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In Karlsruhe hat man sich dem Gang in Liga Zwei bereits abgefunden © getty

Der Klassenerhalt scheint für die Badener bereits in unerreichbarer Ferne. Sogar der Trainer schreibt seine Mannschaft schon ab.

Karlsruhe - Der Karlsruher SC wirft das Handtuch.

Nach einem ganz bitteren 0:1 im Kellerduell gegen den bisherigen Lieblingsgegner Arminia Bielefeld hakte Edmund Becker das Kapitel Bundesliga schon zehn Spiele vor Saisonende praktisch ab.

"Jetzt ist es nahezu unmöglich, in der Liga zu bleiben. Es sieht sehr düster aus", erklärte der völlig frustrierte KSC-Trainer.

Die erste Bundesliga-Heimpleite gegen die Ostwestfalen, das erneute Versagen seiner Stürmer - Becker war bedient.

"Wir sind am Boden zerstört. Es ist wie eine Seuche." Angesichts der vierten Niederlage in Folge, 450 Minuten ohne Tor und fünf Punkten Abstand zum rettenden Ufer machte sich Untergangsstimmung breit.

Ein Funken Hoffnung bleibt

Mehr als Durchhalteparolen blieben dem mit einer Jobgarantie ausgestatten Coach nicht. Immerhin fand er schließlich doch noch einen Funken Zuversicht.

"Der Glaube bleibt, dass sich noch etwas tut. Sonst könnten wir gleich den Laden dicht machen und abmelden", meinte Becker.

Doch selbst bei den Fans ist der Frust mittlerweile der Resignation gewichen.

Während die Anhänger zuletzt lautstark am Stadiontor protestiert hatten, versammelte sich nach der Partie am Samstag lediglich noch eine Handvoll Fans, um den Profis die Leviten zu lesen.

Zu schwach für die Erste Liga

Auch den Zuschauern ist offenbar klar, dass die Mannschaft zwar alles versucht, die Mittel des Teams im zweiten Jahr nach dem Aufstieg aber kaum für die Eliteklasse ausreichen.

"Wir betreiben einen hohen Aufwand, aber es fehlt die letzte Konsequenz", erklärte Becker, der einen Rücktritt ausschloss:

"Man macht sich natürlich Gedanken. Aber Verzweiflung sieht anders aus. Wir haben unsere Arbeitsweise gegenüber dem letzten Jahr nicht geändert. Damals haben viele Dinge geklappt, jetzt geht alles in die Hose."

Alles probiert, nichts hat genützt

In der Tat scheinen dem KSC die Ideen auszugehen.

Auch ein gemeinsamer Kinobesuch, ein Essen der Spieler mit dem Präsidium, die Vorverlegung des Trainigslagers und das Engagement des verletzten Kapitäns Maik Franz als Fan-Einpeitscher vor dem Spiel brachten nichts.

Trotz drückender Überlegenheit unterlagen die Badener vor 24.621 Zuschauern gegen einen Gegner, der in der gesamten Partie lediglich zweimal gefährlich vor dem KSC-Tor auftauchte.

"Ein perfekter Tag"

Eine dieser beiden Möglichkeiten nutzte der 120 Sekunden zuvor eingewechselte Zlatko Janjic zu seinem ersten Bundesliga-Tor (86.).

"Das ist ein perfekter Tag für mich. Etwas Besseres gibt es für einen Fußballer nicht", meinte der Bosnier.

Er bescherte den Bielefeldern den ersten Erfolg nach zuletzt fünf Spielen ohne Sieg und drei eminent wichtige Punkte im Abstiegskampf.

Utopische Ziele

Während die Bielefelder, denen auch die Gelb-Rote Karte gegen Chris Katongo wegen Zeitspiels (90.) die gute Laune nicht verderben konnte, dem Ziel Klassenerhalt immer näher kommen, setzen sich die Karlsruher fast schon utopisch erscheinende Ziele.

"Wir haben 17 Punkte. Da weiß jeder, wie viele Punkte wir noch holen müssen. Warum also nicht am Samstag bei Bayern München mit dem nötigen Punktesammeln anfangen?", sagte Rolf Dohmen.

Der Manager hat trotz dieser Aussage den Realitätssinn noch nicht verloren. "Wir stecken - auf gut Deutsch gesagt - richtig in der Scheiße."

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