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Christoph Dabrowski schoss in 234 Bundesligaspielen 21 Tore © getty

Malochertyp Christoph Dabrowski ist Bochums Kapitän und Identifikationsfigur - und will nun die Bayern zum Stolpern bringen.

Von Martin Hoffmann und Matthias Becker

München - Der FC Bayern hat Luca Toni, Philipp Lahm und Franck Ribery. Der VfL Bochum hat Christoph Dabrowski.

Die Gegenüberstellung der Schlüsselspieler reicht schon, um die Gegensätzlichkeit dieser beiden Klubs zu verstehen, die am Samstag (ab 15.30 Uhr LIVE) aufeinandertreffen.

Dabrowski (DATENCENTER: Spielerporträt), der Kapitän des VfL, ist kein Star, aber er ist der Typ Spieler, der bei den Bochumer Fans ankommt: ein Arbeiter, der rennt, der rackert, der die Zähne zusammenbeißt.

Das wird er auch gegen Bayern tun, obwohl er das Donnerstagstraining nach einem schmerzhaften Pressschlag abbrechen musste.

Aber Sport1.de verrät er: "Es sieht gut aus. Es muss schon viel passieren, dass ich mir ein Spiel gegen die Bayern entgehen lasse."

Malocher als Identifikationsfigur

Dabrowski hat Schlimmeres erlebt. Besonders den Zusammenprall mit Dortmunds Mats Hummels vor einem Jahr.

Er erlitt einen Trümmerbruch im Gesicht, trägt seitdem vier Titanplättchen im Kopf. Aber weniger als einen Monat später stand er - mit Gesichtsmaske - schon wieder auf dem Platz.

Die Einstellung kommt an beim Malocherklub Bochum, wo Kämpfertyp Dabrowski eine Identifikationsfigur ist - trotz oder gerade wegen seiner unauffälligen Vorgeschichte.

Der deutsch-polnische Mittelfeldspieler feierte 1998 bei Werder Bremen sein Bundesliga-Debüt, war dann bei Bielefeld und Hannover, ehe er 2006 nach Bochum kam.

Bescheidener Goalgetter

Die meisten Bewohner anderer Städte wüssten aus dem Stand wahrscheinlich immer noch nicht, ob Dabrowski jetzt gerade bei Bielefeld, Bochum oder Hannover spielt - hätte er sich in Bochum nicht von einer neuen Seite gezeigt.

Beim Revierklub ist der jetzt 30-Jährige unvermutet noch zum Goalgetter geworden - zumindest für VfL-Verhältnisse.

Schon im Vorjahr wurde er mit fünf Treffern vereinsintern nur von Stanislaw Sestak (13) übertrumpft, in der aktuellen ist er mit sechs Toren sogar Toptorjäger der Bochumer.

Wie er das sieht? Genauso wie die Bochumer es gerne hören: "Meine Tore spielen keine große Rolle für mich. Letztlich ist es doch egal, wer die erzielt. Hauptsache ist doch, dass sie fallen."

"Uns wirft nichts mehr um"

Dabrowski stellt sich nicht in den Vordergrund, sondern die mannschaftliche Stärke - die er auch als Grund anführt, warum sein Klub aktuell im Aufwärtstrend ist.

Elf Punkte hat er in sechs Rückrundenspielen schon geholt - schon jetzt genauso viele wie in der gesamten Hinrunde.

Dabrowskis Erklärung: "Wir sind als Mannschaft näher zusammengerückt. Jeder übernimmt Verantwortung und uns wirft so schnell nichts mehr um."

Turbulentes Hinspiel

Dass auch die Bayern sich vor diesem "unumwerfbaren" Kollektiv hüten müssen, haben sie schon in der Hinrunde bemerkt.

Der VfL machte da in den letzten sieben Minuten durch Tore von Dabrowski und Dennis Grote noch einen 1:3-Rückstand wett und erkämpfte sich einen Punkt.

"In München waren wir damals zufrieden mit einem Punkt", erinnert sich Dabrowski. Aber: "Wenn wir jedoch am Samstag in der zweiten Halbzeit führen, dann will ich natürlich gewinnen."

Seine Strategie: "Wir dürfen auf keinen Fall die Fehler machen, die Lissabon und Hannover gemacht haben. Wir müssen hinten solide stehen und bei Ballgewinn schnell von Defensive auf Offensive umschalten."

Karrierehöhepunkt Pokal

Bayern als Gegner scheint Dabrowski zu liegen, der Rekordmeister war auch der Leidtragende beim bislang größten Erfolg seiner Laufbahn: dem DFB-Pokalsieg 1999 mit Werder, als Dabrowski beim Finalsieg gegen Bayern in der Startaufstellung stand.

Ein anderer Karrierehöhepunkt war Dabrowski nicht vergönnt: die Teilnahme an der WM 2006 in Deutschland.

Fürs DFB-Team stand er zwar in der berühmt-berüchtigten Perspektivmannschaft "Team 2006", schaffte dann aber wie fast alle seine Mannschaftskollegen nicht den Sprung in den deutschen WM-Kader.

Für sein Geburtsland Polen durfte er nicht zur WM, da er schon U-21-Spiele für Deutschland bestritten hatte.

Karriere-Ende in Bochum denkbar

Doch auch wenn sich der Traum nicht erfüllt hat: Dabrowski ist mit sich im Reinen.

Gerade erst hat er seinen Vertrag in Bochum bis 2012 verlängert, Karriere-Ende beim VfL nicht ausgeschlossen.

"Ich find man sollte Dabro nen Vertrag auf Lebenszeit geben", reagierte darauf ein VfL-Anhänger in einem Fanforum.

Es scheint, als hätten sich da ein Spieler und ein Verein gesucht und gefunden.

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