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Angeblich ausgeflippt nach Müllers Entlassung: Schalke-Coach Fred Rutten © getty

Zum Wolfsburg-Spiel wird's immer chaotischer auf Schalke: Aus Wut über Müllers Rauswurf soll der Coach mit Rücktritt gedroht haben.

Von Christian Paschwitz

Wolfsburg - Ausgerechnet vor dem so eminent wichtigen Spiel beim VfL Wolfsburg am Freitag (ab 20 Uhr LIVE) droht das Schalker Chaos-Karussell, vollends aus der Kurve zu fliegen:

Wie erst jetzt bekannt wurde, soll nun auch noch Trainer Fred Rutten mit seinem Rücktritt gedroht haben.

Der 46-Jährige, der gerade erst befördert und mit den Aufgaben des entlassenen Managers Andreas Müllers betraut worden war (Müller will kämpfen - wer wird Nachfolger? ), war in der Kabine in Rage geraten, nachdem Präsident Josef Schnusenberg das Team über die Details der Müller-Beurlaubung aufgeklärt hatte

Das berichtet die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung".

"Alles hinschmeißen"

Der sonst eher zurückhaltende Rutten (Porträt) verlor in seiner Ansprache an die Mannschaft die Fassung, reagierte ungewohnt emotional auf den Rauswurf des Managers und soll vor Spielern gedroht haben, "alles hinschmeißen" zu wollen.

Vor der Mannschaft soll Rutten vor allem über die Entscheidung des Aufsichtsrates gewütet haben. Die "Bild" zitiert de Trainer indirekt, die Lage sei nun noch viel schwieriger für das Team geworden, weil noch mehr Druck auf die Mannschaft geladen wurde.

"Andi war nicht nur mein Chef. Er war mehr als mein Chef", sagte der Niederländer hinterher. "Das Ganze ist für mich sehr emotional." (zur Vereinsseite)

"Alles hinschmeißen"

Hintergrund: Rutten bildete mit dem geschassten Müller quasi eine Schicksalsgemeinschaft. "Rutten und Müller sind nicht zu trennen", hatte der Ex-Manager stets betont, dessen Aufgabenbereich vorübergehend nun ausgerechnet Rutten übertragen wurde.

Eine Beförderung wider Willen, zumal die Schalker "Manager-Findungskommission" nach wie vor im Dunkeln tappt. Wie Sport1.de erfuhr, will der Verein spätestens in einem Monat den neuen Mann vorstellen.

Die Ex-Schalker Olaf Thon und Ebbe Sand dürfen nicht. Nationalteam-Manager Oliver Bierhoff und Bayerns Ex-Profi Oliver Kahn erwidern zumindest aktuell nicht das Interesse der Knappen an ihrer Person. (zum Artikel: "Kahn ist ein guter Typ")

"Kahn ist ein guter Typ"

Auch wenn Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies im Sport1.de-Interview erklärte: "Kahn ist ein guter Typ, ein guter Junge." Ansonsten wird im königsblauen Umkreis jeder Name gehandelt, der nicht irgendwo in Lohn und Brot steht.

"Wir sind in der Findungsphase", so Tönnies und verwies darauf, dass die Entlassung Müllers vom höchsten Gremium am Samstag erst noch abgesegnet werden muss. Dass Rutten ("Magath zeigt, dass es möglich ist") als Trainer und Sportdirektor in Personalunion zur Dauer-Lösung wird, erscheint aber unwahrscheinlich.

Vielmehr wackelt der Stuhl des Trainers bei weiteren Misserfolgen selbst. Und als ob auf Schalke nicht schon genug Unruhe herrscht, flatterte unter der Woche noch ein Millionen-Angebot von Lokomotive Moskau für Kevin Kuranyi (Porträt) ins Haus, das der Klub aber ablehnte.

"Wochen der Wahrheit"

Keine guten Voraussetzungen für die "Wochen der Wahrheit": Die beginnen mit dem schweren Gastspiel beim VfL Wolfsburg, der zuletzt fünfmal in Folge gewann, die beste Rückrunden-Mannschaft ist und zu Hause seit dem 15. April 2008 in 13 Liga-Heimspielen ungeschlagen ist. (zur Vereinsseite)

"Dass der VfL zu schlagen ist, hat zuletzt Werder Bremen gezeigt", äußerte sich Rutten (zweck-)optimistisch. Im anschließenden Heimspiel ist Titelanwärter Hamburger SV zu Gast.

Zumindest personell gibt es bei den Schalkern kaum Probleme. Der Brasilianer Rafinha ist nach dem Heimatbesuch bei Töchterchen Marie-Luiza wieder zurück, einzig dessen Landsmann Marcelo Bordon (Knieprobleme) droht auszufallen.

"Wölfe" halten Ball flach

So turbulent es auf Schalke hergeht, so ruhig ist es dagegen in Wolfsburg: Das Gerede vom Titel wird bei den Niedersachsen bewusst beiseite geschoben.

"Wenn wir noch elfmal gewinnen, können wir Meister werden, aber andere Mannschaften sind besser als wir", sagte Trainer Felix Magath, und auch Kapitän Josue bleibt bei der offiziellen Zielvorgabe: "Wir wollen Fünfter werden."

Dass die Schalker Krise den "Wölfen" in die Karten spielt, glaubt man beim VfL nicht. "Es kann gut sein, dass die Schalker Mannschaft nach diesen Turbulenzen enger zusammenrückt", so Christian Gentner.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Wolfsburg: Benaglio - Pekarik, Simunek, Barzagli, Schäfer - Josue - Dejagah (Riether), Gentner - Misimovic - Grafite, Dzeko

Schalke: Neuer - Rafinha, Höwedes, Krstajic, Kobiaschwili - Jones - Westermann, Rakitic - Farfan, Kuranyi, Sanchez

Schiedsrichter: Sippel (München)

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