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Torsten Lieberknecht führte Brauschweig von der Dritten Liga in die Bundesliga © getty

Braunschweigs Coach soll sich schon von den Spielern verabschiedet haben. Die lassen gegen Stuttgart Erstliga-Format vermissen.

Von Denis de Haas

München/Braunschweig - Die Braunschweiger Fans feierten trotz Niederlage. Doch Torsten Lieberknecht hatte keine Lust auf Stimmungslieder.

Braunschweigs Trainer saß niedergeschlagen im Presseraum und setzte zu einer Art Abschiedsrede an.

"Ich bin keiner, der wegläuft. Aber ich kann verstehen, wenn Fans und Verantwortliche sich Gedanken machen", sagte der 40-Jährige nach der 0:4 (0:1)-Niederlage gegen den VfB Stuttgart (Bericht).

Womöglich kündigte er dadurch seinen Rücktritt an. Nach Informationen des "kicker" hat sich Lieberknecht in der Kabine schon von seinen Spielern verabschiedet. Am Montag soll angeblich eine Entscheidung fallen.

Schlechter als Schalke

Die niederschmetternde Bilanz könnte Lieberknecht ins Grübeln gebracht haben. Ein Punkt, 3:18-Tore - nie war eine Bundesliga-Mannschaft nach dem siebten Spieltag schlechter (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Bisher hielten die Schalker aus der Saison 1967/68 diesen Negativrekord. "Ich grüble über die momentane Situation und dass ich nicht die richtigen Entscheidungen treffe", betonte Lieberknecht.

Warten auf das erste Stürmertor

Gegen Stuttgart entschied er sich für eine offensive Aufstellung. Mit Simeon Jackson, Karim Bellarabi und Domi Kumbela standen drei nominelle Angreifer in der Startformation. Doch die Taktik fruchtete nicht, der Aufsteiger wartet weiterhin auf das erste Stürmertor der Saison.

Der Verein wollte die Spieler belohnen, die Braunschweig aus den Niederrungen der Dritte Liga ins Oberhaus führten. Deshalb gab es in der Sommerpause auch keine großen Transfers.

Mittlerweile reift die Erkenntnis: Mit der Truppe reichte es gegen Burghausen und Heidenheim locker. Klubs wie Dortmund, Mönchengladbach und Stuttgart sind aber eine Nummer zu groß.

Ärger um Ibisevic-Tor

Lieberknecht wirkte am Sonntag so resigniert, dass er sich nicht einmal zu Schiedsrichter-Entscheidungen äußern wollte. Dabei hätte er durchaus einen Grund dazu gehabt.

Vor dem Stuttgarter Führungstreffer durch Vedad Ibisevic (40.) gab es eine Rangelei im Strafraum. Der Torschütze hatte Gegenspieler Ermin Bicakcic mit einem Rempler aus dem Weg geräumt.

"Der Schiedsrichter hat die Situation nicht gesehen", erklärte Ibisevic hinterher bei "sky". Auch für seinen bosnischen Kumpel Bicakcic war die Sache klar. "Als Abwehrspieler reicht schon ein kleiner Kontakt, dann bist du raus. Und das war ein klarer Schubser mit beiden Händen", sagte der Braunschweiger.

Traore dreht auf

Nach der Pause lief bei den Gastgebern nichts mehr zusammen. Es begann die große Ibrahima-Traore-Show. Der Stuttgarter wirbelte, erzielte einen Treffer (76.) und bereitete die Tore durch Alexandru Maxim (50.) und Martin Harnik (86.) vor. "Ich habe zuletzt persönliche Probleme gehabt. Aber jetzt ist alles wieder gut", sagte der Spieler aus Guinea.

VfB-Trainer Thomas Schneider lobte aber das Kollektiv. "In der zweiten Halbzeit lief es wie am Schnürchen", erklärte der Stuttgarter, der in vier Bundesliga-Spielen satte zehn Punkte holen.

Dank des Kantersieg in Braunschweig stehen die Stuttgarter auf Platz sechs. Die schwäbischen Fans dürfen wieder von heißen Europapokal-Nächten träumen.

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