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Arne Friedrich (r., mit Trainer Lucien Favre) hat in Berlin noch einen Vertrag bis 2012 © getty

Arne Friedrich genießt den Aufschwung mit Hertha BSC, warnt vor Übermut und wundert sich über den Siegestanz des Managers.

Von Christian Paschwitzund Martin Volkmar

München - Die Mischung macht's: Mit Effizienz, taktischer Disziplin und Herz hat Hertha BSC Berlin die Tabellenführung in der Bundesliga erobert.

Mittlerweile stehen sie auch bei der Konkurrenenz als Meisterkandidat auf der Liste, wie Bayerns Präsident Franz Beckenbauer respektvoll anerkennt (Sogar die Lichtgestalten glauben an die Schale).

Arne Friedrich ist sich der veränderten Wahrnehmung bewusst. Und der Berliner Kapitän weiß auch, was das für seine Mannschaft bedeutet.

Der Nationalspieler (Porträt) spricht im Sport1.de-Interview über den Kampf um die Meisterschale, die wachsende Fußball-Begeisterung in Berlin und die goldenen Tugenden von Trainer Lucien Favre.

Sport1.de: Herr Friedrich, freuen Sie sich eigentlich schon auf die Feier auf dem Rathaus-Balkon?

Arne Friedrich: Ich glaube, dass es noch keinen Sinn macht, über eine Feier auf dem Rathaus-Balkon nachzudenken. Wir konzentrieren uns von Spiel zu Spiel und am Ende der Saison werden wir sehen, was dabei herauskommt. Unser Ziel bleibt der Kampf um einen internationalen Wettbewerb.

Sport1.de: Immerhin sehen Franz Beckenbauer und Günter Netzer Ihr Team als Titelkandidat. Kann Hertha Meister werden?

Friedrich: Wenn man nach dem 23. Spieltag oben in der Tabelle steht, ist das sicherlich kein Zufall und dann wird man automatisch zu den Titelkandidaten gezählt. Allerdings liegen in der Tabelle die ersten fünf Plätze so dicht beieinander, dass sich noch vieles verändern kann. Es stehen noch elf Spieltage an, wo 33 Punkte verteilt werden.

Sport1.de: Dieter Hoeneß hat ja in Cottbus - auf Ihre Aufforderung hin - einen Jubeltanz hingelegt. Haben Sie Ihren Manager eigentlich schon mal so erlebt?

Friedrich: Das ist einfach spontan passiert. Wir haben im Kreis gestanden und dann habe ich den Manager aufgefordert, in der Mitte zu tanzen. Ich denke, dass ihm das viele Sympathien in Deutschland eingebracht hat. So habe ich den Manager tatsächlich noch nie erlebt.

Sport1.de: Bisher war das Olympiastadion dennoch selten ausverkauft. Spüren Sie trotzdem eine Tabellenführer-Euphorie in der Hauptstadt?

Friedrich: Schauen Sie sich die Verkaufszahlen der letzten Tage an. Für unser Heimspiel gegen Leverkusen wurden am Wochenende 3.000 Karten und alleine am Montag 4.000 Tickets verkauft. So langsam scheinen die Berliner unsere Erfolge zu realisieren und kommen ins Stadion. Im Übrigen ist es nicht so einfach, ein Stadion mit knapp 75.000 Plätzen alle zwei Wochen zu füllen. Wenn wir unsere Leistung bringen, dann werden wir auch eine gute Kulisse haben.

Sport1.de: Sie sind mittlerweile seit sieben Jahren in Berlin. Warum läuft es in dieser Saison so viel besser?"

Friedrich: Es gibt mehrere Gründe, die dafür verantwortlich sind. Zum einen haben wir uns personell sehr gut verstärkt. Nicht nur fußballerisch, sondern auch menschlich passen alle Neuzugänge hervorragend ins Team. Dann trägt die Arbeit unseres Trainers Lucien Favre mehr und mehr Früchte. Wir verstehen immer besser, was er von uns will. Und es kommt dazu, dass viele Spieler eine überragende Saison spielen. Das fängt beim Torhüter an und hört im Sturm auf. Die Stimmung im Team ist einmalig und das merkt man auch auf dem Platz.

Sport1.de: Welchen Verdienst hat der Trainer daran? Was hat Lucien Favre bei der Hertha anders gemacht als seine Vorgänger?

Friedrich: Ich möchte die Arbeit des Trainers nicht mit der Arbeit seiner Vorgänger vergleichen. Lucien Favre legt sehr viel Wert auf die mannschaftliche Geschlossenheit, Disziplin und Taktik. Diese drei Dinge sind ausschlaggebend für unseren Erfolg.

Sport1.de: Welchen Stellenwert messen Sie der Tatsache bei, dass Hertha in der Rückrunde noch keinmal zu null gespielt hat?

Friedrich: Natürlich ist es für eine Abwehr schön, wenn mal die Null steht, aber letztendlich ist entscheidend, dass wir ein Tor mehr erzielen als der Gegner. Insgesamt haben wir relativ wenig Tore zugelassen und darauf müssen wir aufbauen.

Sport1.de: Dafür trifft vorne Andrej Voronin wie ein Uhrwerk. Wie wichtig wäre sein Verbleib?

Friedrich: Die Ausleihe von Andrej Voronin war sehr wichtig für die Mannschaft. Das hat man nicht nur am vergangenen Wochenende in Cottbus gesehen, sondern auch in den Spielen davor. Ich bin mir sicher, dass dies die sportliche Leitung des Vereins genauso sieht und alles daran setzen wird, eine Verpflichtung zu realisieren.

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