklärt er.

"Denn jetzt weiß jedes Team, dass Hoffenheim ein ernstzunehmender Konkurrent ist."

Ausgerechnet Stuttgart im Nacken

Ohne einen funktionierenden Sturm indes drohen die Kraichgauer, die mit gleich drei weiteren Teams 42 Punkte vorweisen, ruckzuck aus Champions-League- und UEFA-Cup-Rängen zu fallen.

Ausgerechnet Regions-Rivale Stuttgart (39) könnte als erster Verfolger zum Überholen ansetzen. Auch deshalb wäre womöglich ein baldiges Comeback von Ibisevic psychologisch so wichtig.

Hoffnung auf Ibisevic

Der an den Folgen eines Kreuzbandrisses leidende Angreifer läuft bereits wieder normal und sagt hinsichtlich seiner vorzeitigen Rückkehr: "Wenn es so perfekt läuft, dass es klappt, wehre ich mich nicht."

Normalerweise dauert es ein halbes Jahr, um nach einer Verletzung dieser Art wieder richtig durchzustarten. Aber mit Statistiken ist das ja immer so eine Sache.

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