Der SPORT1-Kolumnist hat kein Verständnis für die Degradierung. Braunschweig sieht er als Absteiger, das Top-Duo konkurrenzlos.

Hallo Fußball-Freunde,

die Entscheidung des FC Schalke, Jermaine Jones eine "Denkpause" zu gönnen, hat am Sonntag für viel Aufsehen gesorgt. Mich wundert die Maßnahme schon ein wenig, denn normalerweise heißt es im Fußball: "Wir gewinnen zusammen und wir verlieren zusammen."

Wenn es eine Mannschaft wieder mal nicht schafft, zumal gegen Hoffenheim, eine Zwei-Tore-Führung nach Hause zu bringen, kann man das nicht an einer Person festmachen. Dann hat man ganz oben drin einfach nichts verloren.

Ganz oben, da gehören sowieso nur zwei Mannschaften hin. Und das sind nun mal Dortmund und der FC Bayern. Diese Teams spielen in einer Liga für sich. Leverkusen hängt im Moment noch hinten dran, aber mal sehen, wie lange die dieses Tempo mithalten können.

Normalerweise sind die beiden vorne weit weg von allen anderen. Es gibt einen Block der Champions-League-Anwärter, einen Block der Europa-League-Aspiranten, einen im gesicherten Mittelfeld und einen unten im Abstiegskampf. Die Liga ist einfach eine Mehr-Klassen-Gesellschaft.

Das Problem ist, dass die Schere durch die Champions-League-Einnahmen schon sehr weit auseinander geht. In der Europa League können die Vereine überhaupt kein Geld verdienen, dafür müssten sie schon mindestens ins Halbfinale kommen, bei allem darunter müssen sie noch Geld mitbringen. Da muss sich die UEFA Gedanken machen, wie man auch die Nicht-Champions-League-Plätze finanziell attraktiv macht. So sind die Vereine, die ein paar Jahre oben in der Champions League dabei sind, wirtschaftlich unerreichbar.

Generell ist es zwar gut für die Bundesliga, dass wir zwei so starke Mannschaften haben, die auch international die Ergebnisse einfahren. Aber der Rest muss gucken, dass er den Anschluss nicht verliert.

Aber wer hat denn überhaupt das Potenzial, was Zuschauer und Wirtschaftskraft angeht? Bei den Bayern hat Uli Hoeneß sehr früh erkannt, dass er strategische Partner braucht. Dortmund ist immerhin eine AG und an der Börse notiert. Die Vereine die hinten dran stehen, sind auch in diesem Bereich weit weg.

Den Dortmundern ist in dieser Saison bisher auch der Spielplan etwas zugutegekommen, das ja. Aber das hat auch einen zweiten Effekt: Wenn jetzt die schweren Gegner kommen, läuft die Maschine schon rund. Gerade beim BVB, der mehrere neue Spieler integrieren musste, ist das natürlich von Vorteil.

Am kommenden Spieltag wird es deshalb sehr interessant. Dortmund muss zu den heimstarken Gladbachern, die Bayern nach Leverkusen, wo es nichts geschenkt gibt. Ich glaube trotzdem, dass beide ihre Spiele gewinnen und sich dadurch schon wieder eine kleine Lücke aufreißt.

So eine Lücke hat sich für Eintracht Braunschweig im Tabellenkeller längst aufgetan. Das ist für mich definitiv der erste Absteiger. Denen kann nur ein Wunder helfen. Braunschweig ist noch nicht in der Liga angekommen. Wenn man es als Aufsteiger zuhause nicht schafft, über Aggressivität und Leidenschaft die Punkte zu holen, dann wird es ganz, ganz schwer.

Bis zum nächsten Mal,Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt wöchentlich als Kolumnist für SPORT1.

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