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Bierhoff (r., mit Müller) hat beim DFB noch einen Vertrag bis 2010 © getty

Schalke 04 sucht den Müller-Nachfolger. Die "Jury" sichtet einige Kandidaten. Der DFB-Manager soll als Wunschkandidat gelten.

Von Daniel Rathjen

München - Gesucht wird: The next Andreas Müller.

Welcher "Magier" kann Schalke 04 wieder auf Kurs bringen?

Der neueste Stand: Weltmeister Olaf Thon kommt nicht in Frage, auch der ehemalige Publikumsliebling Ebbe Sand ist kein Thema.

Auf der Suche nach einem neuen Manager setzen die Gelsenkirchener nicht auf eine interne Lösung.

Wunschkandidat Bierhoff

Wunschkandidat des am Montag beurlaubten Müller soll vielmehr Europameister Oliver Bierhoff sein. Spektakulär: Auch der Name Oliver Kahn fällt (zum Artikel).

Zunächst ist jedoch noch gar nicht sicher, ob Müller nicht doch seinen Posten weiter ausüben darf.

Es ist zwar unwahrscheinlich, doch dazu muss er auf der entscheidenden Sitzung des Aufsichtsrates "nur" ein Drittel der anwesenden Mitglieder von seinem Konzept überzeugen.

Den neuesten Entwicklungen zufolge will der 46-Jährige der formellen Einladung des Kontrollgremiums folgen und bei der Sitzung an diesem Samstag von seinem Recht auf Anhörung Gebrauch machen.

Vier Nein-Stimmen reichen

Sollten alle zehn Aufsichtsräte anwesend sein, würden Müller vier Nein-Stimmen beziehungsweise Enthaltungen genügen, um seine Abberufung zu verhindern.

An eine Zukunft mit Müller glaubt in Gelsenkirchen aber niemand mehr, zumal die Entscheidung des Aufsichtsrats gegen Müller einstimmig fiel.

Zwar waren weder Geschäftsführer Peter Peters, der von Termin zu Termin eilte, noch Präsident Josef Schnusenberg am Tag nach der Beurlaubung zu sprechen. Doch die Nachfolgesuche läuft auf Hochtouren.

Bierhoff soll dabei ganz oben auf dem Wunschzettel stehen. Er hat beim DFB noch einen Vertrag bis 2010, sagte aber: "Schalke ist eine reizvolle Aufgabe."

Bierhoff nicht abgeneigt

Derzeit stelle sich für ihn diese Frage aber nicht, da die vielen offenen Aufgaben beim DFB und bei der Nationalmannschaft seine volle Konzentration erforderten.

Möglich wäre jedoch ein Engagement im Sommer. Dann will der 40-Jährige, der in Gelsenkirchens Nachbarstadt Essen aufgewachsen ist, mit DFB-Präsident Theo Zwanziger über seine Zukunft sprechen.

Lattek: "Kahn hat null Erfahrung"

In den internen Diskussionen fiel auch der Name Kahn. Der einstige Torwart-Titan, derzeit Fußball-Experte beim ZDF, will Manager werden und wäre sofort verfügbar.

"Oliver Kahn wird vielleicht später mal ein erstklassiger Manager sein, aber der hat null Erfahrung", wirft DSF-Experte Udo Lattek ein. "Und dann direkt in diese Grube bei Schalke hinein, wo der Teufel los ist. Der müsste sich erstmal freischwimmen. So einen Mann kann man eigentlich nicht nehmen", findet Lattek.

Legat schwärmt

Die Fans lehnen das einstige Schalker Feindbild nicht grundsätzlich ab.

"Es wäre ein genialer Schachzug, wenn es Schalke gelingt Oliver Kahn zu verpflichten, der die Erfahrungen und das Charisma mitbringt, um den Verein ganz nach vorne zu bringen", behauptet Sport1.de-User "Wolfgang" im Forum.

Und der Ex-Schalker Thorsten Legat schreibt in seiner Kolumne bei "Reviersport": "Mein großer Favorit ist Oli Kahn. Der wäre genau der Richtige."

Sand keine Alternative

Keine Thema sind dagegen Thon und Ex-Bundesliga-Torschützenkönig Sand, der seit seinem Karriereende 2006 als Talentscout und zwischenzeitlich Co-Trainer beim dänischen Erstligisten Silkeborg IF arbeitet.

"Es gab in der Sache keinen Kontakt", sagte der 36-Jährige der "dpa". Für Müller tue es ihm "unendlich leid: Schalke war für mich immer mit ihm und Assauer verbunden", meinte Sand.

Und nach Rolf Rüssmann winkte auch ein weiterer Schalker Ex-Manager ab. "Ich bin Vorstandsvorsitzender von Eintracht Frankfurt, daher haben diese Spekulationen überhaupt keinen Sinn. Streichen Sie bitte meinen Namen von der Liste", sagt Heribert Bruchhagen, von 1988 bis 1992 bei den Königsblauen.

Schmadtke interessiert

Interesse signalisierte indes Jörg Schmadtke, von 2001 bis Oktober 2008 Sportdirektor bei Alemannia Aachen. "Ich habe lange genug ausgesetzt", sagte der 44-Jährige, der zuletzt bei Hannover 96 im Gespräch war.

Grundsätzlich sei er interessiert, "aber dazu gehören immer zwei Seiten".

Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies stellt klar: "Wir sind noch in der Meinungsfindung."

Es gebe keinen dringenden Handlungsbedarf, "wir werden keinen Schnellschuss machen".

Schalke brauche jetzt einen "ganz starken Mann, der mal richtig aufräumt. Einer, vor dem auch die Spieler Respekt haben und der auch vor den Gremien nicht zuckt", meint Udo Lattek: "Aber ich glaube, "der Manager, der zu Schalke passt, noch gestrickt werden."

Rutten sichtet neue Spieler

Derzeit hat Trainer Fred Rutten einen Teil der Manager-Aufgaben übernommen. "Er verantwortet den Bereich Sport", sagte Geschäftsführer Peter Peters.

Das heißt: Rutten schlägt vor, welche Spieler für die neue Saison verpflichtet oder abgegeben werden sollen.

Die Entscheidung trifft der verbleibende Vorstand mit Peters und dem Präsidenten Josef Schnusenberg, der derzeit alle Vertragsverhandlungen führt.

Die meisten Personalien sollen allerdings auch noch dem Müller-Nachfolger vorgelegt werden.

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