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Im Supercup bezwangen Kevin Großkreutz (M.) und der BVB die Bayern mit 4:2 © getty

Dortmund und Bayern enteilen der Konkurrenz, nur Leverkusen hält noch Anschluss. Die Liga wird zur Zwei-Klassen-Gesellschaft.

Von Christoph Lother

München - Uli Hoeneß hatte es kommen sehen.

"Es gibt ein großes Leistungsgefälle in der Liga", sagte der Präsident des FC Bayern voller Sorge.

Er fürchte, dass sich die Bundesliga zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft a la Primera Division entwickeln könnte. "Und das kann uns nicht recht sein", betonte Hoeneß.

Das war im April. Die Bayern hatten gerade ihren 23. Meistertitel eingefahren. Sieben Spieltage vor Saisonende.

Alles Schnee von gestern, könnte man meinen.

Historischer Vorsprung der Top 3

Doch weit gefehlt.

Nicht einmal ein Viertel der neuen Saison ist vorbei und die Kräfteverhältnisse im deutschen Oberhaus scheinen schon wieder geklärt.

In atemberaubendem Tempo rennen Borussia Dortmund, der FC Bayern und Bayer Leverkusen vorne weg. Die Konkurrenz verliert bereits nach sieben von 34 Runden den Anschluss.

Sechs Punkte trennen die drittplatzierten Leverkusener derzeit vom Tabellenvierten aus Hannover. Ein Vorsprung, wie es ihn zu diesem Zeitpunkt der Saison seit Einführung der Drei-Punkte-Regel in der Bundesliga noch nicht gegeben hat.

Reus: "Wollen immer einen nachlegen"

Und die Schwergewichte der Liga werden einfach nicht satt.

"Ein 2:0 oder 3:0 reicht uns nicht", sagte etwa Dortmunds Marco Reus nach dem fulminanten 5:0 über den SC Freiburg am vergangenen Samstag und fügte fast schon drohend hinzu: "Wir wollen immer noch einen nachlegen. Das haben wir uns fest vorgenommen."

Dabei haben die Borussen mit 19 Zählern aus den ersten sieben Partien doch schon den besten Saisonstart ihrer Vereinsgeschichte hingelegt.

Bayern jagen Rekord des HSV

Auch Titelverteidiger Bayern hat bereits 19 Punkte auf dem Konto und ist saisonübergreifend mittlerweile seit 32 Liga-Spielen ungeschlagen.

Einzig dem Hamburger SV, der es in den Spielzeiten 1981/82 und 1982/83 auf 36 Partien ohne Niederlage in Folge brachte, gelang bislang eine noch längere Serie.

Und Leverkusen? Das ist nach seinem besten Liga-Start aller Zeiten mit sechs Siegen und nur einer Niederlage auf dem besten Weg, sich endgültig als dritte Kraft in Deutschland zu etablieren.

Parallelen zu Real, Barca und Valencia

Um den nicht nur von Hoeneß ungeliebten Vergleich mit der spanischen Primera Division kommt man angesichts dieser Zahlen und jüngsten Entwicklungen nicht mehr herum.

Auch Real Madrid und der FC Barcelona hatten sich dort in den zurückliegenden Jahren immer wieder zu neuen Bestleistungen und Rekorden getrieben, die Meisterschaft stets unter sich ausgemacht.

Der FC Valencia, der als bislang letzter Verein 2004 den beiden Großen einen Strich durch die Rechnung machen konnte, spielte dabei in schöner Regelmäßigkeit die dritte Geige.

Leverkusen nur der Beste vom Rest

Eine Rolle, mit der sich auch die Leverkusener angesichts ihrer derzeitigen Rolle abzufinden scheinen.

"Wir denken nicht daran, wie nahe wir den Bayern und dem BVB sind", sagte Bayer-Coach Sami Hyypiä nach dem souveränen 2:0 gegen Hannover am Samstag.

Eine Sichtweise, die auch SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold nachvollziehen kann. "Bayern und Dortmund spielen in einer Liga für sich. Leverkusen hängt im Moment noch hinten dran, da muss man sehen, wie lange sie dieses Tempo mithalten können. Normalerweise sind die beiden vorne weit weg von allen anderen", sagt er.

Schalke schon aus dem Rennen

Die Schalker unterdessen, seit Jahren selbsternannter Titelkandidat, liegen nach dem enttäuschenden 3:3 in Hoffenheim schon elf Punkte hinter Dortmund und den Bayern zurück.

Sie werden - genau wie der Rest der Liga - in Zukunft wohl aus der Ferne beobachten müssen, wie sich Deutschlands Top-Trio die Superlative um die Ohren haut.

"Durch die Champions-League-Einnahmen geht die Schere schon sehr weit auseinander. Die Vereine, die da ganz oben ein paar Jahre drin sind, sind wirtschaftlich unerreichbar", gibt Berthold zu bedenken.

Netzer: Zweikampf zwischen FCB und BVB

Aufkommende Langeweile oder gar einen Durchmarsch der Bayern wie in der Vorsaison erwartet der ehemalige Welt- und Europameister Günter Netzer zwar nicht: "Dortmund wird mithalten können."

Zugleich gestand er im Gespräch mit der "tz" aber auch: "Darüber hinaus sehe ich niemanden, der das kann."

Auch in der Champions League traut der 69-Jährige den Bayern unter Ex-Barca-Coach Pep Guardiola eine erfolgreiche Titelverteidigung zu: "Die Qualität dazu haben sie."

Netzer ist sich sicher: "Guardiola läutet hier eine neue Ära ein."

So wie einst in Spanien.

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