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Rudi Völler (r.) führte Deutschland als Teamchef ins WM-Finale 2002 © imago

Der Bundestrainer sieht die Liga im internationalen Vergleich im Rückstand - das bringt Leverkusens Sportdirektor auf die Palme.

Von Matthias Becker

München - Rudi Völler und die sportliche Leitung des DFB:

Eine Liebesbeziehung wird aus dem Verhältnis zwischen dem Ex-Teamchef und dem Verband nicht mehr entstehen.

Nachdem Völler im Jahr 2007 schon eine heftige Fehde mit Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff ausgefochten hat, nimmt er jetzt Bundestrainer Joachim Löw ins Visier.

Der hatte in der "Bild" hinsichtlich des Spieltempos in der Bundesliga bemängelt, "dass die Bundesliga im internationalen Vergleich hinterher hinkt".

"Ich stimme dieser These nicht zu"

Das will Völler, Sportdirektor der ausgewiesenen Schnell-und-direkt-Spieler von Bayer Leverkusen, so nicht stehen lassen.

"Ich stimme dieser These nicht zu. Wir sollten endlich aufhören, die Bundesliga schlechter zu machen als sie ist", fordert er in der "Bild".

Immerhin habe man im Gegensatz zu Italien einen Verein im Champions-League-Viertelfinale (Katzenjammer in Italien), der zudem noch ein Offensivspektakel geboten habe, ergänzt Völler mit einem Anflug von Sarkasmus:

"Zwölf Tore gegen Sporting Lissabon? Wenn das Barcelona gelungen wäre, hätte hier alles wieder von Traumfußball geschwärmt." (Bayern mit Rekordsieg im Viertelfinale)

Fehde mit Bierhoff

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Völler gegen gute Ratschläge aus Nationalmannschaftskreisen verwehrt. Im November 2007 geriet er heftig mit Bierhoff aneinander.

Der hatte den Bundesliga-Klubs damals geraten, sich doch mehr an der Spielphilosophie der Nationalelf zu orientieren, um erfolgreich zu sein.

Völler empfohl Bierhoff daraufhin ärztlichen Beistand: "Das permanente Sich-selbst-auf-die-Schulter-klopfen muss doch schmerzhafte Schädigungen nach sich ziehen."

Unterstützung aus der Liga

Damals wie heute stellen sich die Bundesliga-Kollegen auf die Seite von Völler.

"Ich sehe eine deutliche Tendenz in der Bundesliga hin zu offensivem Fußball", sagte Hannovers Trainer Dieter Hecking der "Bild".

Und Hoffenheim-Coach Ralf Rangnick ergänzte auf die immer wieder als beispielhaft bezeichnete Spielweise englischer Klubs: "Die Mannschaften bei uns im Mittelfeld der Tabelle sind stärker als die englischen."

Löw appelliert an gemeinsamen Einsatz

Löw hatte solche Reaktionen wahrscheinlich vorhergesehen und beharrt darauf, nicht als Oberlehrer auftreten zu wollen. Im liege es lediglich daran, den angeblichen Rückstand der Bundesliga im internationalen Vergleich zu verkürzen:

"Wir müssen alle zusammen versuchen, das zu verändern", sagte er.

Damit hat er die Liga-Verantwortlichen herausgefordert. Die sofort ausgebrochene Diskussion zeigt das.

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