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Hans Meyer beruhigt Marko Marin (l.), nachdem er ihn ausgewechselt hat © imago

Mit Konterfußball und harter Hand bringt der alte Trainerfuchs die "Fohlen" auf Trab. Daum wettert über Elfmeterpfusch.

Von Manuel Krons und Matthias Gante

München/Köln - Schon in der glorreichen Vergangenheit hatte der 1. FC Köln nach Spielen gegen Borussia Mönchengladbach nur selten etwas zu feiern.

"Die Kölner haben gegen uns kaum gewonnen", erinnert sich Borussia-Legende Günter Netzer. Daran änderte sich auch beim 108. Rhein-Derby am Samstag nichts.

Mit dem zweiten Sieg in Folge befreite sich die abstiegsbedrohte "Fohlenelf" von der Hoffnungslosigkeit im Tabellenkeller.

"Das ist richtig positiv und ein schönes Gefühl", freute sich Gladbachs Trainer Hans Meyer über den torreichen Auswärtserfolg (4:2) seiner Mannschaft (DATENCENTER: 24. Spieltag).

Starke Defensive und Konterqualitäten

"Wir haben das, was wir im Spiel gegen Hamburg an Hoffnungen geweckt haben, heute bestätigen können und endlich auch mal auswärts einen Dreier eingefahren", so Meyer (Porträt).

Drei der letzten vier Bundesliga-Spiele haben die Gladbacher für sich entschieden.

Auch wenn das Team auf Platz 16 der Tabelle noch nicht gerettet ist, so scheint es, als hätte der alte Trainerfuchs Meyer, 66, nun die Erfolgsformel für sein Team gefunden:

Taktische Disziplin, eine 4-2-3-1-Formation mit starker Defensive und großen Konterqualitäten sind die Basis der neuen Gladbacher Glücksgefühle.

Kein Angsthasen-Fußball

Spieler wie die Verteidiger Filip Daems, Tobias Levels und in der Offensive Marko Marin und Rob Friend spielen plötzlich konstant auf hohem Niveau und sind zu verlässlichen Stützen gereift.

"Wir haben jetzt elf Punkte geholt in der Rückrunde und das ist eine Riesensache. Wir sind wieder voll da", sagt Levels selbstbewusst. Die Meyer-Formel wirkt.

Von Abstiegs-Angsthasen-Fußball - wie man ihn von Mannschaften in ähnlicher Situation oft sieht - war jedenfalls vor 50.000 Zuschauern in der hitzigen Atmosphäre im RheinEnergieStadion nichts zu spüren.

Kölner Tränen vor dem Anpfiff

Für die Kölner hingegen war der 24. Spieltag auch abseits des Spielgeschehens ein Tag der Trauer.

FC-Kapitän Ümit Özat hatte wenige Stunden vor dem Spiel aus gesundheitlichen Gründen sein Karriereende erklärt (zum Artikel: Ümit Özat muss Karriere beenden).

Schon vor dem Anstoß flossen daher Tränen bei Fans und Verantwortlichen des FC.

Daum: "Unberechtigter Elfmeter"

Auch nach dem Spiel blieb es emotional auf Seiten der Kölner: Christoph Daum ereiferte sich über einen "völlig unberechtigten Elfmeter", der zum 4:2 der Gladbacher durch Michael Bradley führte (Spielbericht. Gladbach triumphiert im Rhein-Derby).

"Fußball ist nun mal Ergebnissport. Darum sind die Gladbacher die Helden und wir die Deppen", sagte Daum und forderte, dass jetzt schnellstmöglich der Ernst der Lage erkannt werden müsse.

"Alle die, die nach dem Spiel in München gesagt haben, dass wir gerettet sind, werden jetzt eines Besseren belehrt."

Meyers strenge Erziehungsmethoden

Während für die Geißböcke die Abstiegszone wieder bedrohlich näher rückt, hat Gladbach die schlimmste Phase überstanden. "Der Wind kommt jetzt erst einmal nicht von vorne oder von der Seite", sagte Meyer.

Der kleine Lauf seines Teams lässt den ältesten Coach der Liga jedoch nicht von seinen strengen erzieherischen Maßnahmen abrücken.

So musste Angreifer Marko Marin - am Samstag erneut einer der Besten - vorzeitig das Feld verlassen (64.).

Man will den jungen Mann schließlich nicht übermütig werden lassen. Auch nicht einen Tag nach seinem 20. Geburtstag.

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